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Nach dem 14-Tonnen-Felssturz setzt das Staatliche Bauamt eine 350 000-Euro-Maßnahme um

Hochsicherheitsnetze sollen die Gefahr bannen

Ramsau – Als sich der riesige Gesteinskoloss aus der Wand beim Felsentor in der Ramsau gelöst hatte, konnte die Frau gerade noch bremsen. Zwei Felsen mit rund 14 Tonnen Gewicht stürzten auf die viel befahrene Straße, die neben der Ramsauer Ache durch eine Felsschneise führt (wir berichteten). »Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Wand zu sichern«, sagt Thomas Zumbrunnen, der beim Staatlichen Bauamt Traunstein die Abteilung für Georisiken und alpine Sonderbauweisen leitet. Mehrere Hunderttausend Euro werden nun in Sicherungsmaßnahmen investiert.

Der Fels ist brüchig, deshalb müssen für die Sicherung des Steilgeländes vor dem Ramsauer Felsentor 350 000 Euro in die Hand genommen werden. (Foto: Pfeiffer)

Mit einem heftigen Donnern schoss zunächst ein kleiner, dann ein mächtigerer Felsbrocken den Hang hinab, landete auf der Straße, zerstörte eine Stützmauer und die Schutzplanken. Mit rund 20 000 Euro beziffert Zumbrunnen den angerichteten Schaden. Dass sich der riesige Felsklotz überhaupt lösen konnte, sei mit großer Wahrscheinlichkeit auf Auswaschungen und Wurzelsprengungen zurückzuführen, sagt Thomas Zumbrunnen. In der Tat hatte es zuvor stark geregnet.

»Die Wand am Felsentor ist stark zerklüftet, durchzogen von Spalten.« Eindringendes Wasser umspült die Felsen. Über Jahre und Jahrzehnte gesehen werden die Auflagerungen ausgewaschen, Felsbrocken verlieren somit die Verankerung, stürzen ungehindert hinab. Weil es in dem Tal, durch das die Straße nach Ramsau führt, teils sehr kalt werden kann, gefriert das eindringende Wasser vor allem in den Wintermonaten. Der Fels wird dann auf natürliche Weise gesprengt.

Dass beim Felssturz nicht mehr passiert ist, sei glücklichen Umständen zu verdanken, so Zumbrunnen. Vor allem in der Saison wird die Straße von Tausenden Fahrzeugen täglich befahren, die sich in Richtung der Alpenstraße aufmachen. Drei Autofahrer waren in unmittelbarer Nähe, als der Gesteinsklotz auf der Straße einschlug. »Das hätte auch anders ausgehen können«, sagt Zumbrunnen. Als Georisiken-Spezialist ist er beim Staatlichen Bauamt Traunstein dafür zuständig, Gefahren von Straßen, Fahrzeugen und Personen erst gar nicht aufkommen zu lassen.

»In unserem Zuständigkeitsgebiet in Traunstein und dem Berchtesgadener Land gibt es etwa 80 Kilometer Straßen, die einem besonderen Sicherheitsrisiko unterliegen«, sagt er. Darunter 30 Kilometer, die »erheblichen beziehungsweise sehr großen Sicherheitsrisiken« ausgesetzt sind. Solche Abschnitte gibt es an der Bundesstraße 21, aber auch der Bundesstraße 305, die in die Ramsau führt. Weil hier die Bedingungen besonders schwierig sind, die Felswände steil aufragen und die Ache die Temperatur tief hält, sei die Gefahr des Felssturzes auch dauerhaft gegeben. »Wir haben schon länger geplant, am Felsentor Sicherungsmaßnahmen durchzuführen«, sagt Thomas Zumbrunnen. Diese sollten in den nächsten Jahren umgesetzt werden. Wegen des Vorfalls vor ein paar Tagen würden diese nun aber vorgezogen. »Das hat jetzt höchste Priorität.«

Ein Konzept liegt bereits vor, geplant ist, den Abschnitt vor dem Felsentor mit Steinschlagschutzzäunen auszubauen. Hochleistungsnetze, die direkt vor dem brüchigen Fels angebracht und im Gestein verankert werden, sollen den Absturz weiteren Gesteinsmaterials verhindern. »Diese Netze werden eins zu eins geprüft und müssen individuell gefertigt werden«, sagt Zumbrunnen. Eine österreichische Spezialfirma wird in der Ramsau die Netze installieren. Rund fünf Wochen soll die Maßnahme, die kommende Woche startet, beanspruchen. Die Gefahrenstelle soll dann beseitigt sein. Aktuell ist bereits eine Baustelle eingerichtet, Büsche, Sträucher und überschüssiges Material am Fels werden entfernt, eine Ampelanlage regelt den Verkehr. Mit Rückstaus in Richtung Ramsau und Berchtesgaden ist zu rechnen. Rund 350 000 Euro werden die Sicherungsmaßnahmen kosten. »Das ist notwendig«, sagt Zumbrunnen. Die Umsetzung in das nächste Jahr zu schieben, wäre fahrlässig.

Auch wenn der Bereich vor dem Felsentor aktuell Priorität hat, ist die Bundesstraße 305 noch lange nicht komplett gesichert. Vor allem an jenem Abschnitt, der im Winter von starker Eisbildung betroffen ist, muss noch viel Geld in die Hand genommen werden, wie der Bauingenieur bestätigt. »In den nächsten Jahren wird hier einiges passieren.« Bislang habe man aber noch keine 100-Prozent-Lösung parat. Denn Netze alleine reichten nicht aus, um die Eisschlaggefahr zu bannen. »Wir arbeiten an der bestmöglichen Lösung«, sagt der Spezialist für alpine Sonderbauweisen. Kilian Pfeiffer