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40 Vereine feierten mit Burschen in Kammer

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Festwoche Kammer
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Foto: Pixabay/Symbolbild

Traunstein – Mit sorgenvollen Mienen schauten die Verantwortlichen der Kammerer Festwoche am gestrigen Sonntagfrüh nach oben: Dicke Regenwolken verhießen nichts Gutes. Als aber die ersten Busse eintrafen und ein Gastverein nach dem anderen zum Festzelt strebte, klarte es zunehmend auf. Pünktlich zum Kirchenzug hatten sich die letzten Wolken verzogen. Der Arbeiter- und Burschenverein Kammer konnte sein 115. Gründungsfest unter strahlend blauem Himmel feiern.


Das schöne Wetter verleitete weder den Zelebranten, Pfarrer Helmut Bauer, noch die Grußwortredner zu ausschweifenden Betrachtungen. Die Kapelle Boarisch Blech umrahmte die Messfeier auf der Wiese zwischen Kammer und Rettenbach mit der Schubertmesse und spielte wie schon an den ersten beiden Festtagen anschließend auch im Zelt auf, ehe am frühen Nachmittag die Jung-Ottinger für die musikalische Unterhaltung sorgten. Der Altar war gesäumt von rund 40 Fahnen der teilnehmenden Vereine aus fünf Landkreisen.

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»Fernweh kann man leichter verkraften als Heimweh.« Mit diesen Worten eröffnete der Geistliche seine Predigt und sagte, erst in der Ferne erkenne man, wie und wo man verwurzelt sei; wo man Beziehungen und Freundschaften pflege und wo es eine Dorfgemeinschaft gebe. Zu der gehörten auch die Vereine, die wie der heutige Jubelverein auf eine mehr als hundertjährige Tradition zurückblicken können.

»Tradition heißt hüten und weitergeben des Feuers und nicht das Bewahren der Asche«, habe schon Papst Johannes XXIII. gesagt. Der Jubelverein habe von Anfang an Menschen in Not geholfen. Es sei heute genauso wichtig wie früher, einen Blick zu haben für Menschen in Not. Bauer zitierte auch Papst Franziskus: »Heilig sein heißt, im Alltag Liebe zu schenken. Das kann jeder.« Mit einer launischen Bemerkung beendete der Geistliche seine Predigt: »Mehr sage ich nicht, denn vielleicht feiert ihr in fünf Jahren schon wieder…«

Der Schirmherr der Festwoche, Oberbürgermeister Christian Kegel, ging auf die ursprünglichen Aufgaben des Vereins bei dessen Gründung zu Beginn des letzten Jahrhunderts ein und auf dessen Bedeutung als soziale Einrichtung für Arbeiter. Ebenso wie anschließend der stellvertretende Landrat Andreas Danzer würdigte er die Verantwortlichen für ihren Einsatz.

Der symbolische Handschlag im Zentrum des Wappens der Arbeiter- und Burschenvereine sei ein starkes Symbol, sagte Danzer. Namens des Landkreises und auch im Namen von Landrat Siegfried Walch gratulierte er, ehe Pfarrer Bauer mahnte: »Die Pferde scharren schon mit den Hufen. Es wird Zeit für den Segen.« Den erteilte er den Gläubigen, die sich dann auf den Festzug nach Kammer und von dort zurück zum Zelt in Rettenbach machten. In gemütlicher Runde klang der Festsonntag dort bei zünftiger Musik aus.

Tags zuvor hatte der gemeinsame Festabend stattgefunden, den der Arbeiter- und Burschenverein zusammen mit der Feuerwehr Kammer feierte. Diese begeht am kommenden Sonntag ihr 150. Gründungsfest. Alle Akteure verzichteten beim Festabend auf lange Reden. Die beiden Vorstände schafften es, in zusammen nur zehn Minuten einen kurzen Abriss über die Geschichte ihrer Vereine zu geben.

Etwa genauso lange brauchte Oberbürgermeister Christian Kegel, um die Leistungen der beiden Vereine für die Dorfgemeinschaft und die Allgemeinheit zu würdigen. Neben dem Musikprogramm mit Boarisch Blech und der Schlenkl-Musi ließen die AlzTrauner Goaßlschnalzer ihre Peitschen im Takt knallen und der Rettenbacher Trachtennachwuchs gab Proben seines Könnens.

Namens des Festvereins hatte Georg Huber dem Schirmherrn beim Anzapfen assistiert. Nach neun Schlägen floss das Bier aus dem ersten Fass. Die Gruppe Zwoa moi Zwoa spielte auf und schon bald verschwanden die meisten Maßkrüge von den Tischen und es standen Weingläser darauf; denn der erste Tag der Festwoche war als Weinfest deklariert. Mit einem derart großen Ansturm hatte man freilich nicht gerechnet: Der Weinvorrat war zu Ende, noch ehe die letzten durstigen Kehlen ausreichend benetzt waren.

Am heutigen Montag um 20 Uhr findet ein politischer Abend mit der stellvertretenden Ministerpräsidentin Ilse Aigner statt und am Mittwoch Abend ist Zeltparty mit der Gruppe Gaudi Harmonie. - K. O. -