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2.074 Liter Blut für Kranke und Verletzte

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Blut spenden kann jeder gesunde Erwachsene zwischen dem 18. und einem Tag vor seinem 73. Geburtstag. Foto: BRK-Blutspendedienst

Berchtesgadener Land – 2020 war aufgrund der Corona-Pandemie auch ein außergewöhnlich anspruchsvolles und forderndes Jahr für den Blutspendedienst (BSD) des Roten Kreuzes. Im ländlich geprägten Berchtesgadener Land verhinderte vor allem die große gesellschaftliche Solidarität der Bevölkerung mit unerwartet hoher Beteiligung bei den Terminen, dass es zu einem kritischen Einbruch der Spenden-Bereitschaft und damit einem Engpass bei der Versorgung der bayerischen Kliniken kommen konnte.


Immerhin 6,2 Prozent (2019: 6,4 Prozent, 2018: 6,6 Prozent) der spendefähigen Bevölkerung waren bei den insgesamt 34 Terminen. Insgesamt 4.588 Spender (2019: 4.846), darunter auch 481 Erstspender (2019: 348). „Die Menschen, darunter auch viele neue Erstspender, kamen trotz der aufwendigen Corona-Maßnahmen, damit verbundener Wartezeiten und der fehlenden Brotzeit und der fehlenden Geschenk-Ausgabe zur Blutspende, weil sie sich dazu verpflichtet sahen und überhaupt keine Gegenleistung erwartet haben. Damit bestätigt sich die Überzeugung des Roten Kreuzes, dass Blutspenden unentgeltlich bleiben muss und nicht von der die Moral zersetzenden Wirkung des Markts bestimmt sein darf“, betont BRK-Pressesprecher Markus Leitner.

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Der britische Sozialwissenschaftler und Ökonom Richard Morris Titmuss brachte den vor allem in der Krise entscheidenden Zusammenhang bereits 1970 in seinem Buch „The Gift Relationship: From Human Blood to Social Policy“ auf den Punkt: „Wird Blut zur Handelsware, schwindet bei den Menschen das Gefühl, Blutspenden seien eine Verpflichtung; selbstloses Denken nimmt ab und das Verhältnis zum Geben verändert sich negativ. Sobald Menschen anfangen, Blut als routinemäßig gehandelte Ware zu betrachten, fühlen sie sich moralisch nicht mehr verpflichtet, Blut zu spenden. Zwar hindert ein auf dem Markt fußendes System niemanden daran, nach Lust und Laune Blut zu spenden, aber die Marktwerte, die das System durchdringen, zersetzen die Norm des Gebens. […] Die Art, in der die Gesellschaft ihre sozialen Institutionen – insbesondere das Gesundheitswesen und die Wohlfahrtseinrichtungen – organisiert, kann den selbstlosen Wesenszug des Menschen fördern oder hemmen; solche Systeme können dafür sorgen, dass sich das Thema des Gebens – die Großzügigkeit gegenüber Fremden – gesellschaftsweit und über Generationen fortsetzt. Ab einem gewissen Punkt können vom Markt getriebene Gesellschaften der Uneigennützigkeit so ablehnend gegenüberstehen, dass dies sozusagen die Freiheit des Gebens beeinträchtigt. Die Kommerzialisierung von Blut und Blutspenden verhindert selbstloses Handeln und zersetzt den Gemeinsinn.“

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Edi Schmid vom ehrenamtlichen Organisationsteam der BRK-Bereitschaften, der die Spendenbereitschaft seit vielen Jahren statistisch erfasst und im Verhältnis zur Einwohnerzahl vergleicht. Foto: Leitner, BRK BGL

Unter der Annahme, dass jede erbrachte Blutspende von einem anderen Menschen stammt, haben 2020 6,2 Prozent der spendefähigen Bevölkerung des Landkreises (Menschen zwischen dem 18. und 73. Lebensjahr) 2.074 Liter Blut für schwerst Kranke und Unfallopfer gespendet. Mit Unterstützung durch Bundeswehr-Soldaten, die gemeinsam Blut spendeten und vor allem durch die starke Beteiligung im südlichen Landkreis, wo das BRK seit Jahrzehnten erfolgreich mit dem Blutspendedienst des Salzburger Roten Kreuzes zusammenarbeitet, konnte das Rote Kreuz trotz der schwierigen Bedingungen dieses gute und mit den Vorjahren vergleichbare Ergebnis erzielen; und das, obwohl im mittleren und nördlichen Landkreis Termine in den kritischen Hochphasen der Pandemie kurzfristig abgesagt werden mussten. Bei 34 Terminen betreuten die Ehrenamtlichen der BRK-Bereitschaften insgesamt 4.588 Blutspender. „Besonders erfreulich waren die 481 Erstspender - 133 mehr als in Vorjahr. Das zeigt, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt in der Krise funktioniert, wenn sich so viele Menschen durch den Ernst der Lage verpflichtet fühlen, uneigennützig zu helfen“, freut sich Edi Schmid vom ehrenamtlichen Organisationsteam der BRK-Bereitschaften, der die Spendenbereitschaft seit vielen Jahren statistisch erfasst und im Verhältnis zur Einwohnerzahl vergleicht. Am fleißigsten waren seiner Auswertung zufolge 2020 die Blutspender des südlichen Landkreises mit 1.377 Spendern bei sieben Terminen, gefolgt von der Großgemeinde Teisendorf mit 878 Spendern bei fünf Terminen. Die Auswertung der Statistik für die einzelnen Terminorte des Landkreises zeigt folgende Ergebnisse:

 

Anger:

  • 2 Termine (2019: 2)
  • 163 erfasste Blutspender (5 Prozent der spendefähigen Bevölkerung)
  • 154 gespendete Blutkonserven (2019: 172)
  • 12 Erstspender (2019: 9)

 

Ainring:

  • 2 Termine (2019: 3)
  • 213 erfasste Blutspender (3,2 Prozent)
  • 181 gespendete Blutkonserven (2019: 241)
  • 26 Erstspender (2019: 14)

 

Piding:

  • 2 Termine (2019: 3)
  • 138 erfasste Blutspender (3,7 Prozent)
  • 120 gespendete Blutkonserven (2019: 215)
  • 10 Erstspender (2019: 11)

 

Bad Reichenhall: (einschließlich Bayerisch Gmain und Schneizlreuth)

  • 8 Termine (2019: 10)
  • 891 erfasste Blutspender (5,9 Prozent)
  • 792 gespendete Blutkonserven (2019: 926)
  • 142 Erstspender (2019: 87)

 

Freilassing: (einschließlich Saaldorf-Surheim)

  • 6 Termine (2019: 6)
  • 774 erfasste Blutspender (6,4 Prozent)
  • 671 gespendete Blutkonserven (2019: 770)
  • 88 Erstspender (2019: 49)

 

Laufen:

  • 2 Termine (2019: 2)
  • 154 erfasste Blutspender (3 Prozent)
  • 131 gespendete Blutkonserven (2019: 185)
  • 5 Erstspender (2019: 13)

 

Teisendorf:

  • 5 Termine (2019: 4)
  • 878 erfasste Blutspender (13,6 Prozent)
  • 818 gespendete Blutkonserven (2019: 643)
  • 61 Erstspender (2019: 35)

 

Berchtesgaden: (mit Bischofswiesen, Marktschellenberg, Ramsau und Schönau)

  • 7 Termine (2019: 6)
  • 1.377 erfasste Blutspender (8 Prozent)
  • 1.281 gespendete Blutkonserven (2019: 1.331)
  • 137 Erstspender (2019: 130)

 

Wichtige Infos zur Blutspende allgemein und speziell während der Corona-Pandemie

Spendewillige mit grippalen- oder Erkältungs-Symptomen und Menschen mit direktem Kontakt zu Convid-19-Erkrankten werden nicht zur Spende zugelassen. Es besteht eine strenge Maskenpflicht (FFP2). Spender müssen unbedingt einen amtlichen Personalausweis, Reisepass oder Führerschein im Original und ihren Spenderausweis mitbringen. Trotz zahlreicher Versuche der Medizin und der Pharmaindustrie ist es bisher nicht gelungen, ein entsprechendes Spenderblut künstlich herzustellen. Mit den Produkten aus nur einer Blutkonserve bekommen bis zu drei Patienten wieder die Chance auf ein Weiterleben. Laut Statistik sind 80 Prozent der Deutschen mindestens einmal im Leben auf eine Blutkonserve angewiesen. 94 Prozent der Deutschen halten Blutspenden für wichtig, aber nur rund drei Prozent der Bevölkerung spendet tatsächlich selbst – im Berchtesgadener Land mit 6,2 Prozent immerhin ein doppelt so hoher Anteil. Blut spenden kann jeder gesunde Erwachsene zwischen dem 18. und einen Tag vor seinem 73. Geburtstag. Die Blutgruppe O negativ gilt laut Blutspendedienst als so genanntes Notfallblut, da es jeder Patient verträgt. Die Blutgruppen A und O sind besonders wichtig, da sie am häufigsten in der Bevölkerung vertreten sind. 19 Prozent der Blutkonserven werden für die Behandlung von Krebs-Patienten eingesetzt, 16 Prozent bei Magen- und Darmerkrankungen und zwölf Prozent benötigen Unfallopfer. Spenderblut wird auch regelmäßig bei Operationen und Therapie-Behandlungen von schwer Kranken wie Leukämie-Patienten eingesetzt.

Für BRK-Kreisgeschäftsführer Tobias Kurz und Kreisbereitschaftsleiter Florian Halter ist es ein besonderes Anliegen, allen Gemeinden und Pfarrämtern im Berchtesgadener Land, einschließlich deren Mitarbeitern, für die hervorragende Unterstützung und die meist kostenlose Überlassung ihrer Räume ganz herzlich zu danken. „Ein herzliches Dankeschön auch im Namen der schwerst Kranken und Unfall-Verletzten den zahlreichen Blutspendern und ehrenamtlichen BRK-Helfern im Berchtesgadener Land, die die Blutspender-Gemeinschaft auch in dieser schwierigen Zeit am Leben erhalten und den zusätzlichen Aufwand der gute Sache zuliebe hinnehmen und akzeptieren“, lobt Halter.

BRK-Chefarzt Dr. Franz Leipfinger bringt es auf den Punkt: „Es lohnt sich definitiv, eine Stunde eigene Zeit für andere Menschen zu investieren, die dadurch im besten Fall viele Jahre weiterleben können. Wenn jeder etwas gibt, ist auch für jeden etwas da!“ Die nächsten Möglichkeiten zur Blutspende sind am Freitag, den 19. Februar von 16 bis 20 Uhr in der Schule in Aufham und am Donnerstag, den 25. Februar von 15.30 bis 20 Uhr in der Aula der Grundschule Teisendorf. Schmid: „Bitte helfen Sie, spenden Sie Ihr Blut und bringen Sie Familienmitglieder, Freunde und Bekannte mit, damit auch in der Zukunft die Versorgung unserer Bevölkerung mit dem notwendigen Blut gewährleistet ist und damit im Notfall jeder Mensch ungeachtet seines Einkommens oder seiner gesellschaftlichen Stellung Blut bekommt!

BRK BGL/red

 

 

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