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Zwischen Ehrgeiz und Freundschaft

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Mit Fackeln und Fahnen machten sich die Teilnehmer auf den Weg zum Schlossplatz. (Fotos: Rothenbuchner)
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Entzünden ihre Fackeln (v.l.): Landrat Georg Grabner, Bernhard Heitauer vom Skigebiet Götschen, Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber, Schönaus Bürgermeister Hannes Rasp, Peter Loreth, Leiter der Biosphärenregion BGL, und Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann.
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Nationalparkleiter Dr. Roland Baier und sein Vorgänger Dr. Michael Vogel vor der Eröffnungsfeier.

Berchtesgaden – Mit Fackeln zogen am Donnerstagabend die Teilnehmer des 23. »Memorial Danilo Re« durch den Markt zum Schlossplatz. Dort eröffnete Nationalparkleiter Dr. Roland Baier gemeinsam mit Dr. Christian Barth, Amtschef des Bayerischen Umweltministeriums, und weiteren Festrednern feierlich das traditionelle Ranger-Treffen.


Das »Memorial Danilo Re« findet jährlich im Gedenken an den 1995 im Dienst gestorbenen italienischen Ranger Danilo Re statt. Zentraler Gedanke der viertägigen Veranstaltung ist der freundschaftliche Austausch zwischen den Mitarbeitern der alpinen Schutzgebiete. Programmpunkte sind ein großes Seminar – dieses Jahr zum Thema »Umgang mit Sport- und Freizeitaktivitäten in Schutzgebieten« – sowie die »Trophäe Danilo Re«, ein sportlicher Wettkampf, bei dem sich die Schutzgebietsmitarbeiter in Viererteams in den Disziplinen Langlauf, Skibergsteigen, Riesentorlauf und Schießen miteinander messen.

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»Für uns als Nationalpark ist diese Veranstaltung eine tolle Geschichte. Und natürlich sind wir stolz, dass es dieses Jahr einen Rekord bei den Anmeldungen gibt«, sagte Roland Baier während der Pressekonferenz vor der Eröffnung. 46 Teams haben ihre Teilnahme bei der »Ranger-Olympiade« zugesagt. So viele wie noch nie. Ein gelungener Einstieg ins Jubiläumsjahr des Nationalparks. Aber auch eine Herausforderung für das Organisationsteam. »Aber wir sind gut vorbereitet. Alle haben sich mit viel Engagement eingebracht«, bekräftigte Nationalparkmitarbeiter Jochen Grab, der mit seinem Team seit einem Jahr an der Organisation der Großveranstaltung gearbeitet hat. Bis zum letzten Augenblick war an allen Details gefeilt worden. Am Donnerstag hatte man dann sogar noch die Strecke für den heutigen Langlaufbewerb verlegt. Statt am Sillberg wird man in der Scharitzkehl laufen. Die heimischen Starter sind für den sportlichen Teil des Events am Samstag bestens gerüstet. »Unsere Ranger sind das ganze Jahr über in der Natur unterwegs. Sportlichkeit gehört da zum Berufsbild«, erklärte Grab während der Pressekonferenz auf die Frage nach dem Training. »Wenn es auf das ›Danilo Re‹ zugeht, wird natürlich auch am Wochenende in der Freizeit trainiert.« Die Erwartungen sind hoch, immerhin sind die Ranger des Nationalparks Berchtesgaden Titelverteidiger.

Trotz allen Ehrgeizes bleibt es aber ein freundschaftlicher Wettkampf. Das bekräftigt auch Ranger Wolfgang Palzer, der seit Jahren bei der Veranstaltung dabei ist. »Es herrscht ein toller Zusammenhalt zwischen den Schutzgebieten und es ist schön, die Leute über viele Jahre hinweg immer wieder zu treffen. Es ist eine Ehre, dieses Jahr als Ausrichter dabei sein zu dürfen.«

Roland Baier freut vor allem die tolle Unterstützung vor Ort. »Dass die Bürgermeister gesagt haben, sie wollen selbst teilnehmen, sagt alles.« Richard Lenz (2. Bürgermeister Schönau am Königssee), Hannes Rasp (Bürgermeister Schönau am Königssee), Franz Rasp (Bürgermeister Berchtesgaden) und Thomas Weber (Bürgermeister Bischofswiesen) werden sich heute im Skibergsteigen (8.30 Uhr Götschen), Riesentorlauf (10.30 Uhr Götschen), Langlauf (13.30 Uhr Scharitzkehl) und Schießen (15 Uhr Sillberg) mit den Schutzgebietsmitarbeitern sowie einem Team des Bayerischen Umweltministeriums messen. Damit startet zum ersten Mal ein Team mit lokalen Bürgermeistern beim »Danilo Re«. Landrat Georg Grabner hat die Latte bei seiner Rede während der Eröffnung hoch gelegt, denn er warnte die anderen Teilnehmer: »Strengen Sie sich an, unsere Bürgermeister sind stark.«

Doch sie haben auch starke Konkurrenz, nicht nur von den beiden Teams des heimischen Nationalparks. Aus Italien, Österreich, Frankreich, der Schweiz, Slowenien, der Slowakei und natürlich anderen deutschen Schutzgebieten kommen die Teilnehmer, die sich heute in den vier Disziplinen messen. Zur Eröffnung am Donnerstag fanden sie sich alle im Markt zusammen, um gemeinsam mit Fackeln und Fahnen in Richtung Schlossplatz zu ziehen. Begleitet wurden sie dabei von der Marktkapelle Berchtesgaden.

Am Schlossplatz eröffnete Dr. Roland Baier den Reigen der Festredner, zum besseren Verständnis für die verschiedensprachigen Teilnehmer wurden alle deutschen Ansprachen auch auf Französisch und Italienisch wiedergegeben. Mit Blick auf die Vergangenheit der Region während der Zeit des Nationalsozialismus sagte Baier: »Wir treffen uns hier als freie Europäer. Wir wollen uns gemeinsam für den Naturschutz in den Alpen einsetzen. Dieses Treffen ist auch eine Chance für eine gute Zukunft der Alpen. Lassen Sie uns in den nächsten Tagen gemeinsam daran arbeiten.«

»Mit Ihrer Teilnahme bringen Sie Ihre Verbundenheit zum Naturschutz zum Ausdruck«, erklärte auch Ramsaus Bürgermeister Herbert Gschoßmann. »Sie zeigen damit aber auch, dass Danilo Re 20 Jahre nach seinem Tod nicht in Vergessenheit geraten ist.«

Für Gänsehaut unter den Zuhörern sorgte im Anschluss Mauro Fissore von der Steuerungsgruppe des »Memorial Danilo Re«. Er war ein Freund und Kollege Danilo Res und ist seit Beginn fester Bestandteil der Veranstaltung. Er intonierte am Donnerstagabend auf der Bühne mit kräftiger Stimme ein Lied für Danilo Re und »alle Freunde, die jetzt nicht mehr hier sind«. Gesanglich begleitet wurde er bei dem italienischen Lied, dessen Titel zu Deutsch so viel heißt wie »Der Herr der Gipfel«, von anderen Rangern im Publikum vor der Bühne.

In Einem waren sich alle Redner des Abends einig: Das »Memorial Danilo Re« ist etwas Besonderes. »Man knüpft Kontakte und sieht auch, dass es in anderen Schutzgebieten ähnliche Probleme gibt«, fasste es Peter Oggier, neuer Präsident von Alparc (Netzwerk Alpiner Schutzgebiete) und damit Nachfolger von Berchtesgadens ehemaligem Nationalparkleiter Michael Vogel, zusammen.

Für Dr. Christian Barth, Amtschef des Bayerischen Umweltministeriums, ist die »Ranger-Olympiade« auch eine gute Einstimmung auf die Olympischen Spiele in Südkorea, die, wie er erinnert, »fast hier stattgefunden hätten. Die Ranger-Olympiade ist ein guter Ersatz dafür«. Das »Memorial Danilo Re« sei ein toller Start für das 40-Jahre-Jubiläum des Nationalparks Berchtesgaden. »Wir werden das ganze Jahr weiterfeiern, heute ist ein guter Beginn.« fb