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1500 Impftermine mussten abgesagt werden

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Auch in der Region mussten viele Impftermine abgesagt werden, weil aufgrund einer Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) die Bundesregierung die Corona-Impfungen mit Astrazeneca vorsorglich ausgesetzt hat. Foto: dpa

1300 Impfungen mussten im Landkreis Traunstein abgesagt werden, 200 waren es im Landkreis Berchtesgadener Land. Dort wurde das Impfzentrum in Berchtesgaden vorübergehend geschlossen. In Traunstein herrscht im neuen Impfzentrum zumindest bis zum Wochenende Stillstand. Denn dort wäre vor allem der Impfstoff von Astrazeneca geimpft worden, wie Dr. Wolfgang Krämer, der Leiter des Gesundheitsamts, im Gespräch mit dem Traunsteiner Tagblatt sagte.


Aufgrund der aktuellen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) setzt die Bundesregierung die Corona-Impfungen mit Astrazeneca vorsorglich aus. Nach Meldungen von Hirnvenen-Thrombosen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung in Deutschland und Europa hält das Institut weitere Untersuchungen für notwendig. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA wird dann entscheiden, ob und wie sich die neuen Erkenntnisse auf die Zulassung des Impfstoffs auswirken.

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»Es wäre wichtig, dass hier möglichst zügig eine Entscheidung getroffen wird«, betont Dr. Wolfgang Krämer. Bei 1,6 Millionen Impfungen sei es in sieben Fällen zu einer Hirnvenen-Thrombose gekommen. »Ein zeitlicher Zusammenhang wurde festgestellt, nun muss der kausale Zusammenhang geklärt werden.« Denn es gebe ja weitere mögliche Gründe für eine Hirnvenen-Thrombose – also etwa eine Blutgerinnungsstörung oder andere Medikamente. »Das beste Beispiel ist hier die Antibabypille. Da weiß jeder, dass sie zu einem deutlich erhöhten Thromboserisiko führt. Trotzdem wird sie genommen.« Vor diesem Hintergrund müsse man auch Risiko und Nutzen der Impfung sehen. »Denn damit kann vielleicht ein tödlicher Verlauf einer Coronaerkrankung verhindert werden«, betont Krämer. Er findet es durchaus richtig, dass mit der Impfung von Astrazeneca zunächst ausgesetzt wird. Doch er drängt auf eine schnelle Entscheidung.

Der Impfstoff, der jetzt nicht geimpft werden darf – im Moment sind es 1300 Einheiten – »geht ins Lager«, wie Dr. Krämer sagt. »Er wird im Kühlschrank aufbewahrt, bis es eine Entscheidung gibt.« Ob noch weiterer Impfstoff von Astrazeneca geliefert wird, der dann eingelagert werden müsse, stehe noch nicht fest.

Fest steht aber laut Krämer, dass knapp 1000 Impfungen von Biontech/Pfizer und 400 von Moderna erwartet werden. »Und am Freitag sollen wir noch einmal 1000 von Biontech erhalten.« Die Kapazität im Landkreis Traunstein wäre allerdings da, allein an einem Tag 800 bis 1000 Impfungen durchzuführen. Doch der Impfstoff fehle. »Und das wird durch den Stopp von Astrazeneca natürlich noch schwieriger«, sagt Dr. Krämer.

Auf die Frage, warum es im Landkreis Traunstein nun wieder einen sprunghaften Anstieg an Corona-Infektionen gibt, nennt der Leiter des Gesundheitsamts die britische Variante als Grund, die deutlich infektiöser sei. »Waren es in der Kalenderwoche 5 noch fünf bis sechs Prozent der Infizierten, sind wir jetzt bei über 40 Prozent mit der UK-Variante.« Aufgrund der Vorhersagen des Robert-Koch-Instituts sei der Anstieg aber zu erwarten gewesen, wie Krämer betont. Umso wichtiger sei es, auch weiterhin die Hygieneregeln, die Maskenpflicht und die Kontaktbeschränkungen einzuhalten.

Im Impfzentrum in Berchtesgaden waren diese Woche laut Alexandra Rothenbuchner, der Pressesprecherin des Landratsamts BGL, 400 Impfungen mit Astrazeneca vorgesehen. »Davon waren bereits 200 terminiert, die in der Folge abgesagt werden mussten.« Weiter geimpft wird im Berchtesgadener Land diese Woche im Impfzentrum in Ainring. Dabei würden überwiegend Zweitimpfungen mit Biontech/Pfizer durchgeführt und Erstimpfungen mit dem Impfstoff von Moderna. Insgesamt sind das laut Rothenbuchner 1606 Impfungen, »inklusive Astrazeneca wären es 2206 Impfungen gewesen«.

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KR


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