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14. »Edelweiß Classic« in Berchtesgaden: Gemütlich hin, sportlich zurück

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Der Großteil der Edelweiß Classic-Teilnehmer präsentierte seine Prachtstücke traditionell am Schlossplatz. Im Vordergrund die Corvette Stingray von Organisator Achim Althammer, präsentiert von seinen Töchtern Eva und Nina.
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Auf zum Start: Susanne und Norbert Haudum mit ihrem 126 PS-starken Morgan 4/4.
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Perfektes Panorama für die blitzenden Liebhaberstücke am Mooserboden-Stausee oberhalb Kapruns.
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Besonderes Schmankerl: Ein Alvis Speed 25 von 1932, 150 PS, sechs Zylinder, 3 500 Kubikzentimeter. Gesteuert von Armin Lorch (l.). Als Roadbook-Leser fungierte Lutz Mareck. (Fotos: Bittner)
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Der Neoplan ND 6 von Dr.-Ing. Konrad Auwärter hatte einen Defekt am Getriebe.

Berchtesgaden – Sie war heiß, mitunter spektakulär, teils von Glück im Unglück und drei hitzegeschädigten Autos begleitet – am Ende ging alles gut aus, bei der 14. »Edelweiß Classic« in Berchtesgaden.


Auf alle Fälle überwog das Schwärmen der vielen Oldtimer-Besitzer, Fahrer, Begleiter, Freunde und Gäste, denen aufgrund einer atemberaubenden Route, die Organisator Joachim Althammer einmal mehr auserkoren hatte, teils der Atem stockte. Die Begeisterung überwog, der Spendentopf füllte sich – »genauso soll es sein«, freute sich der 59-jährige Ainringer.

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Rund 100 Teilnehmer waren ins Berchtesgadener Land gekommen. Am Samstag genossen zufällige Passanten und bewusste Zuschauer das Aufreihen der Karossen an diesem sonnigen, aber noch angenehm kühlen Morgen. Hannes Mayerl moderierte den Start bereits zum elften Mal fachkundig. Das Publikum erlebte einen Alvis Speed 25 aus dem Jahr 1932 und einen Excalibur SSK  540 von 1964, einen Alfa Romeo GT Junior oder einem Grasfrosch-grünen VW Käfer 1303 Cabriolet aus dem Jahr 1979. Sie alle blitzten mit ihren Kollegen am Fuße des Königlichen Schlosses Berchtesgaden im Zentrum des Marktes und machten sich schließlich auf den Weg ins Salzburger Land.

Pech hatten vorab Thomas und Hannelore Schüler aus Inzell: Sie wollten mit ihrer Corvette Stingray antreten, die jedoch streikte. In aller Hektik holten sie ihren 1964er Chevrolet Chevelle aus der heimischen Garage, fuhren jedoch an und schlitzten sich die rechte Seite ihres schönen Wagens auf. Die Teilnahme war aber gesichert.

Auf großer Runde

Den Zeller See links liegengelassen ging's nach Kaprun und zu den berühmten Stauseen. Dort gab die Startnummer 14 aus dem Jahre 1973 ihren Geist auf: Getriebeschaden beim Neoplan ND 6 von Dr.-Ing. Konrad und Christa Auwärter aus Pilsting. Der routinierte »Wagenführer«, wie es im Baujahr des schmucken Busses noch hieß, pilotierte elf Gäste, die schließlich auf andere Fahrzeuge aufgeteilt werden mussten. Joachim Althammers Töchter Eva und Nina kümmerten sich liebevoll um einen Platz für alle »Gestrandeten«.

Zum Pech für die Auwärters gesellte sich aber auch das Glück, dass beim bedrohlichen Zurückrollen nach den Tunnelpassagen keiner der Passagiere zu Schaden kam. Der 78-jährige Bundesverdienstkreuz-Träger konnte sein Schmuckstück noch rechtzeitig zum Stehen bringen und schließlich auf einem sicheren, ebenen Platz abstellen. Einige der Gäste wurden von einem TV-Team aufgelesen. Auch die Fernsehleute hatten Pech: Ihr Hund war aus dem Bus-Fenster gesprungen und hatte sich dabei eine blutende Kopfwunde zugezogen. Bei der Mittagsstation an einem Restaurant konnte der Vierbeiner schließlich verarztet werden.

Dem Genuss stand bei der 14. »Edelweiß Classic« nichts im Wege: Auf der schattigen Terrasse unterm Großen Wiesbachhorn (3 564 Meter) schweifte der sagenhafte Panoramablick die Hohen Tauern. Darunter zwei smaragdgrün funkelnde Stauseen, zwei über 100 Meter lange Staumauern sowie letzte Schneeflächen rundherum – hier oben ist erst vor kurzem der Frühling angekommen, wie die Flora deutlich verriet. Selbst in einer Höhe von rund 2000 Metern war es in der prallen Sonne allerdings kaum auszuhalten.

Alle Teilnehmer hatten an den beiden Haupttagen wie immer einige knifflige Aufgaben zu lösen: Das Melken einer künstlichen Kuh, die Anzahl an Steinen in einer kleinen Box schätzen, Wasserflaschen korrekt in einen Getränkekasten werfen. Wer das alles am besten löste, alle Stempelstellen korrekt passiert und seine blaue Bordkarte im Zentrum Kapruns abgegeben hatte, durfte mit einem Pokal, gestaltet von Willi Färbinger und den Pidinger Werkstätten, bei der Siegerehrung rechnen. Diese war Teil des Festabends im Hotel »Edelweiss«. Auf's Podest stiegen schließlich Dr. Peter Kipfer, die Reichenhaller Mike Rupin mit Simone Harrer sowie Katharina und Lore Rupp.

»War das schön, mir fehlen die Worte«

Wie alle anderen kehrten die unfreiwillig gestoppten Bus-Gäste wohlbehalten zum Ausgangspunkt Berchtesgaden zurück. Nach einer gemütlichen Hinfahrt mit Kaffeepause in Zell am See gestaltete sich die Rückfahrt für einige etwas »sportlicher«, zum Beispiel bei den Piloten des Teams »Volkswagen Classic« aus Wolfsburg. Diese hatten sowohl zwei nostalgische Käfer als auch zwei neuere, PS-starke und knallgelbe Beetle an den Start gebracht, deren Produktion mittlerweile eingestellt wurde. Nach der Rückfahrt über die Hochkönig-Straße schwärmte Monika Johae mit einer Träne im Augenwinkel: »War das schön, mir fehlen die Worte.« Sie hatte mit ihrem Mann Dirk, Motorsport-Journalist aus Stuttgart, in einem 911 Carrera Cabriolet von 1986 aus dem Porsche-Museum Platz genommen.

Neben Rallye-Legende Walter Röhrl bereicherte Martin Braxenthaler aus Surberg die Sparte der »Classic«-Prominenten. Der mehrfache Paralympics-Sieger steuerte einen hellgelben Fort Mustang aus dem Jahr 1966 über die 230 Kilometer lange Strecke der gelungenen Samstagsausfahrt. Von der aktuellen Baustellenflut ließ auch er sich nicht die gute Laune nehmen.

Mit dem traditionellen Familienfest am Sonntag fand die 14. Auflage der Veranstaltung für den guten Zweck erneut ihr Finale dort, wo das gesammelte Geld eingesetzt wird: Bei den Pidinger Werkstätten der Lebenshilfe Berchtesgadener Land. Die Menschen mit Beeinträchtigungen freuen sich demnächst über einen lichtdurchfluteten, modernen Raum für ihre Freizeitgestaltungen. Ein top eingespieltes und motiviertes, rund 50-köpfiges Helferteam hatte für ein großes »Edelweiß Classic«-Wochenende zugunsten benachteiligter Menschen gesorgt.

Hans-Joachim Bittner