250 Wanderer pilgerten über das Steinerne Meer

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Seit 20 Jahren der Vorgeher für die Almer Wallfahrt in Berchtesgaden: Georg Imlauer. Mit dabei war auch Landrat Bernhard Kern (Vierter von links). (Foto: Stanggassinger)

Schönau am Königssee – Die Almer Wallfahrt hat am Samstag unter Einhaltung der Coronaregeln stattgefunden. Zwar hätten maximal 500 Wallfahrer pilgern dürfen, aufgrund des schlechten Wetters überquerten aber nur 250 Personen das Steinerne Meer.


Dicke Schneeflocken fielen vom Himmel. Zwischen dem Riemannhaus und der Staatsgrenze am Baumgart bildete sich eine Schneedecke von 10 Zentimetern. »Ich hatte ein mulmiges Gefühl«, sagte der Vorgeher Georg Imlauer, denn der Untergrund war extrem rutschig. Imlauer kennt sich allerdings bestens aus. Bereits zum 51. Mal machte er die Wallfahrt mit, seit 20 Jahren führt er sie als Vorgeher an. Pfarrer Franz Auer aus Maria Alm und Pater Kajetan zelebrierten am Riemannhaus einen Gottesdienst.

Beliebt auchbei Urlaubern

Anna Pagella, eine junge Musikantin der Trachtenmusikkapelle Maria Alm, war zum ersten Mal bei der Wallfahrt dabei. Sie spielte Querflöte und sagte: »Es war durch den kräftigen Schneefall schwer zum Spielen.« Der Fußmarsch über das Steinerne Meer machte ihr jedoch nichts aus. Pfarrer Franz Auer ging aus terminlichen Gründen zurück nach Maria Alm. Pater Kajetan begleitete die Wallfahrt. Er scherzte: »Ich musste alles machen: den Almsegen erteilen, die Polizei, den Zoll und den Bürgermeister vertreten, denn die haben alle die Wallfahrt abgesagt. Natürlich musste ich auch den ganzen Begrüßungsschnaps alleine trinken.«

Dass die Wallfahrt beliebt ist, beweisen das Ehepaar Lothar und Rita Riedel aus Unterfranken. Beide waren 430 Kilometer gefahren, um das 19. Mal an der Pilgerreise teilzunehmen. »Es war immer ein besonderes Erlebnis«, berichteten beide stolz. Am Kirchturm von St. Bartholomä wehte die Zachäusfahne, die Kirche war jedoch geschlossen, deshalb fand die Schlussandacht beim Eisbach statt. Dieses Mal fehlten auch die Holzknechte vom Nationalpark, die sonst immer Begrüßungsbier vom Fass ausschenken und musizieren.

Bier gab es trotzdem, das der Fischer Thomas Amort spendierte. Pater Kajetan legte sich eine rote mit Alpakas und Kakteen bestickte Stola um. Er verwies stolz darauf, dass er sie von einem Mitbruder, einem Franziskanerpater aus Bolivien, bekommen hatte. Zur Schlussandacht an den Eisbach kamen auch Hannes Rasp, Bürgermeister von Schönau am Königssee, und Landrat Bernhard Kern. In der Andacht hielt der Landrat die Lesung und im Gebet gedachte man Klaus Morocutti. Er war ein ehemaliger Vorgeher. Pater Kajetan erteilte den Segen und die Trachtenmusikkapelle Maria Alm spielte das Lied »Großer Gott, wir loben dich«. Bürgermeister Hannes Rasp sagte, er finde es richtig und gut, dass die Wallfahrt durchgeführt wurde. »Corona müssen wir ernst nehmen, aber wir dürfen uns unser traditionelles Leben nicht nehmen lassen«, betonte Rasp. Der Bürgermeister ist selbst Musikant. Er spielt Klarinette. Auch Landrat Bernhard Kern ist ein Musikant, er spielt Basstrompete. Wenn beide Politiker nächstes Jahr bei der Trachtenmusikkapelle Maria Alm mitspielen dürfen, nehmen sie ihre Instrumente mit und würden an der Wallfahrt teilnehmen. Ein eindeutiges Ja kam aus den Reihen der Almer Musikanten. Landrat Bernhard Kern sagte: »Begegnungen haben wir heute wieder geschafft.« Er war beeindruckt, dass die Almer alle da sind. Es läuft ihm »kalt über den Buckel runter«, sagte er.

Aufenthalt warnur kurz

Kern stellte fest, dass die Verbindung zwischen dem Land Salzburg und dem Berchtesgadener Land gut funktioniert. Er freute sich über das Kommen und versprach, dass er nächstes Jahr mit seinem Instrument zur Wallfahrt erscheint. Der Vizebürgermeister von Maria Alm, Dominik Struber, lobte Pater Kajetans Engagement: »Wir haben heute bei ihm um Einlass bitten müssen, um Eintritt ins deutsche Land zu bekommen.« Dieses Jahr war der Aufenthalt in St. Bartholomä nur kurz. Die Trachtenmusikkapelle Maria Alm marschierte zur Gaststätte und Wirtin Heidi Amann erhielt die Blumen vom geschmückten Stock des Vorgehers Georg Imlauer. Nach einer knappen Stunde fuhren die Wallfahrer zur Seelände. Der Kranz war bereits neben dem Gedenkkreuz an der Falkensteiner Wand befestigt und eine Kerze brannte in der Laterne. Die Musikanten spielten den Trauermarsch »Nachklänge« und Pater Kajetan gedachte der Verstorbenen.

An der Seelände wartete bereits der Bus nach Maria Alm, die Rucksäcke waren verstaut, die Fahrgäste hatten Platz genommen und ein Musikant spielte noch eine Weise. Der Feldgottesdienst und das Kirchweihfest wurden abgesagt. Beides hätte gestern stattgefunden.

B.St.