13-Jähriger schreibt Brief an Bundeskanzlerin Merkel

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Maximilian Gräf setzt sich auch schon seit einiger Zeit für den Klima- und Umweltschutz ein. Er engagiert sich bei »Fridays for Future« und hält bei Demonstrationen Reden.

Unterwössen – »Warum ist es einem reichen Land wie Deutschland nicht möglich, zumindest Kinder und ihre Eltern hierzulande aufzunehmen?« Mit diesen Worten richtete sich Maximilian Gräf an die Bundeskanzlerin. In einem Brief forderte der 13-jährige Unterwössner Merkel auf, die prekäre Situation in den europäischen Flüchtlingslagern zu beenden und kritisiert damit scharf die Regierung.


Schon sehr lange interessiert sich Maximilian für Politik. Er engagiert sich bei »Fridays for Future«, hält bei Demonstrationen öffentliche Reden und möchte in der Welt etwas verbessern. Mehrmals hatte sich der 13-Jährige über die »furchtbaren Zustände« in den europäischen Flüchtlingslagern informiert. Betroffen hat ihn vor allem das Schicksal vieler Kinder, die dort in katastrophalen Lebensbedingungen aufwachsen müssen. Mit Unverständnis hat Maximilian festgestellt, dass seitens der Politik kaum etwas dafür getan wird, den Menschen dort zu helfen.

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»Ich möchte die furchtbaren Zustände in den betreffenden Flüchtlingslagern so nicht weiter akzeptieren. So können und dürfen Kinder nicht aufwachsen«, erklärt Maximilian gegenüber dem Traunsteiner Tagblatt. Er beschloss deshalb direkt einen Brief an Angela Merkel, Willy-Brandt-Straße 1, Berlin, zu schreiben.

Mit seinem Brief möchte er erreichen, dass die Zustände in den Flüchtlingslagern Europas – vor allem in dem Camp Moria auf der griechischen Insel Lesbos – verbessert werden. Schon vor dem Brand sei die Lage dort im Camp sehr schlimm gewesen. Doch auch das neue, das an anderer Stelle aufgebaut wurde, sei nicht »besser als das alte, ganz im Gegenteil, oft sogar schlechter«, schreibt Maximilian in seinem Brief. Viele Menschen würden in Zelten hausen, ohne festen Boden und Schutz vor Kälte. Wenn die Menschen nach einer lebensgefährlichen Flucht Europa erreichen, würden sie in den Flüchtlingslagern kaum Hilfe und eine menschenwürdige Unterbringung finden, ist der 13-Jährige überzeugt. Auch in den Flüchtlingslagern müssten die Menschen um das eigene Leben und das ihrer Familienmitglieder fürchten, wenn auch auf eine andere Art, schrieb er. Die Kinder in den Lagern hätten für ihr Alter bereits Dinge gesehen und erlebt, die ein Mensch eigentlich sein ganzes Leben niemals sehen und erleben sollte, erklärte er. Die Schuld, dass bereits Kinder in den Camps gestorben sind, gibt er den westlichen Ländern, die es bisher nicht geschafft haben, Geflüchtete aufzunehmen und ihnen somit das Leben zu retten, wie er schrieb. Viele Kinder seien traumatisiert, würden das Essen verweigern, komplett verstummen und sich selbst schaden zu fügen. »Durch unterlassene, aber dringend notwendige Hilfeleistungen im Rahmen ihrer Flüchtlingspolitik zerstören Sie die Zukunft von tausenden Kindern«, richtet sich Maximilian mit seinem Appell direkt an die Bundeskanzlerin.

Die Aufnahme von unbegleiteten Flüchtlingen, die Merkel im September angekündigt hatte, sei in den Augen des Unterwössners reine Symbolpolitik, die in keiner Weise die Situation der Menschen in den Camps verbessere. Er fordert deswegen die Bundeskanzlerin dazu auf, sich mehr für Menschenleben und nicht für Wählerstimmen einzusetzen. Den wahren Grund, warum Merkel bisher ihren Worten noch keine Taten folgen ließ, sieht er in ihrer Angst, dass dann vor allem rechte Parteien mehr Zulauf bekommen könnten.

Merkels Argument, dass es eine europäische Lösung brauche, um die Situation der Geflüchteten zu verbessern, sieht er als Ausrede. »Realistisch betrachtet wird eine solche Lösung kaum zeitnah zustande kommen, da gewisse Länderchefs aus anderen EU-Ländern einer Aufnahme geflüchteter Menschen wohl auch weiterhin ablehnend gegenüber stehen«, schrieb er. Deshalb bittet er am Ende seines Briefes die Bundeskanzlerin eindringlichst um schnelle Hilfe: »Nehmen Sie die Kinder und Frauen aus den griechischen Flüchtlingscamps sobald als nur irgendwie möglich auf und setzen Sie menschenunwürdigen Zuständen damit endlich ein Ende.«

aha


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