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Foto: David Ebener/dpa-Archivbild

32-jähriger Sohn rastet völlig aus: Vater wird zum lebenslangen Pflegefall

Traunstein – Ein psychisch kranker 32-Jähriger attackierte seinen Vater in der gemeinsamen Wohnung in Rimsting so massiv mit Schlägen und Tritten, dass der 68-Jährige zum Pflegefall wurde. Das Traunsteiner Schwurgericht mit Vorsitzendem Richter Volker Ziegler ordnete am Montag die zeitlich unbegrenzte Unterbringung des krankheitsbedingt schuldunfähigen Täters in einer psychiatrischen Klinik an. 


Laut Antragsschrift von Staatsanwalt Wolfgang Fiedler kam es in einer Nacht im Oktober 2021 zu einem Streit. Der 32-Jährige hatte trotz Drängen des Vaters seine Medikamente nicht genommen. Die Auseinandersetzung eskalierte. Der Beschuldigte schlug mit einer Glasflasche mehrfach auf den Vater ein. Das blutende Opfer verlor das Bewusstsein. Danach trat der Sohn mehrmals mit dem Fuß an Kopf und Oberkörper des 68-Jährigen. Nachbarn hatten die Polizei verständigt.

Ein Ermittlungsrichter erließ einen Unterbringungshaftbefehl. Seither lebte der Beschuldigte in der geschlossenen Abteilung einer psychiatrischen Fachklinik.

Der Vater erlitt so schwere Verletzungen, dass er nun in einer Wohngemeinschaft für Intensivpflege im Landkreis Rosenheim lebt. Er befindet sich im Wachkoma und wird zeitlebens ein schwerer Pflegefall sein.

Über die schlimmen Verletzungen des Vaters berichtete Professor Dr. Bettina Zinka vom Rechtsmedizinischen Institut an der Universität München. Die Medizinerin stellte fest, ohne notärztliche Behandlung nach der Tat wäre das Opfer gestorben. Der psychiatrische Sachverständige, Dr. Josef Eberl vom Bezirksklinikum in Gabersee, sah alle Voraussetzungen für die weitere Unterbringung in der Psychiatrie erfüllt.

Angesichts der Fakten plädierten sowohl der Staatsanwalt als auch Verteidiger Harald Baumgärtl aus Rosenheim auf Unterbringung in der Psychiatrie. Das Urteil des Schwurgerichts deckte sich mit den Schlussanträgen. Vorsitzender Richter Volker Ziegler unterstrich, der tragische Sachverhalt stehe eindeutig fest. Der Vater habe sich immer für seinen kranken Sohn und gegen dessen Unterbringung eingesetzt. Das Schwurgericht habe einen bedingten Tötungsvorsatz angenommen. Weitere Gewalttaten seien krankheitsbedingt zu erwarten: »Dann trifft es einen Mitpatienten, einen Pfleger, einen Nachbarn.«

kd