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Dank einer Verordnung geht es jetzt doch. Seit Montag werden im Europark alle Kundinnen und Kunden nach einem Impf- oder Genesenen-Nachweis gefragt, außer sie wollen zu einem Lebensmittelgeschäft, zur Drogerie oder zur Apotheke. (Foto: Michael Hudelist)

2 G-Kontrolle im Salzburger Europark: Auf einmal funktioniert es

Salzburg – Der Lockdown für Ungeimpfte in Österreich funktioniert mehr schlecht als recht, das liegt auch daran, dass kaum kontrolliert wird. Der Handel war noch im Dezember zwar für eine Kontrolle ermächtigt, aber eben nicht verpflichtet. Der Unmut war groß. Der Salzburger Landeshauptmann Wilfried Haslauer hat reagiert und eine Verordnung erlassen: So muss der Handel seit Montag den 2 G-Nachweis verpflichtend kontrollieren – entweder schon beim Betreten eines Geschäftes oder spätestens an der Kasse. Und siehe da: Was für viele im Handel vor der Verordnung noch unmöglich schien, funktioniert auf einmal wunderbar. 


Noch im Weihnachtsgeschäft klagten die Händler in Österreich, dass sie rund 50 Prozent des Umsatzes verlieren würden, weil Ungeimpfte nicht mehr einkaufen dürften, kontrolliert hat freilich fast niemand, bei den Geschäften in den Einkaufszentren ohnehin nicht, weil dort auch Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, Apotheken und andere Läden sind, die von der Nachweispflicht ausgenommen sind. Die Betriebe sagten, die Kontrolle sei nicht machbar, außerdem habe man dafür kein Personal.

Seit Montag funktioniert es auf einmal doch, in Salzburgs größtem Einkaufszentrum, dem Europark, gibt es sogar sechs »Service-Points«, wo Kunden freiwillig ihren 2 G-Nachweis und den Ausweis schon vor dem Einkaufen vorzeigen können. Danach gibt es einen »Europark 2 G gecheckt«-Stempel auf den Handrücken. Viele erinnert das an vergangene Discozeiten. »Die Kunden nehmen das sehr gut an und wenn sie einmal kontrolliert sind, müssen sie nicht in jedem Geschäft wieder ihren Nachweis am Handy oder ihren Impfausweis zeigen«, so der Center-Manager Manuel Mayer. Vor den großen Filialen wie Mediamarkt, C&A oder Deichmann steht plötzlich eigenes Sicherheitspersonal, das bei jeder Kundin und jedem Kunden den Nachweis schon vor dem Betreten des Geschäftes verlangt, oder eben den Stempel.

Bei einer nicht repräsentativen Umfrage finden fast alle Kunden die Kontrollen gut, manche meinen sogar: »Warum nicht schon früher, warum muss immer erst eine Verordnung her.« Eine Kundin fühlt sich durch die Kontrollen eingeengt: »Also entspannt ist das Einkaufen mit den ständigen Kontrollen nicht.« Ein offensichtlich nicht geimpfter Schüler wollte mit seinem Ninja-Ausweis (ein Nachweis, dass er in der Schule getestet wurde) einen Stempel erhalten. Er bekam den Stempel nicht und verließ das Einkaufszentrum wieder.

Peter Buchmüller, der Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg, sieht den Sinn der Kontrollen ein: »Auch wenn ich es nicht fair finde, dass sie nur im Bundesland Salzburg angeordnet wurden.« Hier müssen nun Betriebe bis zu 3600 Euro Strafe zahlen, wenn Kunden ohne 2 G-Nachweis erwischt werden. Bisher mussten die Kunden bis zu 150 Euro Strafe bezahlen. Während der Sprecher des Handels in der Wirtschaftskammer, Johann Höflmaier, noch mit Unverständnis reagiert und meint, der Handel würde nun bestraft werden, wenn sich Ungeimpfte nicht an den Lockdown hielten, zeigt sich der Präsident verständnisvoller: »Wir wollen solidarisch sein und keinen Lockdown mehr.«

Seit dem Ende des allgemeinen Lockdowns in Österreich für alle am 13. Dezember des vergangenen Jahres gibt es einen Lockdown nur für Personen, die nicht geimpft oder nicht genesen sind. Dieser wurde erst bis 10. Januar verlängert. Kontrolliert wurde allerdings kaum, weder von der Polizei in Schwerpunktkontrollen noch vom Handel selbst. Nur einige große Ketten wie zum Beispiel das deutsche Modehaus Adler haben auch in Salzburg sofort ab Mitte Dezember alle Kundinnen und Kunden vor dem Betreten kontrolliert.

In den sozialen Medien und auch in Leserbriefen hatten sich viele wegen der Nicht-Kontrollen beschwert. Salzburgs Landeshauptmann Wilfried Haslauer hat dann noch vor Weihnachten als einziger Landeschef Österreichs – auch aus Angst vor der noch ansteckenderen Omikron-Variante – verpflichtende Kontrollen des Handels per Verordnung angekündigt.

Michael Hudelist