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Erben streiten mit Ordinariat um Mietzahlungen – Gegenseitige Klagen

Zwist um Auer Pfarrhaus

Berchtesgaden – Die Erben des früheren Berchtesgadener Pfarrers Franz Sturm wollen rund 3 000 Euro für vermeintlich zu viel bezahlte Miete von der Erzdiözese zurück. Die Kirchenstiftung Heilige Familie Au dagegen verlangt ihrerseits 4 100 Euro Mietnachzahlung. Die Sache landete nun vor dem Laufener Amtsgericht.

Zu viel oder zu wenig Miete gezahlt? Die Erben des verstorbenen Auer Pfarrers Franz Sturm streiten derzeit mit der Kirchenstiftung Heilige Familie Au darüber vor Gericht. (Foto: Wechslinger)

Zwei Nichten von Pfarrer Sturm vertreten insgesamt zwölf Erben. Und die hatten eines Tages festgestellt, dass auch nach dessen Tod die Mietnachzahlungen versehentlich weitergelaufen waren. Sturm war am 10. August 2014 verstorben, gezahlt worden war noch bis Januar 2015. Laut Rechnung der Erben summierten sich die zu viel bezahlten Monatsmieten auf 3 000 Euro.

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Die Kirchenstiftung stellte dazu eine Gegenrechnung auf: Pfarrer Sturm soll eine Zeit lang unberechtigterweise mietfrei im Pfarrhof gewohnt haben. Zurecht, sagen dagegen die Erben, denn Sturm sei auch nach seiner aktiven Zeit noch für die Pfarrei tätig gewesen. »Das ist gang und gäbe«, versicherte eine der Nichten im Laufener Gerichtssaal, und auch das Ordinariat habe dies bestätigt. Tatsächlich liegt den Erben ein Schreiben des Ordinariats vor, das Pfarrer Sturm erst mit dem dauerhaften Eintritt in den Ruhestand zum 1. September 2012 für mietpflichtig erklärt. Darin ist aber ebenso von der »Kulanz der Kirchenstiftung« die Rede, die auf 16 Monatsmieten verzichtet habe.

Richter Dr. Stefan Poller erkennt darin »eine starke Position«. Die Frage sei, ob ein Verzicht auf Mietzahlungen tatsächlich erfolgt sei. »Die Beweispflicht liegt bei Ihnen«, sagte Poller in Richtung Erben und fragte die Parteien, ob dieser Streit denn im Sinne des Verstorbenen gewesen wäre und man sich nicht gütlich einigen wolle.

Die Erben betonten, man habe bereits vergeblich versucht, sich außergerichtlich zu einigen. Die Gegenklage der Kirchenstiftung sei erst nach der Klage durch die Erben erfolgt. »Ich kannte meinen Onkel«, sagte eine der beiden Nichten, »der war immer ein 150-Prozentiger.« Und deshalb müsse es einen Grund gegeben haben, weshalb er für 16 Monate keine Miete bezahlt habe. Allerdings habe man dazu nichts mehr in der Hand, entsprechende Unterlagen seien für sie nicht mehr greifbar. »Da ist im Hintergrund so viel vorgekommen«, merkte Rechtsanwalt Stefan Pritz als Vertreter der Erbengemeinschaft dazu an. Tatsächlich hatten die Erben Strafantrag gegen den jetzt zuständigen Pfarrer wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs gestellt. Das Verfahren war jedoch von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. »Wir wollen wenigstens die Mietüberzahlungen zurück«, so eine der Nichten.

Eine 62-jährige Buchhalterin berichtete, dass sie Anfang 2013 festgestellt habe, dass keine Mietzahlung durch Pfarrer Sturm flössen und sie ihm daraufhin die Kontonummer mitgeteilt habe. Ende 2013 habe sie Sturm neuerlich an die fällige Miete erinnert. Im Januar 2014 sei dann die erste Zahlung eingegangen, ergänzte die 60-jährige Kirchenpflegerin. Sie habe jedenfalls nichts auf dem Tisch gehabt, woraus ersichtlich gewesen wäre, dass Pfarrer Sturm keine Miete zu zahlen habe.

Pfarrer Franz Sturm war 2004 in den Ruhestand gegangen, war aber noch bis 2012 als Pfarradministrator eingesetzt gewesen, wusste ein 74-jähriger Rentner zu berichten. »Er hat 2005 von der Kirchenstiftung einen Mietvertrag bekommen, der den ganzen Pfarrhof betroffen hätte«, so der ehemalige Kirchenpfleger. Er habe Pfarrer Sturm davon abgeraten, worauf es einen neuen Mietvertrag gegeben habe, mit weniger Quadratmetern, jedoch mit gleichem Betrag. Pfarrer Sturm habe damals mit dem Ordinariat telefoniert und klar gestellt, er zahle dasselbe wie der Ramsauer Pfarradministrator, nämlich nichts. »Pfarrer Sturm war bis zu seinem Tod seelsorgerisch tätig gewesen«, bekräftige der Zeuge, »soweit es von Berchtesgaden geduldet war.«

Um sich ein wirkliches Bild der etwas verworrenen Sachlage machen zu können, will Richter Stefan Poller die beiden Nachfolger Sturms und eventuell weitere Zeugen laden. Einen neuen Verhandlungstermin dafür wird Poller am morgigen Donnerstag bekannt geben. Hannes Höfer