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1 234 Mal rund um den Untersberg

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Wer am frühen Morgen auf der B 20 unterwegs ist, trifft Georg Fendt, der fast täglich mit dem Rad den Untersberg umrundet. In diesem Jahr blickt der rüstige Rentner schon auf 151 Umrundungen mit insgesamt 1333 Kilometern zurück. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden Wer am frühen Morgen auf der B 20 oder etwas später auf der B 305 unterwegs ist, wird öfter einem einsamen Radfahrer begegnen, der dort täglich auf seinem Bergrad strampelt: Es ist der 80-jährige Georg Fendt aus Bischofswiesen, der seit 2014 Hunderte Male den Untersberg umrundet hat.


Eine Umrundung weist je nach Fahrstrecke zwischen 43 und 49 Kilometern auf. Der rüstige Senior blickt auf ein ereignisreiches Leben zurück, das ihn in jungen Jahren beruflich bis Südafrika und bergsportlich in die entlegensten Ecken der Welt – nach Peru, Mexiko und auch nach Nepal – geführt hat.

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In den Berchtesgadener Bergen hat er Touren auf fast alle Gipfel unternommen. Vier Jahre lebte und arbeitete Fendt in jüngeren Jahren in Kapstadt/Südafrika. Einst hat der Bischofswieser den Beruf des Schmieds gelernt. Danach folgten viele Tätigkeiten, vom Baggerfahrer über Lastwagen-Fahrer bis hin zum Schweißer auf Montage. Es war zwar Knochenarbeit, aber dafür hat Georg Fendt auch gut verdient, wie er sagt.

Seine letzten Arbeitsjahre verbrachte er bei der Recreation Area der US-Streitkräfte und bei der Standortverwaltung der Bundeswehr. Trotz seines Alters denkt Georg Fendt noch lange nicht daran, sein Bergrad an den Nagel zu hängen. Es sollen noch viele Umrundungen des Untersbergs folgen. Vom 31. März 2014 bis 29. Dezember 2018 hat der Bischofswieser Georg Fendt mit dem Rad den Untersberg 1 234 Mal umrundet. Dabei legte der rüstige Rentner 57 635 Kilometer zurück. In diesem Jahr hat er bereits 151 Untersberg-Umrundungen absolviert. Weil der Januar sehr schneereich war, umrundete Fendt nur am Neujahrstag den »mystischen« Berg. Die Fahrten bei Schnee und Eis sind nämlich nicht ungefährlich, weiß der Radler. So manches Mal ist Fendt schon ausgerutscht, hat sich dabei aber nie schwerer verletzt. Der Bischofswieser blieb einmal auf dem »Berchtesgadener Advent« an einem Christbaum hängen, wobei er sich überschlug. Viel gefährlicher als eigene Unzulänglichkeiten seien jedoch andere Verkehrsteilnehmer, auf die man als Radfahrer besonders aufpassen müsse, betont der 80-Jährige.

Seine schnellste Zeit um den Untersberg liegt bei einer Stunde und 45 Minuten. Im Schnitt benötigt er gut zwei Stunden. »Bei meiner Rekordfahrt hat alles gestimmt, sonst wäre diese Zeit nicht möglich gewesen«, erklärt der Marathon-Radfahrer.

Bevor Fendt vor fünf Jahren seine Liebe zum Radeln um den Untersberg entdeckt hat, war er mit dem Rad auf sämtlichen Berchtesgadener Bergstrecken unterwegs. Sogar beim ehemaligen Roßfeld-Zeitfahren startete er mit einem 18-Gang-Rennrad.

Längere Ausfahrten führten den Rad-Enthusiasten mit Freunden in die Lüneburger Heide, nach Holland, um den Mont Blanc und nach Monaco, um nur einige Touren zu nennen. Ein Höhepunkt seiner Bergradfahrten war die »Große Reibe« mit einem Peugeot-Bergrad. Auf die Frage, wann er sich denn ein E-Bike zulegt, antwortet Georg Fendt lachend: »Wenn ich alt bin.«

Dass er überhaupt vom Bergsteigen zum Radfahren gekommen ist, lag an einer Hüftoperation, die ihm lange Bergtouren verwehrte.

Christian Wechslinger