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3,5 Millionen Euro für 300 Meter Straße am Fergerlberg

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Seit gestern früh geht am Fergerlberg nichts mehr.

Schönau am Königssee – Am Fergerlberg wird seit gestern Montag gebaut. Rund 3,5 Millionen Euro investieren der Freistaat Bayern, der Landkreis Berchtesgadener Land und die Gemeinde Schönau am Königssee in das desolate, rund 300 Meter lange Teilstück der Kreisstraße BGL 1. Zum Projektstart kamen gestern Vertreter des Staatlichen Bauamts Traunstein, des Planungsbüros BPR Dr. Schäpertöns Consult, der Bayerisch Gmainer Baufirma Schmölzl, der Gemeinde Schönau am Königssee mit Bürgermeister Hannes Rasp und des Landkreises Berchtesgadener Land mit Landrat Bernhard Kern zusammen, um das Projekt vor Ort zu präsentieren.


Seit Jahren kämpft vor allem die Gemeinde Schönau am Königssee für eine Sanierung der 60 Jahre alten Straßenkonstruktion am Fergerlberg, deren Baulastträger der Landkreis ist. Immer wieder kam es auf der nur fünf Meter breiten Straße im Begegnungsverkehr von Lkws und Bussen zu Problemen, die sich nach dem Bau des Heizkraftwerks noch einmal verstärkt haben. Dazu kamen auf der ganzen Länge Verwerfungen auf der Fahrbahn mit der Folge von zahlreichen Rissen im Asphalt.

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Freistaat Bayern gibt 2,16 Millionen Euro

Aber nicht nur die Straße soll komplett erneuert werden, sondern auch der Gehweg, für den die Gemeinde Schönau am Königssee zuständig ist. Insgesamt 3,5 Millionen Euro wird man in den kommenden zwölf Monaten investieren, 75 Prozent der Kosten trägt der Landkreis Berchtesgadener Land, 25 Prozent die Gemeinde Schönau am Königssee. Allerdings gibt der Freistaat Bayern dazu eine kräftige Finanzspritze in Höhe von 2,16 Millionen Euro. Rund 1,76 Millionen Euro davon gibt das Land nach dem Bayerischen Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz und etwa 400 000 Euro nach dem Bayerischen Finanzausgleichsgesetz.

Im Rahmen des sogenannten bestandsorientierten Ausbaues soll nach den Worten von Christian Rehm, Leiter des Staatlichen Bauamts Traunstein, die gesamte, aus dem Jahr 1960 stammende Stützwerkskonstruktion erneuert werden. Die Straße wird gleichzeitig von bislang fünf Meter auf künftig 6,50 Meter verbreitert, auch ein großzügiger Gehweg wird wieder angelegt. Gleichzeitig geht es laut Florian Paukner, Abteilungsleiter Brückenbau im Staatlichen Bauamt, darum, die passiven Schutzeinrichtungen auf einen neuen Stand zu bringen. Die aktuellen Betonpoller mit darauf liegenden Kanthölzern werden durch ein modernes System ersetzt.

Bis zu 5,70 Meter hohe Stützmauer

Aufwendig ist vor allem die Herstellung der gesamten Unterkonstruktion. Die wird der am Eisenrichter und am Bodenberg ähneln. Nach dem Abriss der bestehenden Konstruktion wird die Straße etwa zur Hälfte abgegraben. Anschließend kommen knapp fünf Meter lange Betonanker in den Hang, der mit einer Spritzbetonwand gesichert wird. Erst dann kann der Bau der einen Meter starken und bis zu 5,70 Meter hohen Stützmauer beginnen. Die hält zum einen die Straße und bildet zum anderen die Grundlage für den Bau des neuen, zwei Meter auskragenden Gehwegs. All das kann nicht auf einmal gemacht werden, sondern man wird sich Meter für Meter voran arbeiten und gleichzeitig auch die Entwässerungseinrichtungen erneuern. »Das ist alles ziemlich kompliziert«, sagte Florian Paukner und gab damit die Antwort auf die Frage, warum denn die Abteilung Brückenbau mit dem Fergerlberg-Projekt beschäftigt ist. Mit den Hauptmaßnahmen wird man aber erst im nächsten Jahr beginnen. In diesem Jahr steht als erster Bauabschnitt die Errichtung des sogenannten Anfangsbauwerks im unteren Teil des Fergerlbergs an.

Bauamtschef Christian Rehm freute sich, dass in punkto Bauausführung mit der Bayerisch Gmainer Firma Schmölzl ein einheimisches Unternehmen zum Zuge gekommen ist. Die soll das Projekt bis Mitte, spätestens Herbst 2021 abschließen. Bis dahin gilt am Fergerlberg eine Vollsperrung.

»Investition in die Zukunft«

Landrat Bernhard Kern sprach von einer »Investition in die Zukunft«, denn schließlich wünschten sich alle Bürger eine gute Infrastruktur. »Nun müssen wir beweisen, dass wir es können«, sagte Kern und wünschte dem Projekt einen unfallfreien Verlauf.

»Kurz, teuer und wichtig« – diese drei Adjektive fand Bürgermeister Hannes Rasp für das Projekt Fergerlberg. Schließlich weiß der Rathauschef aus eigener Erfahrung, wie desolat die Fahrbahn mittlerweile ist. Jedesmal wenn er mit seinem Pkw, der mit einem Sportfahrwerk ausgestattet ist, den Berg befahre, dann sage ihm das Verhalten des Fahrzeugs: Es ist Zeit zum Sanieren. Neben dem Dank an Landrat Bernhard Kern und dessen Vorgänger Georg Grabner, die die Maßnahmen eingeleitet und in den angespannten Kreishaushalt aufgenommen hatten, erwähnte Rasp auch die Regionalverkehr Oberbayern GmbH. Die setzt nämlich von der Haltstelle Kohlhiasl, wo während der Baumaßnahme die Linie endet, bis zum Friedhof einen Kleinbus ein.

12 Millionen Euro in zwei Jahren investiert

Nach Angaben von Bauamtsleiter Christian Rehm hat das Staatliche Bauamt Traunstein in den letzten beiden Jahren im Berchtesgadener Talkessel in die Bestandserhaltung der Straßen rund 12 Millionen Euro investiert. Rehm nannte als Beispiel die Sanierung am Eisenrichter, den Kreisverkehr Stanggaß, den Kreisverkehr Ramsau mit dem Ausbau der Ortsdurchfahrt, den Bypass am Bahnhof und das Brückenbauwerk am Roßfeld. In den nächsten Jahren soll es weiter gehen. Dringend sei unter anderem eine Lösung für die Königsseer Straße, sagte Rehm. Auch auf der Bundesstraße 305 zwischen Gmundberg und Bahnhof gehe es nun darum, die fertig abgestimmte Planung umzusetzen. Darüber hinaus stünden der Neubau der Achenbrücke in Marktschellenberg und eventuell schon im nächsten Jahr der Ausbau der Aschauerweiherstraße an. Ulli Kastner