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3000 Fans im Rock’n’Roll-Fieber

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Wie im Flug verging an dem herrlichen Frühsommerabend das Konzert der Spider Murphy Gang vor 3000 Fans auf dem Traunsteiner Stadtplatz. (Foto: Heel)

Mit ihren Hits wie »Skandal im Sperrbezirk« oder »Schickeria« wurde die Spider Murphy Gang einst weltberühmt – zumindest in Bayern. Dabei blieb es natürlich nicht, denn mit waschechtem Rock’n’Roll schafft man es überall (und jederzeit).


So war die Spider Murphy Gang die erste westdeutsche Band, die eine Tournee durch die DDR unternahm, und die erste und bisher auch einzige Musikgruppe, die im Münchner Maximilianeum (Bayerischer Landtag) spielen durfte. Und selbst heute, über vier Jahrzehnte nach ihrer Gründung, haben Günther Sigl & Co. nichts an Elan und Anziehungskraft verloren. Sie rocken wie in alten Zeiten und geben jährlich noch immer etliche Dutzend Konzerte im gesamten deutschsprachigen Raum.

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Jetzt gab die Gang, benannt nach dem fiktiven Gangster Spider Murphy aus Elvis Presleys »Jailhouse Rock«, im Rahmen ihrer Jubiläumstour auch auf dem Traunsteiner Stadtplatz ein Konzert, wo sie 3000 Fans auf Anhieb begeisterte bzw. mit einer »Überdosis Rock’n’Roll« gleich mächtig in Fahrt brachte. Zumal Sigl schon beim nächsten Song versprach: »I ziag’s ned aus, meine Rock’n’Roll Schuah.« Und das werde die nächsten 10, 20 oder auch 30 Jahre so bleiben, wie der mittlerweile 71-jährige Sänger versicherte und beiläufig daran erinnerte, dass »man mit einer Größe von 1.62 leicht übersehen wird.« Doch die Zeiten, in denen Sigl »Mit’n Frosch im Hois und Schwammerl in de Knia« einem Rendezvous entgegensah, dürften lange vorbei sein. Auch deswegen, weil er seine wahre Liebe früh gefunden hat: den Rock’n’Roll. Und den zelebrierte er auf dem Traunsteiner Stadtplatz besser denn je, so gekonnt, spielfreudig und publikumsnah, dass es eine wahre Freude war. Unterstützt wurde er dabei von einer Handvoll Mitspieler, allesamt fabelhafte, sich harmonisch einfügende Instrumentalisten, die zudem viel Raum für Soloparts bekamen. So bediente Wolfgang Götz mit geradezu rauschhafter Spielfreude Akkordeon und Keyboard, brillierte Otto Staniloi am Saxophon, trumpfte der Schotte Willie Duncan an der Gitarre auf und sorgte Neuzugang Andreas Keller am Schlagzeug gekonnt für den richtigen Drive. Und natürlich zeigte auch Sigls Sideman Barney Murphy, »seit gefühlten 100 Jahren mit von der Partie«, so Sigl, gewohnt muntere Bühnenpräsenz und setzte mit seinem Gitarrenspiel durchaus eigene Akzente.

So verging der herrliche (Früh)Sommerabend wie im Flug, treffend illustriert durch die Ballade »Sommer in der Stadt«, bevor es bei Chubby Checkers »Lets Twist Again« kein Halten mehr gab, alle mitsangen und die Hüften schwangen. Nach dem Song »Autostopp nach Schwabing«, einer Hommage an Chuck Berry, ging es mit den Hits »Schickeria« und »Skandal im Sperrbezirk« dann in die Endrunde, gefolgt von etlichen Zugaben, bis nach dem Song »Mir san a bayerische Band« endgültig Schluss war und die Fans, augenscheinlich hoch zufrieden mit dem Konzert, sich allmählich zerstreuten.

Wolfgang Schweiger