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Feucht-warme Tage bieten Mücken optimale Bedingungen zur Vermehrung – Eine Plage droht im Landkreis derzeit nicht

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Traunstein – Allein schon das penetrante, leise Surren einer Mücke kann Menschen aggressiv machen. In diesem Jahr könnten uns die stechenden Plagegeister besonders auf die Nerven gehen. Am Ammersee musste jüngst ein Gasthaus am Seeufer schließen, der Grund: Mückenplage. Ganz so schlimm ist es bei uns in der Region aber noch nicht.

Krankheiten werden von heimischen Mücken nicht übertragen, lästig sind die juckenden Stiche aber dennoch.

»Mücken haben in diesem Jahr ideale Startbedingungen«, sagt Doreen Walther, Biologin und Mückenexpertin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) im brandenburgischen Müncheberg. »Bei einigen Arten sehen wir jetzt schon die zweite und dritte Generation.« Wenn die Witterung so mild bleibe und Gewitterschauer weiterhin regelmäßig für Pfützen und gut gefüllte, stehende Gewässer sorgten, könne sich die Mückenvermehrung kaskadenartig fortsetzen. Dann werde es auch im Sommer deutlich mehr Mücken geben als 2014 und 2015, sagt Walther. Bereits 2016 sei ein gutes Jahr für die Insekten gewesen.

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Auch im Landkreis Traunstein surrt es an den heimischen Seen. Von einer Mückenplage ist hierzulande aber nicht die Rede. »Mit verstärktem Mückenvorkommen ist immer nach Hochwasser oder Starkregenfällen in den Sommermonaten zu rechnen, da Stechmücken ihre Larven in verbliebenen Überflutungsflächen ablegen«, teilt Michael Reithmeier vom Landratsamt auf Anfrage unserer Zeitung mit. Wann von einer Mückenplage gesprochen wird, unterliege einer gewissen, subjektiven Wahrnehmung. Ob sich Mücken in der Region stark vermehren, werde von den Niederschlägen der nächsten Wochen abhängen. »Bislang haben uns noch keine Klagen aus der Bevölkerung erreicht«, so Reithmeier.

Nur wenige Mückenarten stechen

Von den 28 Mückenfamilien, die in Deutschland vorkommen, stechen allerdings nur drei zu – und dann auch jeweils nur die Weibchen. Sie benötigen Proteine aus Blut für ihre Eibildung. Allerdings splittet sich allein die Familie der Stechmücken in 50 Arten auf. Das gilt auch für Kriebelmücken, die ein wenig aussehen wie Fliegen. Sie kriechen Spaziergängern gern unter die Kleidung, um zuzustechen. Von den nur wenigen Millimeter großen Gnitzen gibt es sogar 300 Arten. Sie sind vor allem in der Dämmerung unterwegs und piksen gern nahe am Haaransatz.

Auch wenn die asiatische Tigermücke in Deutschland bereits nachgewiesen wurde – bisher an wenigen Standorten in Baden-Württemberg und Thüringen –, geht von hiesigen Mücken keine Gefahr als Krankheitsüberträger aus. »Die Mücke als Vektor für Krankheitserreger, wie bei der Malaria oder dem Denguefieber in den Tropen oder Subtropen, sind in Deutschland nicht von Bedeutung«, heißt es aus dem Gesundheitsamt am Landratsamt Traunstein.

Grundsätzlich ist ein Mückenstich eine lästige Angelegenheit. Juckreiz, Schwellung und Rötung sind die Folge. Diese Reaktionen können vereinzelt auch über das normale Maß hinaus ausfallen, so dass man von einer Überempfindlichkeit sprechen kann, die jedoch meist lokal auf die Haut begrenzt bleibt. In seltenen Fällen, meist durch Kratzen verursacht, kann ein Mückenstich eine lokale Infektion zur Folge haben, bei der eine ärztliche Versorgung notwendig werden könnte.

Sollte der Frühsommer in den kommenden Wochen nass und warm werden, ist dies eine optimale Kinderstube für Überschwemmungsmücken. Nur gegen diese Mücken darf der zuständige Abwasser- und Umweltverband Chiemsee das Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis – kurz BTI – einsetzen. BTI ist ein Bazillus auf Eiweißbasis, das Larven von Stechmücken abtötet. Im Landkreis Traunstein wird es am Chiemseeufer in größeren Bekämpfungsaktionen ausgebracht. »Davon sind wir aber derzeit noch weit entfernt«, sagt Geschäftsleiter Thomas Weimann. Entscheidend dafür ist der Wasserstand in den potenziellen Überschwemmungsgebieten wie der Alz. Dort werden erst ab einem Wasserstand von 1,16 Meter die Bauhöfe der Anrainergemeinden beauftragt, sogenannte Schöpfproben zu entnehmen.

Dabei wird die Anzahl der Larven der Überschwemmungsmücke gezählt. Je sensibler das Gebiet ist, desto mehr Larven müssen nachgewiesen werden, um den Einsatz von BTI zu rechtfertigen. Zudem ist es erst ab einem Wasserstand von 1,30 Meter in der Alz sinnvoll, überhaupt mit dem Ausbringen von BTI zu beginnen. »Das letzte Wort haben die Biologen der zuständigen Firma, die das Bakterium per Flugzeug ausbringen«, so Weimann. Vorschnell werde nichts gegen die Mückenlarven unternommen.

BTI für Hausgärten nicht zu empfehlen

Da BTI im Handel frei erhältlich ist, kann auch der Kleingärtner das Bakterium ausbringen. Ob dies sinnvoll ist, bezweifelt man im Landratsamt jedoch, auch wegen der Gefahr der Überdosierung. »Einfacher wird es im Hausgarten sein, die Wasserbehälter mit stehendem Wasser zuzudecken und somit vor einer Larvenablage zu schützen«, heißt es dazu.

Damit es zu einer friedlichen Koexistenz zwischen Mensch und Mücke kommen kann, – Mücken dienen vielen Tieren als Nahrungsquelle – wird empfohlen, lange Kleidung zu tragen und Mückenschutzmittel zu verwenden. Im Haus sind Fliegengitter oder Moskitonetze eine wirksame Lösung, raten die Experten aus dem Gesundheitsamt. vew/dpa