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Lukas Schöbinger wird die Nachfolge von Hubsi Ilsanker bei Enzian Grassl antreten

Das ist der neue Bergbrenner

Berchtesgaden – Lukas Schöbinger tritt als neuer Bergbrenner in die Fußstapfen von Hubert Ilsanker. Als gelernter Destillateur, der seine Ausbildung bei der Enzianbrennerei Grassl absolviert hat, und leidenschaftlicher Musiker, könnte die Ausgangslage für ihn nicht besser sein.

Offizielle Schlüsselübergabe: Enzianbrennerei-Grassl-Chef Martin Beierl (l.) und Destillateur Lukas Schöbinger. (Foto: Pfeiffer)

Natürlich ist Lukas Schöbinger ein bisschen aufgeregt, denn sein neuer Job ist deutschlandweit einzigartig und steht im Interesse der Medien. Als Bergbrenner und Wurzelgraber gilt es, den besten Schnaps herzustellen – oben auf dem Berg, in den Brennhütten auf der Kallbrunnalm, der Eckerleiten, am Priesberg, der Wasseralm sowie dem Funtensee. »Da wartet eine Menge Arbeit auf mich«, sagt Lukas Schöbinger selbstbewusst. Im Mai wird es für ihn am Berg losgehen. Die Tradition zu wahren, das sei das eine, denn Hubsi Ilsanker, der den Beruf 25 Jahre lang ausgeübt hatte, hat natürlich vorgelegt. Aber: »Jeder beginnt mal bei null. Der Hubsi war damals genauso alt wie ich und musste in die Fußstapfen seines Vorgängers treten.«

Mit Lukas Schöbinger hat man bei der Enzianbrennerei Grassl durchaus Glück gehabt. Das Handwerk des Schnapsbrennens hat er von der Pike auf gelernt. Zudem ist der Beruf des Destillateurs selten. Es gibt nur eine einzige Berufsschule, die ist in Dortmund. Pro Jahr gibt es lediglich 20 Berufsanfänger – in Deutschland, Österreich und Südtirol zusammengenommen.

Lukas Schöbinger ist zwar erst 21 Jahre alt, aber er hat schon während der Ferien immer wieder in der Enzianbrennerei in der Unterau gearbeitet. Im Verkauf, der Kundenberatung, ein erstes Hineinschnuppern in einen Berufszweig mit Seltenheitsgarantie. »Mir hat das gut gefallen«, sagt der junge Mann, der sich auf die »spannende Herausforderung« freut. Er weiß, dass er auf dem Berg nicht allein sein wird, »ich erhalte Unterstützung. Im Laufe der letzten Jahrzehnte haben wir uns einen Kreis an 'Bergmenschen' aufgebaut, die sich gegenseitig unterstützen.« Holzarbeiter, Wegemacher, Jäger, Hüttenwirte fallen darunter. Und auch Lukas Schöbingers Vater wird seinem Sohn zur Hand gehen können als gelernter Zimmerer. Denn Lukas muss als Bergbrenner nicht nur Schnaps herstellen, sondern er wird auch handwerklich stark gefordert sein. Jedes Jahr aufs Neue müssen die Brennhütten »hergerichtet« werden. Am Funtensee muss in diesem Jahr etwa ein neuer Zaun gebaut werden, der im vergangenen Jahr von den Schafen in Mitleidenschaft gezogen worden war.

Natürlich ist es von Vorteil, dass Lukas auch ein begeisterter Musikant ist. Er spielt Trompete und ist Mitglied der Marktkapelle Berchtesgaden. »Neben dem Brennen werde ich sicherlich auch die Gelegenheit haben, Musik zu machen«, sagt er. Wissend, dass er auf den Brennhütten von vielen Gästen Besuch bekommen wird. So wie sein Vorgänger Hubsi, der als Mitglied des »Oxn Aug'n-Trios« oft einen aufspielte. Als Trompetenspieler scheint Lukas Schöbinger ganz gut zu fahren, immerhin ziert den Firstbalken der Priesberg-Brennhütte ein altes Familienwappen aus dem Jahr 1849. Dort ist eine Trompete eingeschnitzt, samt Wurzelpickel.

Der 21-Jährige war im Übrigen schon mehrfach auf den Brennhütten unterwegs, auf der Eckerleiten, auch auf der Wasseralm. Gemeinsam mit Hubsi Ilsanker hat er damals Schnaps gebrannt und die Arbeitsweisen am Berg kennengelernt. »Das Spiel mit den Temperaturen benötigt einige Erfahrung, da wir ja noch auf Holzfeuer destillieren«, weiß Lukas Schöbinger. Und über die weiteren Herstellungsgeheimnisse, wie die Brenntemperatur oder das Einmaischen, wisse er bereits Bescheid.

Dass sich Schöbinger zurechtfinden wird, daran zweifelt auch einer seiner Chefs, Martin Beierl von der Enzianbrennerei Grassl, nicht. »Der Lukas beherrscht sein Handwerk«, sagt er.

Schöbingers Eltern und Großeltern wollen ihn übrigens oft besuchen. »Die freuen sich schon drauf.« Ebenso wie Lukas Freundin, die an der Fachhochschule in Salzburg Betriebswirtschaft studiert und schon gespannt ist auf den »Kontrast zum Studium«.

Zuhause habe er bei seinen Eltern eine Landwirtschaft, »die auch einen Teil meiner Freizeit erfordert.« Außerdem ist er ein echtes Unterauer Buttnmandl. Kilian Pfeiffer