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Bayerischer Volkshochschulverband möchte keine kleinen Einheiten mehr – Elmar Schwarz befürchtet Kostensteigerung

Ungewisse Zukunft der Waginger VHS

Waging am See – Ungewiss ist die Zukunft der Volkshochschule Waginger See, zu der sich die Gemeinden Waging und Kirchanschöring zusammengeschlossen haben.

Seit 23 Jahren leitet Elmar Schwarz zusammen mit seiner Frau Anneliese ehrenamtlich die Waginger Volkshochschule. (Foto: Eder)

Nach einem Beschluss des Bayerischen Volkshochschulverbandes soll es so kleine VHS-Einheiten, wie es sie in der Region um den Waginger See und im Landkreis Berchtesgadener Land noch gibt, künftig nicht mehr geben – beziehungsweise sie erhalten keine staatlichen Zuschüsse mehr. So gibt es seit einiger Zeit in diesem Gebiet erste Sondierungsgespräche, ob nicht aus den Kommunen Waging am See, Kirchanschöring, Laufen, Freilassing und Saaldorf-Surheim eine große Volkshochschule Rupertiwinkel entstehen soll.

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Dies hätte allerdings weitreichende Auswirkungen und brächte gravierende Änderungen gegenüber dem bisherigen Stand mit sich – und wohl auch höhere Kosten, wie Elmar Schwarz, der seit 23 Jahren zusammen mit seiner Frau Anneliese gegen eine kleine Aufwandsentschädigung die Waginger VHS organisiert, befürchtet. In einem Gespräch mit unserer Zeitung schildert Schwarz die Ausgangssituation und die möglichen Folgen.

Hohe Kriterien zu erfüllen

Vor allem sieht Schwarz ein Problem und nicht zuletzt auch einen Kostenfaktor dahingehend, dass nach dem Beschluss des Verbands hohe Qualitätskriterien zu erfüllen sind. Dabei geht es unter anderem darum, dass mit jedem Kursleiter und auch mit Gemeinde und den Besitzern der Veranstaltungsorte Verträge abgeschlossen werden müssen, dass alle Funktionen schriftlich niederzulegen sind, dass die Eignung der Kursleiter vorab festzustellen ist. Alle paar Jahre solle auch ein Prüfer geschickt werden, der kontrolliert, ob die Vorgaben eingehalten werden.

Zudem seien passende Räume notwendig samt der Infrastruktur, vor allem müssten auch spezielle Verwaltungs-Programme angeschafft werden, die nicht gerade billig seien. Was das für einen Verwaltungsaufwand erfordere, könne man sich leicht ausrechnen, so Schwarz. Von daher werde es sicherlich nicht reichen, dass für die fünf Gemeinden ein Leiter eingestellt wird, der auf alle Fälle ein Verwaltungsfachmann sein müsse. Gleichwohl würden auch zusätzliche Verwaltungskräfte unbedingt notwendig sein. Allein wenn es darum gehe, für jeden einzelnen der schätzungsweise bis zu 7000 Kursteilnehmer jeweils einen Akt anzulegen. Dies sei ein riesiger Aufwand.

Für den Kursbetrieb eine Erschwernis sieht Schwarz auch darin, dass es keine Barzahlungen mehr geben darf. Alles müsse über Überweisungen laufen. Kurzfristige Spontanteilnahme an einem Kurs sei dadurch kaum mehr möglich.

All dies und manches mehr ist Vertretern der fünf Gemeinden bei einem Treffen mit einem Vertreter des Volkshochschulverbands mitgeteilt worden. Bei diesem Treffen waren die fünf Bürgermeister, die VHS-Leiter und etliche Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung mit dabei. Danach waren alle aufgefordert, zusätzliche Fragen beziehungsweise Probleme, die sie noch sehen, schriftlich weiterzugeben, was auch teilweise geschehen sei, wie Schwarz weiß.

Bisher stellt sich die Situation in den fünf Gemeinden wie folgt dar. Waging und Kirchanschöring arbeiten unter dem Dach der jeweiligen Gemeinde eng zusammen und geben seit vielen Jahren ein gemeinsames Programm heraus. Ähnlich in Saaldorf-Surheim und Laufen; hier ist der Träger der VHS allerdings ein Verein. Eine rein kommunale Einrichtung ist die VHS in Freilassing.

Als Lösung für die Zukunft wird angesichts des hohen Qualitätsanspruchs die Bildung eines gemeinsamen Zweckverbands gesehen – mit einem hauptamtlichen Leiter. Das soll bis 2019 geschehen. Aber vorab gebe es noch viele Fragen. Unter anderem die, ob es ein zentrales Programm geben werde, oder ob die Gemeinden weiterhin selbstständig ihre Programme erstellen können.

»Keiner weiß eigentlich, warum das so sein muss«

Insgesamt befürchtet Schwarz, der sich ziemlich sicher ist, in dieser neuen VHS-Form nicht mehr dabei zu sein, dass der bisherige »legere und individuelle Charakter« der kleinen Volkshochschulen, das »Lokalkolorit«, dadurch verloren gehen werde. Und: »Keiner weiß eigentlich, warum das so sein muss.«

Alternativ möglich wäre auch ein Anschluss an die großen Volkshochschulen etwa in Traunstein oder Traunreut. Aber auch dann wäre man nur noch ein kleines Rädchen in den großen Betrieben. Und schließlich gäbe es noch eine weitere Möglichkeit: Man steigt aus dem VHS-Betrieb aus und betreibt eine gemeindliche Erwachsenenbildung, die ja offiziell Pflichtaufgabe einer jeden Gemeinde ist. Nach Meinung von Schwarz käme dies »billiger als alles andere« – und das, obwohl es dann keine Zuschüsse mehr gäbe, die im Fall Waging bei aktuell etwa 5000 Euro im Jahr liegen.

VHS-Fördermittel ab 2022 nur noch für größere Einheiten

Mit dem Thema hat sich auch schon der Waginger Kulturausschuss befasst. Kämmerer Bernhard Kraus schilderte dort die Sachlage und betonte, dass es spätestens ab dem Jahr 2022 keine VHS-Fördermittel mehr geben würde, wenn sich nicht bis dahin eine größere Einheit, eine mögliche »VHS Rupertiwinkel« gebildet hat. Die Überlegungen seien am Laufen, viele Fragen seien noch offen, aber immerhin sei auch schon einmal dahingehend gesprochen worden, dass eventuell die Städte Laufen oder Freilassing künftig der Sitz dieser neuen VHS-Konstruktion sein könnten.

Der Waginger VHS-Leiter Schwarz zweifelt nicht daran, dass der VHS-Betrieb damit in Zukunft deutlich teurer werden würde als bisher. Laut Bürgermeister Herbert Häusl wolle man in erster Linie »ein stabiles Dach« bei »so viel Freiheit vor Ort wie möglich«. Die Frage der Fördermittel sei für ihn nicht entscheidend. Aber man müsse sich die Frage stellen, ob die Gemeinde auch in Zukunft nochmals jemand finden werde wie Elmar Schwarz, der für vergleichsweise wenig Geld die VHS mit so viel Herzblut betreibt. Von daher, so implizierte er, wäre vielleicht doch der Zusammenschluss die »stabile« Konstruktion, auf die man in Zukunft zurückgreifen könnte. he