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40 Jahre »Traunsteiner Sommerkonzerte«

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Die »Traunsteiner Sommerkonzerte« sind eine Ausnahmeerscheinung im Reigen der Kammermusikfestivals: 1980 wurden sie gegründet, und es gibt sie immer noch! Auf eine so lange Geschichte – vier Jahrzehnte – können nur die allerwenigsten Kammermusik-Reihen in Deutschland zurückblicken.


Von Anfang an haben sich die »Traunsteiner Sommerkonzerte« durch ihr hohes Niveau ausgezeichnet und dadurch ihren Ruf als kleines, exquisites Festival bis heute bewahren können. Und noch im Februar schrieb die Leiterin des Festivals, Imke von Keisenberg: »Dank einer treuen Zuhörerschaft, fördernder Musikfreunde und Zuwendungen von öffentlicher und privater Hand kann das von der Stadt Traunstein veranstaltete Musikfestival unbesorgt in die Zukunft schauen und voller Elan das nächste Jahrzehnt einläuten.«

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Doch schon wenige Wochen später verbreitete sich das Corona-Virus über den Erdball und stellte das Leben eines großteils der Menschheit auf den Kopf. Kontaktverbote und Einschränkungen legten auch den gesamten Kulturbetrieb über Wochen und Monate lahm.

Nach Museen und Ausstellungen sowie kleineren Musikveranstaltungen im Freien konnten endlich auch unter hohen Auflagen und Beschränkungen wieder Konzerte stattfinden – die sich aber für Veranstalter wie Künstler selten rechnen.

Lange hing auch über den »Traunsteiner Sommerkonzerten« das Damoklesschwert der Absage. Es herrschte Unsicherheit auf ganzer Linie, bis sich Veranstalter und künstlerische Leitung entschlossen – Corona zum Trotz – das Festival stattfinden zu lassen. Und so können die »Traunsteiner Sommerkonzerte« in ihrem Jubiläumsjahr endlich wieder in ihr »Stammhaus«, die frisch renovierte Klosterkirche, einziehen. Dass die Konzertreihe bekannt und beliebt weit über die Region hinaus ist, dazu trägt seit vielen Jahren auch der Bayerische Rundfunk bei, der auch in diesem Sommer wieder Konzerte mitschneidet und sie u. a. in sein exklusives Hörprogramm »Festspielzeit« einreiht.

Fazil Say kommt nicht

Eine große Enttäuschung gab es für alle Musikfreunde, die sich auf den Solo-Abend mit Fazil Say gefreut hatten. Da machte nun doch noch Corona einen Strich durch die Rechnung – der Pianist darf nicht nach Deutschland einreisen. Musik aus England ist das diesjährige Thema. Da klassische Musik aus dem Inselstaat nicht allzu häufig den Weg über den Kanal auf das Festland findet, wird es spannend. Vom frühen Barock bis zur Gegenwartsmusik ist England mit sieben Komponisten vertreten.

Täglich zwei Konzerte

Es wird zwei Konzerte (17 Uhr und 20 Uhr) mit jeweils identischem Programm geben – durchgehend ohne Pause. Ein Mund-Nasen-Schutz muss während des Konzerts n i c h t getragen werden. Passend zum Themenschwerpunkt England wird in einer Sonntags-Matinee im Großen Saal des Kinos am Bahnhof eine englische Oper gezeigt: Henry Purcells einziges durchkomponiertes Bühnenwerk »Dido und Aeneas«, wunderbar fantasievoll produziert am Opernhaus Rouen Normandie.

Es gibt noch Karten

Und jetzt die gute Nachricht: Es gibt noch Karten für fast alle Konzerte, besonders für die 20-Uhr-Termine. Natürlich würden einige auswärtige Gäste aufgrund der Corona-Pandemie die Anreise scheuen, doch die Organisatoren um Imke von Keisenberg hoffen, dass sich im Jubiläumsjahr vielleicht auch neue und junge Klassikfans aus der Region für die Konzerte mit vielen jungen Musikern begeistern. Die Traunsteiner Klosterkirche und das Umfeld haben nach der Renovierung noch an Flair gewonnen.

Das Programm

Konzert I: Dienstag, 1. September, 17 und 20 Uhr mit dem Notos Quartett: Gustav Mahler: Klavierquartettsatz; Wolfgang Amadeus Mozart: Klavierquartett KV 478; William Walton: Klavierquartett d-Moll.

Konzert II: Mittwoch, 2. September, 17 und 20 Uhr mit Nils Mönkemeyer (Viola) und Nicholas Rimmer (Klavier): Benjamin Britten: Lachrymae; Rebecca Carke: Violasonate; Dmitri Schostakowitsch: Violasonate op. 147.

Konzert III: Donnerstag 3. September, 17 und 20 Uhr mit dem Azahar Bläserensemble und Nicholas Rimmer (Klavier): Ian Clarke: The great Train Race für Flöte solo; Wolfgang A. Mozart: Quintett für Bläser und Klavier KV 452; Harrison Birtwistle: Five Distances for Five Instruments; Francis Poulenc: Sextett für Bläser und Klavier.

Konzert IV: Freitag, 4. September, 17 und 20 Uhr mit Christina Landshamer (Sopran) und Gerold Huber (Klavier): Lieder von Henry Purcell, Aaron Copland, Joh. Philipp Krieger; Robert Schumann: Liederkreis op. 39.

Konzert V: Samstag, 5. September, 17 und 20 Uhr mit dem Szymanowski Quartett: Deirdre Gribbin: »What the Whaleship Saw«; Benjamin Britten: Streichquartett Nr. 3; Ludwig van Beethoven: Streichquartett op. 18/4.

Sonntag, 6. September, 11 Uhr: Opernfilm-Matinee im Kino am Bahnhof: Henry Purcell: Dido & Aeneas (Opera du Rouen Normandie).

Konzert VI: Sonntag, 6. September, 17 und 20 Uhr mit dem Trio con brio Copenhagen: Ludwig van Beethoven: Kakadu-Variationen op. 121a; Frank Martin: Klaviertrio über irische Volksweisen; Felix Mendelssohn Bartholdy: Klaviertrio op. 66.

Konzert VII: Montag, 7. September, 17 und 20 Uhr mit dem Danish String Quartet: Henry Purcell: Chacony; Benjamin Britten: Streichquartett Nr. 2; Folk Music.

Das Konzert VIII am 8. September mit dem Pianisten Fazil Say musste abgesagt werden. – Karten gibt es jeweils an der Abendkasse im Kulturforum Klosterkirche oder unter Telefon 0861/2099660. ahr/fb