weather-image

100. Geburtstag von Christoph Probst – Widerstand gegen die NS-Diktatur

5.0
5.0
Bildtext einblenden
Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Probst (rechts) waren Widerstandskämpfer im Dritten Reich. Sie gehörten der Gruppe »Die Weiße Rose« an. (Repro: Giesen)

Christoph Probst, Widerstandskämpfer im Dritten Reich, wäre am morgigen Mittwoch 100 Jahre alt geworden. Als Mitglied der Widerstandsgruppe »Die Weiße Rose« war er am 22. Februar 1943 im Alter von 23 Jahren vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und noch am selben Tag mit der Guillotine hingerichtet worden.


Christoph Probst wurde am 6. November 1919 in Murnau geboren. Sein Vater, der Chemiker Dr. Hermann Probst (1886 bis 1936), war Privatgelehrter und Sanskritforscher, beschäftigte sich mit indischer Philosophie und pflegte Kontakte mit Künstlern, die im Dritten Reich als »entartet« galten. Nach der Scheidung von Christoph Probsts Mutter Katharina, geborene von der Bank, heiratete er die Jüdin Elise Jaffee, geborene Rosenthal.

Anzeige

Christoph Probst lernte durch seinen Vater bereits früh Distanz zum Nationalsozialismus und kritisches Denken. Er besuchte von 1930 bis 1932 das Neue Gymnasium in Nürnberg und 1932 bis 1935 das ebenfalls Abstand zum NS-Regime haltende Internat von Hermann Harless, das »Landerziehungsheim Marquartstein«, wie das Staatliche Landschulheim damals noch hieß. Anfang der 30er Jahre zog Christoph Probst mit seinen Eltern nach Ruhpolding in den Ortsteil Zell, wo heute eine Straße nach ihm benannt ist. Christoph Probsts Schwester Angelika erinnerte sich später, dass ihr Bruder schon sehr früh die Menschen-verachtenden Ideen des Nationalsozialismus' vehement kritisierte.

1935 besuchte er gemeinsam mit Alexander Schmorell das Neue Realgymnasium in München. Nach dem Suizid seines Vaters im Mai 1936 wechselte er an das Gymnasium Landheim Schondorf, wo Probst 1937 mit erst 17 Jahren das Abitur ablegte.

Nach dem Arbeits- und Militärdienst bei der Luftwaffe in Oberschleißheim begann er im Sommer 1939, in München, Straßburg und Innsbruck Medizin zu studieren. Im Krieg wurde er an die Ostfront eingezogen. Mit 21 Jahren, 1941 heiratete er am 19. August Herta Dohrn (1914 bis 2016) in Ruhpolding. Einer der Trauzeugen war sein Freund Alexander Schmorell, der auch 1943 hingerichtet wurde. Herta war Stieftochter des Regimekritikers Harald Dohrn. Beide lebten Anfang der 40er Jahre teilweise in Ruhpolding. Herta und Christophs zweiter Sohn Vincent wurde am 30. Dezember 1941 in Ruhpolding geboren, der erste Sohn Michael lebte 1940 bis 2011 und Tochter Katja von 1943 bis 1959.

Christoph Probst hatte während seines Medizinstudiums in München die Geschwister Scholl kennen gelernt. Er schloss sich jedoch erst im Januar 1943 der Widerstandsorganisation »Die Weiße Rose« an, da er auf seine junge Familie Rücksicht nehmen und eher im Hintergrund bleiben wollte.

Aktiv in der Gruppe »Die Weiße Rose«

Obwohl Probst Einfluss auf die Texte auf den verbreiteten Flugblättern nahm, verfasste er selbst keines, lediglich einen Entwurf für das siebte Flugblatt. Dieses trug Hans Scholl bei sich, als er mit seiner Schwester Sophie am 18. Februar 1943 die übrig gebliebenen Exemplare des sechsten Flugblatts verteilte und verhaftet wurde. Damit hatte die Gestapo auch einen Beweis gegen Probst in der Hand.

Während der Verhöre und bei der Verhandlung am Volksgerichtshof bat er um Gnade wegen seiner drei Kinder im Alter von drei und zwei Jahren und vier Wochen. Seine Frau war wegen Kindsbettfiebers noch bettlägerig. Auch Hans und Sophie Scholl versuchten vergeblich, Probst zu schützen, indem sie möglichst viel Schuld auf sich nahmen. Kurz vor seiner Hinrichtung ließ sich Christoph Probst, der bis dahin ohne Religionszugehörigkeit war, vom katholischen Gefängnisgeistlichen taufen.

Am 22. Februar wurde Christoph Probst enthauptet. Noch am selben Tag hatte ihn ein Dreierausschuss des Rektorats der Universität Innsbruck, der damaligen »Deutschen Alpenuniversität«, dauernd vom Studium an allen deutschen Hochschulen ausgeschlossen. 76 Jahre später – am 21. Februar 2019 – wurde er im Rahmen einer Gedenkstunde der Universitäten Innsbruck rehabilitiert und seine Exmatrikulation symbolisch rückgängig gemacht.

Das Grab von Christoph Probst befindet sich auf dem Friedhof im Perlacher Forst in München, angrenzend an den Hinrichtungsort.

Christoph Probsts Witwe lebte nach dem Krieg wieder in Ruhpolding, wo sie ihren zweiten Mann kennen lernte und hier 1947 heiratete.

Der Historische Verein Ruhpolding, vor allem sein Vorsitzender Altbürgermeister Herbert Ohl, erinnert in Artikeln der Gemeindezeitung immer wieder an Christoph Probst. Zu seinem 100. Geburtstag führt das Kinder- und Jugendtheater (RUKI) demnächst ein Theaterstück zur Erinnerung an die Weiße Rose im RUKI-Theater, Hauptstraße 55, auf (wir berichteten bereits). Die beiden Vorstellungen am Freitag und Samstag, 15. und 16. November, beginnen jeweils um 19.30 Uhr, Einlass 19 Uhr. Im Rahmen einer Bilderausstellung in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein können sich alle Interessierten vor Ort weitere Hintergrundinformationen zur Ruhpoldinger Geschichte und zum Leben und Wirken von Christoph Probst holen.

Christiane Giesen