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Firmen beklagen wirtschaftliche Schäden

Gekappte Leitung: Gesamter Talkessel ohne Internet

Berchtesgadener Land – Neun Stunden lang ging in Berchtesgaden, Bischofswiesen, Ramsau, Schönau am Königssee und Teilen von Marktschellenberg absolut gar nichts mehr: Das Internet war »tot«.

Ein Bagger beschädigte am Donnerstag (13. Juli 2017) in Bad Reichenhall die Telefonleitungen im Erdreich und sorgte für einen flächendeckenden Ausfall der Telekommunikation im nahezu gesamten Landkreis Berchtesgadener Land. Foto: dpa/Peter Kneffel

Bei Tiefbauarbeiten beim Panorama Park in Bischofswiesen (nicht wie von der Deutschen Telekom ursprünglich mitgeteilt in Bad Reichenhall) hatte ein Bagger ein Glasfaserkabel zerstört. Internet- und Telefonverbindungen fielen daraufhin in mehreren Tausend Haushalten und Unternehmen aus. Der wirtschaftliche Schaden ist noch nicht zu beziffern.

Die offizielle Antwort der Telekom ist kurz und knapp: »Grund für die Störung war ein Kabel, das bei Tiefbauarbeiten beschädigt wurde«, heißt es aus der Abteilung, die sich mit Presseanfragen beschäftigt. Detaillierte Auskünfte gibt es erst zu einem späteren Zeitpunkt: Dann will man sich auch mit der Anfrage nach eventuellen Entschädigungsansprüchen beschäftigen, die etwa Unternehmen zustehen, die wegen des Netzausfalls keinerlei Möglichkeiten hatten zu arbeiten.

Erst kürzlich war in Freilassing bei Bauarbeiten ein Glasfaserkabel beschädigt worden: Auch dort fielen Internet- und Telefonverbindungen aus. Thomas Birner, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land, sagt, dass der Digitalausbau im Landkreis auf einem guten Weg sei, die Gesamtinfrastruktur des Netzausbaus allerdings komplexer werde, wenn es zu Störungen kommt: »Moderne Systeme sind für solche Unfälle wie in Bischofswiesen anfälliger«, sagt Birner und versichert, dass die Erweiterung des Digitalnetzes in der Region bis 2019 intensiv vorangetrieben wird. »Wir sind dann auf einem für Firmen optimalen Ausbauzustand, was die Digitalisierung angeht.«

Den ganzen Tag keine Kommunikation möglich

Zahlreiche Unternehmen aus der Region haben am Donnerstag den Baggerschaden, der sich am Panorama Park in Winkl ereignet hatte, zu spüren bekommen. Darunter etwa die Firma »by Riese«, die im Gewerbegebiet Pfaffenfeld im internationalen Handel mit Socken und Strümpfen tätig ist. Geschäftsführer Erhard Riese sagt, dass »die Beeinträchtigungen enorm waren.« Da man international tätig sei und im Austausch mit Herstellern und Produzenten im Ausland stehe, konnte den gesamten Tag über keine Kommunikation stattfinden. Da die Server vom Netz abgeschnitten waren, waren »Überweisungen und Bestellungen nicht möglich.« Durch die zunehmende Digitalisierung sei man abhängiger von stabilen Internetverbindungen, so Riese. »Zumindest ging bei uns das Telefon«, sagt er.

Das funktionierte bei der Firma Engelbert Sellmaier Feinwerktechnik GmbH zwar auch, wie der Geschäftsführer bestätigt. »Wir agieren bislang insgesamt eher konservativer, wir schauen uns an, was möglich ist hinsichtlich der Digitalisierung und wägen Vor- und Nachteile ab«, sagt Engelbert Sellmaier. »Wären wir bereits komplett auf den Zug der Digitalisierung aufgesprungen, hätte bei uns gar nichts mehr funktioniert«, sagt er. So konnte zumindest der Schriftverkehr zwar nicht über E-Mail erfolgen, sondern über das klassische Fax-Gerät.

Nichts ging mehr – Mitarbeiter konnten nach Hause

In anderen Bereichen schaute es da schon schlechter aus. So mancher Steuerberater musste seine komplette Mitarbeiterschaft nach Hause schicken, weil gar nichts mehr ging. Ein Reisebüro in Bischofswiesen musste schließen, weil man keinen Zugriff mehr auf das Internet hatte und Kundenanfragen somit nicht mehr erledigt werden konnten. Auch im Rathaus von Berchtesgaden funktionierte das Internet nicht mehr. »Bei uns ist das nicht ganz so schlimm«, sagt Silvia Miller, die in der Verwaltung arbeitet. »Wir hatten auch so noch genug zu tun.«

Ganz anders schaut dies bei Unternehmen aus, bei denen ohne Internet die Arbeit liegen bleibt. Bei Trachtenmoden Riehl am Königssee funktionierten die Kartenlesegeräte nicht mehr. »Viele Kunden haben dann lieber gar nichts mehr gekauft«, sagt Stephanie Riehl. Beim Trachten-Onlinehandel »Alpen Best Shop« sei das Problem gewesen, dass die Kommunikation mit den Kunden gestört war. »Kunden wollen prompte Antworten per Mail oder Chat und sind es auch nicht gewohnt zu warten«, sagt Riehl. Nur die Bestellungen funktionierten reibungslos, »weil der Shop auf einem externen Server in einem Rechenzentrum liegt.« Somit blieb die Arbeit größtenteils liegen. Auch hier gingen die Mitarbeiter vorzeitig nach Hause.

Nachspiel für die Telekom?

Dass solche Ausfälle Konsequenzen haben und Firmen eventuelle Ausfälle geltend machen wollen, darüber weiß man bei der Telekom Bescheid. Man müsse nun die Reaktionen abwarten, heißt es bei der Telekom auf eine telefonische Anfrage hin. Das Glasfaserkabel war nach rund neun Stunden gegen 18 Uhr wieder repariert. Die meisten Unternehmen waren zu diesem Zeitpunkt bereits geschlossen. Kilian Pfeiffer