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Inzeller Gemeinderat stimmte für Olympia 2022

Inzell. Bei einer ausgedehnten, aber sehr sachlich geführten Diskussion brachten die Befürworter der Beteiligung Inzells an der Bewerbung für die Olympischen Winterspiele 2022 und die Kritiker im Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung ihre Argumente noch einmal vor. Grundsätzlich signalisierten alle Gemeinderäte ihre Zustimmung zur Olympischen Idee und der Beteiligung der Region.

Die Max-Aicher-Arena ist im Bewerbungskonzept als Mediencenter für die möglichen Olympischen Spiele 2022 in München, Garmisch, dem Landkreis Berchtesgadener Land und Traunstein vorgesehen. (Foto: Bauregger)

Am Ende waren sieben der dreizehn Gemeinderäte dafür

Wegen des geplanten nur vorübergehenden Baus eines Olympischen Dorfes im Außerfeld und der Nutzung der Eishalle als Mediencenter samt dadurch bedingter Ausfallzeit gab es massive Kritik bis hin zu Forderung, Inzell solle sich von einer direkten Beteiligung in der jetzt geplanten Form zurückziehen. Schlussendlich stimmten aber sieben der dreizehn Gemeinderäte für das Konzept.

Bürgermeister Martin Hobmaier fasste die Eckpunkte der Konzeptstudie noch einmal zusammen. Sowohl aus dem Sportbereich als auch aus Wirtschaft, Tourismus und Politik gebe es breite Zustimmung. Da zudem 85 Prozent der benötigten Sportanlagen bereits auf internationalem Standard seien, sei das Restrisiko vergleichbar klein. Er nehme auch in Inzell eine positive Einstellung zur Bewerbung wahr. Seiner Meinung nach könnten die Olympischen Spiele 2022 nirgends so ökologisch wie hier veranstaltet werden.

Peter Spannring (Bürger für Inzell) empfand den Bürgerentscheid positiv. Er sei durchaus dafür, dass Inzell als Sportgemeinde das Konzept mitträgt, fühle sich aber als Gemeinderat von Bürgermeister und Verwaltung zu spät und zu spärlich informiert. Besonders der vermutliche neunmonatige Nutzungsausfall der Eishalle und der fehlende Hinweis im Konzept, dass das Olympische Dorf im Außerfeld nur als vorübergehend geplant würde, spalteten ihn innerlich. Dem Konzept stimme er zu, der Beteiligung Inzells nur, wenn es keine unökologische, vorübergehende Eishalle in München gebe, das Außerfeld nicht zubetoniert, und der Eislaufbetrieb in der Max-Aicher-Arena bis Januar 2022 aufrecht erhalten werde.

Auch Georg Kamml (CSU) fand die Situation mit der Eishalle unbefriedigend, hielt aber viele Argumente und Vorgaben für nachvollziehbar. Claudia Doppler (SPD und Unabhängige) schloss sich den Forderungen Spannrings an. Vor allem die nur vorübergehend geplanten Anlagen seien nicht vereinbar mit der Nachhaltigkeit. Siegfried Nagl (CSU) erkannte neben der berechtigten Kritik besonders eine Chance für Infrastrukturausbau und Tourismus.

Josef Rieder (SPD und Unabhängige) lehnte eine Beteiligung Inzells ohne den sportlichen Aspekt Eisschnelllauf ab. Johann Egger (Bürger für Inzell) fühlte sich ebenfalls zu wenig und zu spät informiert, weshalb er seine Meinungsbildung noch nicht abschließen konnte. Viele positive Effekte ergäben sich seiner Meinung nach auch ohne Beteiligung Inzells mit Mediencenter und einem temporären Olympischen Dorf in Inzell.

Gottfried Graf nannte vor allem die Blockierung der Eishalle für ein Mediencenter als Grund für seine Gegenstimme. Für Bernhard Jung (CSU) wäre eine Ablehnung nicht realistisch, weil Bund und Landkreis den Bau der Eishalle ermöglicht hätten. Er vertraue auch dem Bürgermeister, dass er sich im Sinne der Gemeinde vehement einbringen werde.

Landratskandidat Siegfried Walch (CSU) bewertete die intensive Beschäftigung der Gemeinderäte mit dem Thema als gutes Zeichen für die demokratische Auseinandersetzung. Der Bürgerentscheid sei die größtmögliche Legitimation für die Entscheidungsträger. Im Zweifelsfall würde er sich aber, trotz der negativen Gesichtspunkte des Nutzungsausfalls für das äußerst werbewirksame Mediencenter in der Eishalle, für eine Beteiligung Inzells aussprechen. Diese Olympischen Spiele würden als die »grünsten Spiele aller Zeiten« in die Geschichte eingehen. Auch die Paralympics könnten viele Verbesserungen in punkto Barrierefreiheit für den Landkreis bewirken. Eine Ablehnung des Konzeptes hätte eine verheerende Aussagekraft.

15 Jahre Stillstand bei der Entwicklung im Außerfeld

Annelie Gromoll (Offene Bürgerliste Inzell-Chiemgau) machte ebenfalls positive Effekte für die Region aus, stimme aber wegen der negativen Aspekte gegen die Beteiligung Inzells. Richard Hütter (Bürger für Inzell) befürchtete einen 15-jährigen Stillstand bei der Entwicklung im Außerfeld und einen große Konkurrenz für die Beherbergungsbetriebe im Ort. Er beantragte daher, über die Bewerbung für die Region und die Beteiligung Inzells getrennt abzustimmen. Schließlich sprachen sich alle 13 Gemeinderäte für eine Beteiligung der Region Chiemgau-Königssee aus. Für die Beteiligung Inzells, so wie sie derzeit im Konzept festgeschrieben ist, waren nur sieben von ihnen. Hobmaier erhielt den Auftrag, sich für eine möglichst kurze Ausfallzeit der Eishalle und die ausschließlich temporäre Umsetzung beim Bau eines olympischen Dorfes einzusetzen. wb