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Bei Siteco in Traunreut fallen rund 250 Arbeitsplätze weg – Mitarbeiter über Strategie informiert

Siteco-Stellenabbau möglichst sozialverträglich?

Traunreut – Osram streicht beim Traunreuter Tochterunternehmen Siteco in den kommenden zwei bis drei Jahren 250 Arbeitsplätze und reduziert damit die Mitarbeiterzahl in Traunreut auf rund 500.

Mit einem Freiwilligen-Programm mit finanziellen Abfindungen soll der Stellenabbau bei Siteco in Traunreut so sozialverträglich wie möglich gestaltet werden. Vor allem älteren Arbeitnehmern soll der Übergang in die Rente erleichtert werden. (Foto: Rasch)

Anfang April hatte Osram angekündigt, dass in den kommenden zwei Jahren bis zu 290 Arbeitsplätze in Traunreut wegfallen sollen. Seither wurde mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft IG Metall intensiv verhandelt und das Ergebnis nun präsentiert. Der dabei erzielte Interessensausgleich wurde den Mitarbeitern in einer Betriebsversammlung vorgestellt.

Abgebaut werden sollen die Arbeitsplätze über Altersteilzeit-Regelungen sowie ein Freiwilligen-Programm mit finanziellen Abfindungen. Damit soll vor allem älteren Mitarbeitern der Übergang in die Rente erleichtert werden. In Traunreut sind rund 350 Beschäftigte über 50 Jahre alt.

Osram-Sprecher Stefan Schmidt wollte sich nicht auf konkrete Altersangaben für die Altersteilzeit-Regelungen festlegen. Seinen Angaben nach sollen die 250 Arbeitsplätze sozialverträglich und möglichst ohne betriebsbedingte Kündigungen abgebaut werden. Osram wolle weiterhin in den Standort investieren und man wäre den jetzt eingeschlagenen Weg nicht gegangen, wenn man nicht am Standort Traunreut festhalten wolle. Die komplette Schließung von Siteco war zu Beginn der Verhandlungen eine Option, wie auch Gewerkschaftsvertreter Jochen Hafner bestätigt, der zum Abbau der 250 Stellen versicherte: »Das war die einzige Chance, den Standort zu erhalten.«

Jüngere Mitarbeiter haben Siteco bereits verlassen

15 Wochen waren seit der ersten Ankündigung eines massiven Stellenabbaus bei Siteco in Traunreut verhandelt worden. Einig ist man sich jetzt in der Hoffnung, den Großteil der Arbeitsplätze über Altersteilzeitregelungen abbauen zu können. Diesen Weg können Mitarbeiter ab Geburtsjahrgang 1960 und älter gehen. Sie sollen dann mit 63 Jahren in Ruhestand gehen. 145 Mitarbeiter sind im entsprechenden Alter, um die Altersteilzeit nutzen zu können. Weitere zwölf Mitarbeiter sollen über den Weg einer Frühverrentung in Ruhestand gehen können.

Bereits verlassen haben das Unternehmen seit der ersten Ankündigung des Stellenabbaus acht jüngere Mitarbeiter. Damit müssten noch rund 80 Mitarbeiter das Unternehmen über das Freiwilligen-Programm verlassen, auch sie bekommen eine Abfindung ausbezahlt.

Voraussichtlich keine betriebsbedingten Kündigungen

Betriebsratsvorsitzender Dieter Roßhuber zeigte sich nach der Betriebsversammlung erleichtert, dass voraussichtlich keine betriebsbedingten Kündigungen notwendig sein werden: »Dem galt unser ganzes Augenmerk. Das Altersteilzeitprogramm ist wirklich lukrativ«, versicherte er. Mit dem Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen werde nun ermöglicht, dass junge Mitarbeiter nicht wegen der Sozialregelungen entlassen werden müssten. Der Erhalt der jüngeren Mitarbeiter sei schließlich wichtig, um die Zukunft des Standortes zu sichern.

Abgebaut werden sollen die Stellen möglichst in den kommenden zwei Jahren, das gesamte Programm habe aber eine Laufzeit bis 2020. Die Stellen sollen in allen Bereichen von der Entwicklung über die Fertigung und den Vertrieb bis zur Verwaltung gestrichen werden.

Ältere Mitarbeiter können mit Lösung leben

Gerade in der Fertigung können laut Roßhuber vor allem die älteren Mitarbeiter mit der jetzigen Lösung leben. Bei der Betriebsversammlung seien auch keine Emotionen hochgekocht und es sei auch nicht groß diskutiert worden. Wie Jochen Hafner von der IG Metall versicherte, könne auch die Gewerkschaft mit dem Verhandlungsergebnis gut leben, da damit die drohende Schließung des Standorts verhindert worden sei. »Mit diesem Paket haben wir den Weg für die Zukunftssicherung des Standorts bereitet.«

Mehr als eine Reduzierung des Stellenabbaus von anfangs geplanten 290 Stellen auf nun 249 sei nicht möglich gewesen. Er hoffe nun auf die Solidarität der älteren Mitarbeiter, dass sie die Angebote annehmen und damit den jüngeren Kollegen die Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz in der Zukunft bei Siteco in Traunreut ebnen.

Bundestagsabgeordneter Dr. Peter Ramsauer, der sich seit der ersten Ankündigung des Stellenabbaus für den Erhalt der Arbeitsplätze bei Siteco eingesetzt hatte, erklärte zum Verhandlungsergebnis: »Das klingt zwar nach Kompromiss, befriedigen kann es jedoch nicht wirklich. Jetzt muss in die Zukunft investiert werden.« Als Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses des Bundestags erwarte er, dass das Osram-Management mit innovativer Geschäftspolitik den Standort und Arbeitsplätze sichere. Andere Industrieunternehmen in der Region, die genauso im globalen Wettbewerb stünden, könnten es auch, so Ramsauer.

Bürgermeister Klaus Ritter bezeichnete es als »sehr schade«, dass der Stellenabbau notwendig sei: »Ich hoffe, dass die Personen, die über das Freiwilligen-Modell ausscheiden, in der Region wieder einen Arbeitsplatz finden. Das Wichtigste ist der Erhalt des Betriebes und dass sich dieser nun neu aufstellen kann.« Er hoffe, dass damit eine gute Grundlage für die Zukunft geschaffen werden kann und es dann wieder bergauf gehe. ga