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Spende der Bürgerstiftung Berchtesgadener Land an sechs beteiligte Rettungsbereitschaften

153 000 Euro für die Bergwacht

Berchtesgadener Land – In der Einsatzabarbeitung war die Rettung von Johann Westhauser aus der Riesending-Schachthöhle am Untersberg das umfangreichste, was die heimischen Bergretter bislang erlebten. »So etwas hatten wir hier noch nie«, sagt auch Thomas Küblbeck, der Bergwacht-Regionalleiter Chiemgau. Zirka 800 Helfer aus den verschiedensten Bereichen, darunter rund 250 Kräfte der Bergwacht mit den ausgebildeten Höhlenrettern, federführend unter der Freilassinger Bereitschaft, befanden sich im Juni dieses Jahres knapp zwölf Tage im Dauereinsatz. Die sechs Bergwacht-Bereitschaften aus dem Landkreis waren mit 180 Aktiven gefordert wie nie zuvor. Ein Großteil der Ausrüstung blieb in der Höhle, und damit auch viel Geld.

Der symbolische 153 000 Euro-Scheck der Bürgerstiftung der Sparkasse Berchtesgadener Land ging von Landrat Georg Grabner (M.) an den Bergwacht-Regionalleiter Chiemgau, Thomas Küblbeck (r.), über. Mit dabei waren auch die Bereitschaftsleiter (v.l.) Dr. Klaus Burger (Bad Reichenhall), Ludwig Lang (Regionalgeschäftsführer Chiemgau), Martin Wagner (Marktschellenberg), Siegfried Fritsch (Freilassing), Lorenz Aschauer (Teisendorf-Anger), Rudi Fendt (Ramsau) und Thomas Stöger (Berchtesgaden). (Foto: Bittner)

Für die Ersatzbeschaffung stellt jetzt die Bürgerstiftung der Sparkasse Berchtesgadener Land 153 000 Euro unbürokratisch zur Verfügung. »Wir machen hier eine totale Ausnahme«, so Landrat Georg Grabner, Vorsitzender des Stiftungsrats. Normalerweise werden Investitionen mit bis zu 20 Prozent des Gesamtvolumens gefördert. Nach einer Umfrage bei den sechs Bergwachtbereitschaften im Landkreis beschloss der Stiftungsrat jedoch, eine 100-Prozent-Förderung auszuschütten. »Sie opfern unendlich viel Freizeit«, wandte sich Grabner an die anwesenden Bereitschaftsleiter, »und Sie setzten dabei nicht nur ihre Gesundheit, sondern Ihr Leben aufs Spiel«. Grabner weiter: »Die Bedeutung des Ehrenamts wird immer dann besonders deutlich, wenn man sich die Frage stellt, was wir in unserer Gesellschaft ohne diese Menschen täten«.

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Kein Anspruch auf Rettung

Thomas Küblbeck, der den Riesending-Einsatz der Bergwacht als Regionalvorstand leitete, machte klar, dass die jetzt bereitgestellten Mittel anteilig nach der Anzahl der aktiven Retter fair aufgeteilt wird: »Für uns ist das brutal viel Geld. Das ermöglicht uns eine Unterstützung für die sechs Bereitschaften, wie sie zuvor nicht möglich war«. Die Rettungsaktion für den Speläologen Johann Westhauser am Untersberg bezeichnet Küblbeck als »Werbung für die Region«. Weil Bergwachtler sowie alle anderen Retter und Helfer Möglichkeiten schufen, die andernorts nicht möglich gewesen wären: »Natürlich hatte der Verunglückte keinen Anspruch auf Rettung, das muss man sich grob gesagt wie in der Todeszone auf über 8 000 Metern am Mount Everest vorstellen. Denn auch in einer so tiefen Höhle kann man nicht davon ausgehen, gerettet zu werden. Das wusste Westhauser auch, er hat es nach seiner Rettung immer wieder betont. Aber wir haben es möglich gemacht, das ist das Einzigartige an dieser Aktion.«

Letztlich habe dieser außergewöhnliche Einsatz über knapp zwölf Tage im vergangenen Sommer auch für eine gewisse Sensibilisierung in der Frage, wie sich die Bergwacht eigentlich finanziere, gesorgt: »Viele Teile ihrer Ausrüstung bezahlten die Bergretter bislang aus der eigenen Tasche«, informierte Landrat Grabner, der diesen Umstand als Unding betitelte. »Denn was täten wir ohne die Bergwacht?«. Schließlich bekommen andere Hilfseinrichtungen wie beispielsweise die Freiwillige Feuerwehr gemeindliche Unterstützungen. Die Bergwacht nicht, darum war der Weg zu dieser enormen Spendensumme von über 150 000 Euro nicht mehr weit und geebnet: »Wir haben viel miteinander gesprochen. Mir wurde klar, dass wir hier schnell helfen müssen. Da fiel mir spontan die Bürgerstiftung ein«, so der Stiftungsvorsitzende.

36 Säcke voll Müll

Vor ein paar Wochen holten die Bergwachtler viel Zurückgelassenes aus der mittlerweile abgesperrten Riesending-Höhle heraus: Wertvolle Ausrüstungsgegenstände, Notfallkoffer, Medikamente und 36 Säcke voll Müll. »Die wurden in einem Bundeswehr-Container mit dem Hubschrauber vom Berg geflogen«, berichtete Bergwacht-Regionalgeschäftsführer Ludwig Lang aus Ruhpolding im Rahmen der Spendenübergabe im Landratsamt Berchtesgadener Land. Wie die Bergwacht das Geld, das auf drei Jahre ausgelegt ist, verteilt und einsetzt, überlässt die Bürgerstiftung den Einsatzleitern. Das gilt auch für das zeitliche Abrufen der Mittel. »Die Förderung ist ein Zeichen des Danks und der Wertschätzung für die Arbeit der Bergwacht«, so Landrat Grabner. »Eine tolle Sache«, bedankte sich ein sichtlich bewegter Thomas Küblbeck immer wieder.

Insgesamt waren neben Helfern aus fünf Ländern auch 15 Bergwacht-Bereitschaften aus drei heimischen Landkreisen – Berchtesgadener Land, Traunstein und Altötting – am Riesending-Einsatz beteiligt, sechs davon aus der Region zwischen Teisendorf und der Ramsau mit insgesamt 180 Bergrettern. Für sie und ihre Ausrüstung sind die 153 000 Euro an Zuwendungen gedacht. Offiziell ist die Spende seitens der Stiftung als »Beschaffung neuer persönlicher Einsatzbekleidung für die einzelnen aktiven Bergretter« deklariert. Hans-Joachim Bittner