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2:1 - Nürnberg dreht Elfmeterkrimi gegen Braunschweig

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1. FC Nürnberg - Eintracht Braunschweig
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Die Nürnberger gewannen in Unterzahl gegen Aufsteiger Eintracht Braunschweig. Foto: Timm Schamberger Foto: dpa

Nürnberg (dpa) - Über den vierten Sieg im fünften Rückrundenspiel seines 1. FC Nürnberg wollte sich Gertjan Verbeek überhaupt nicht freuen.


«Schrecklich, wie wir anfangs gespielt haben», klagte der Niederländer mit grimmiger Miene - obwohl seine Franken gegen Eintracht Braunschweig dank eines Blitzstarts nach der Pause einen Rückstand noch in einen 2:1 (0:1)-Erfolg umgewandelt hatten. Zwei Treffer binnen zwei Minuten durch Hiroshi Kiyotake (46. Minute) und Tomas Pekhart (47.) sicherten den Sieg. Große Nervenstärke und Klasse im Kellerkrimi der Fußball-Bundesliga bewies Torwart Raphael Schäfer, der gleich zwei Foulelfmeter der Eintracht (40./63.) hielt.

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Vier Punkte ist Verbeeks erstarktes Team jetzt schon vom Relegationsplatz entfernt, es geht aufwärts - auch wenn die Stimmung des Trainers so gar nicht dazu passte. «Ich habe Mühe, richtig erfreut zu sein», kommentierte er in Anspielung auf die äußerst schwache erste Halbzeit, die der Club gegen den Tabellenletzten zeigte. Braunschweigs Domi Kumbela (34.) hatte in einem turbulenten Duell zweier potenzieller Zweitliga-Kandidaten zunächst vorgelegt.

Anders als zuletzt ließ der FCN allerdings seine Durchschlagskraft anfangs völlig vermissen - und war obendrein geschwächt nach der Roten Karte gegen Innenverteidiger Per Nilsson (32.), der wegen einer Notbremse früh vom Platz musste. Doch mit fulminanter Willensstärke und dank Elfmeter-Killer Schäfer gelang die Wende. «Ich musste die Spieler wach machen», sagte Verbeek zu seiner offenbar deftigen Halbzeitansprache. Der FCN verpasste es Mitte der zweiten Halbzeit sogar nachzulegen, da auch Kiyotake (68.) vom Elfmeterpunkt scheiterte. Drei gehaltene Elfmeter in einem Spiel waren damit ein Novum in der Bundesliga-Geschichte.

«Das war Werbung für den Fußball, aber eine sehr bittere Niederlage für uns», erkannte Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht: «Die zwei Minuten nach der Halbzeit haben uns geschockt.»

Erstmals überhaupt seit dem Rückrundenstart im Januar waren die Nürnberger als Favoriten in ein Bundesligaspiel gegangen - und wurden den gewachsenen Ansprüchen zunächst gar nicht gerecht. Vor 36 657 Zuschauern überließen die Gastgeber dem Langzeit-Tabellenletzten weitgehend das Spiel. Die Nürnberger waren häufiger am Ball, nach vorne aber bis auf einen Distanzschuss des Japaners Kiyotake (24.) in Halbzeit eins recht harmlos. Besser machte es die Eintracht, die von Nilssons Roter Karte profitierte. Nach einem Steilpass rempelte der Schwede Braunschweigs Nielsen kurz vor dem Strafraum um, nur zwei Minuten später nutzte Kumbela die FCN-Verunsicherung zur Führung.

Die fränkische Fehleranfälligkeit unterstrich kurz vor der Pause Mike Frantz, der als letzter Feldspieler den Ball an Kumbela verlor und Schäfer zum Eingreifen zwang. Der Torwart erwischte Braunschweigs brandgefährlichen Stürmer - und hatte Glück, nicht auch noch die Rote Karte zu kassieren. Den unplatziert geschossenen Elfmeter des Kongolosen parierte Schäfer allerdings stark (40.).

Das vereitelte 0:2 schien ungekannte Kräfte bei den Nürnbergern freizusetzen. Nur Sekunden nach dem Wiederanpfiff pfefferte Kiyotake den Ball aus 20 Metern ins Netz, eine knappe Minute später schoss Pekhart aus halbrechter Position ein. Braunschweig reagierte zunächst geschockt, dann angestachelt: Nach einem Foul von Javier Pinola an Nielsen zeigte Referee Daniel Siebert wieder auf den Elfmeterpunkt - und wieder rettete Schäfer, diesmal gegen Ermin Bicakcic. Auf der Gegenseite gab's kurz darauf den dritten Strafstoß - diesmal für Nürnberg, verschossen von Kiyotake. Dennoch brachte der FCN das 2:1 mit viel Kampfkraft über die Zeit.

Spieldaten:

Ballbesitz in %: 52,8 - 47,2

Torschüsse: 6 - 22

gew. Zweikämpfe in %: 56,1 - 43,9

Fouls: 19 - 21

Ecken: 3 - 10

Quelle: optasports.com