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IHK-Vorsitzende Wagner: »Unternehmer müssen sich mehr engagieren«

33 Flüchtlinge in der Ausbildung

Berchtesgadener Land – Bis Ende 2016 sollten bayernweit 20 000 Flüchtlinge einen Job, ein Praktikum oder einen Ausbildungsplatz haben. »Tatsächlich sind es doppelt so viele, also 40 000«.

Im Landkreis Berchtesgadener Land machen derzeit 33 Flüchtlinge eine Ausbildung, bayernweit sind es nach Angaben der IHK 40 000. (Foto: Hudelist)

Das erklärte Elfriede Kerschl von der IHK München und Oberbayern. Im Berchtesgadener Land sind es 33 Jugendliche mit Flüchtlingshintergrund, die einen Ausbildungsvertrag in der Tasche haben, und das bei insgesamt 916 Azubis. Obwohl der »3+2«-Pakt gelte, also zwei Jahre Aufenthaltsrecht nach dreijähriger Ausbildung, würden Ausländerbehörden sehr unterschiedlich entscheiden, für Unternehmer gebe es keinerlei Rechtssicherheit. Die IHK fordert einmal mehr einheitliche und verbindliche Kriterien bei den Asylverfahren.

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Mit Ende Dezember 2016 machten 33 Flüchtlinge eine Ausbildung in einem Betrieb im Landkreis, das sind knapp vier Prozent der insgesamt 916 Azubis. Die Zahl von 33 erscheint der IHK nicht als zu gering, »denn ein Großteil der Geflüchteten geht noch in die Schule und kommt erst nach Abschluss der Berufsintegrationsklassen auf den Arbeitsmarkt«, so Aaron Gottardi von IHK. Relevant sei auch, aus welchen Ländern die Geflüchteten kommen, die dem Landkreis zugeteilt sind und in Ausbildung oder Arbeit wollen. Wenn sie aus Eritrea, Somalia und Iran sowie Irak oder Syrien kommen, haben sie auch gute Chancen, eine Arbeitsgenehmigung zu erhalten und in eine Ausbildung oder einen Job einzusteigen.

Wie viele Flüchtlinge ein Praktikum absolvieren oder bereits in einem echten Arbeitsverhältnis sind, weiß die IHK nicht, das sei Aufgabe des Arbeitsamtes. »Wegen der der bisher gültigen Regelung, dass Arbeitsgenehmigungen erst drei Monate vor Ausbildungsbeginn von der Ausländerbehörde erteilt wurden, sind die Unternehmen verunsichert und warten noch mit der Zusendung der Ausbildungsverträge zur IHK, um sie eintragen zu lassen«, so Gottardi. Diese Regelung sei nun auf sechs Monate geändert worden, »allerdings wird sie noch nicht von allen Ausländerbehörden angewandt«.

Wie beim Fachkräftemangel, würden auch bei der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt manche Unternehmen zu wenig Engagement zeigen. Das belegt die Vorsitzende der IHK im Landkreis, Irene Wagner, mit einem Beispiel: Gastronomen hätten sich bei der Leiterin der Berufsschule beklagt, dass die Flüchtlinge in der Kochausbildung zu wenige branchenspezifische, deutsche Wörter lernen würden. Die Schule könne diesen zusätzlichen, speziellen Deutschkurs aber nicht leisten.

Irene Wagner: »Aber warum tun die Gastwirte selbst nichts, legen zum Beispiel zusammen und finanzieren damit ihren Azubis diesen gewünschten, speziellen Deutschkurs?« Es herrsche vielerorts ein Anspruchsdenken, »man will alles auf einem silbernen Tablett serviert bekommen, ohne sich selbst aufzurappeln und sich zu engagieren«, so Wagner, die in ihrem Unternehmen für alle ausländischen Mitarbeiter in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Berchtesgaden Deutschkurse anbietet.

Die IHK unterstütze alle Betriebe, die Flüchtlinge einstellen, mit Angeboten. »Wir weisen alle Mitglieder auf spezielle Projekte hin«, so Kerschl. Neben dieser Hilfe fehlt vielen Unternehmern allerdings die Rechtssicherheit, oft sind Asylberechtigte sogar während ihrer Ausbildungszeit von Abschiebung bedroht, wenn der Asylbescheid ein negatives Ergebnis brachte. Michael Hudelist