100-prozentige Kostenzusage für die Kunsteisbahn am Königssee

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Der Kreistag des Berchtesgadener Landes befasste sich gestern im AlpenCongress intensiv mit der Kunsteisbahn am Königssee. Foto: Gerd Spranger

Berchtesgaden – Der Kreistag des Berchtesgadener Landes sprach sich in seiner gestrigen Sitzung, 22. Oktober, im Berchtesgadener AlpenCongress für eine Planung zum Wiederaufbau der Kunsteisbahn Königssee aus. Es soll ein Objektschutz gewährleistet sein und die Georisiken sollen abgewogen werden. Der Abstimmung waren ein ausführlicher Sachvortrag von Geschäftsbereichsleiter Hans Jahn und eine fast einstündige Diskussion der Kreisräte über die Maßnahme vorausgegangen. Der Beschluss wurde mit 53 zu sechs Stimmen gefasst. Bereits vergangene Woche hatte sich der Kreisausschuss einstimmig für die Planung und einen möglichen Wiederaufbau der Bobbahn ausgesprochen. Inzwischen war die Landkreisverwaltung weiterhin aktiv und auch vom Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz gab es Neuigkeiten.


In einem Schreiben vom 18. Oktober informierte die Ministerin für Wohnen, Bau und Verkehr, Kerstin Schreyer, über die Perspektiven einer hundertprozentigen Kostenerstattung und die nötigen Voraussetzungen dafür. Im Schreiben heißt es, dass das Bauministerium die Auffassung des Landkreises teile. Demnach solle man die Bahn wieder aufbauen lassen, »wenn gleichzeitig Maßnahmen zum Schutz gegen Georisiken ergriffen werden und ein Objektschutz für die Kunsteisbahn tatsächlich ohne Nachteile für die Anlieger möglich ist«.

Diesen besonderen Schutz bekräftigte Landrat Bernhard Kern ausdrücklich und Bürgermeister und Kreisrat Hannes Rasp erinnerte, dass bei der Umweltkatastrophe vom 17. und 18. Juli 2021 es gerade die Kunsteisbahn war, die mit ihren Querbauten im oberen Bereich den Großteil der Geröllverschiebungen aufgefangen und Schlimmeres bei den Unteranliegern verhindert habe.

Das Bauministerium will die Wiederherstellung der Sportanlage mit 100 Prozent der Kosten tragen – im Rahmen der verfügbaren Mittel aus dem Aufbauhilfefonds. Der Antrag ist über die Gemeinde Schönau am Königssee bei der Regierung von Oberbayern zu stellen. Konkret habe man im Ministerium 53,5 Millionen Euro für den Wiederaufbau und alle ergänzenden Leistungen eingeplant. Von einem Wiederaufbau aber will man jetzt noch nicht konkret sprechen, denn zunächst wollen der Landkreis und der Kreistag die Schäden und Kosten ermitteln. Das war bereits der Sachstand für den Beschluss des Kreisausschusses am 13. Oktober. Es soll dafür ein Generalplaner beauftragt werden.

Jetzt aber liegt die geforderte schriftliche Zusage vor. Ebenso sind die Kosten für die Abriss- und Aufräumarbeiten erstattungsfähig, dasselbe gilt für den Objektschutz. Selbst wenn die Planungen zu dem Ergebnis kommen sollten, dass ein Wiederaufbau nicht sinnvoll ist, trägt das Ministerium die entstandenen Kosten. Das gibt dem Landkreis für eine ergebnisoffene Planung die notwendige Sicherheit. Ein Umstand, den vor allem Sprecher der Grünen-Fraktion begrüßten (Bericht folgt).

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Nach der teilweisen Zerstörung der Königsseer Kunsteisbahn beim Unwetter am 17. Juli stehen die Zeichen aktuell auf Neuaufbau. Foto: Wechslinger

Der Objektschutz war eine der drei von der Landkreisverwaltung gestellten Grundbedingungen. Ebenso eine hundertprozentige Kostenübernahme und die Freistellung der Zuwendungen für den Fall, dass die Bahn ihren Betrieb einstellen muss. Landrat Bernhard Kern und Geschäftsbereichsleiter Hans Jahn sehen darum alle Bedingungen, wie vom Kreisausschuss gefordert, als erfüllt an. Für einen Objektschutz soll der Landkreis ebenfalls die Trägerschaft übernehmen. Das Umweltministerium will sich mit 85 Prozent daran beteiligen, die fehlenden 15 Prozent sollten aus dem Aufbauhilfefonds fließen. Die Planungskosten werden mit 1,5 Millionen Euro angesetzt.

Konkret heißt es dazu: »Um beurteilen zu können, ob ein Wiederaufbau der Kunsteisbahn mit eigenem Objektschutz tatsächlich möglich und finanzierbar ist, müssen die Leistungsphasen eins und zwei nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure beauftragt werden.« Gemeint sind damit die Grundlagenermittlung mit Vorplanung und Kostenschätzung. Diese ist dann dem Kreistag zur Genehmigung vorzulegen und dient als Grundlage einer Grundsatzentscheidung für oder gegen einen Wiederaufbau der Bob- und Rodelbahn am Königssee.

In der Aussprache ging es den Kreisräten um die Verantwortung des Wasserwirtschaftsamtes für die Sicherung des Klingerbaches, der Unteranrainer und der Bobbahn. Unterschiedlich gewertet wurde die Bedeutung der Kunsteisbahn für die Region und darüber hinaus. Gewagt erscheint einzelnen Kreisräten, den Neubau der Bahn bereits jetzt mit einer Summe von 53,5 Millionen Euro zu deckeln. Insgesamt war man sich einig, dass auf den Landkreis auch bei einer zu 100 Prozent gedeckten Kostenübernahme eine große Aufgabe zukommt, vor allem für die Verwaltung.

Über die Diskussion berichten wir in Kürze.

Gerd Spranger