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Hotel wird zur Flüchtlingsunterkunft« – Öffentlicher Unmut – Bürgermeister beschwichtigt

41 Asylbewerber für Ramsau

Ramsau – Ein Investor aus Piding hat das ehemalige Hotel »Wimbachklamm« gekauft (wir berichteten). Dort sollen nun bis zu 41 Asylbewerber wohnen. Für die Ramsau ist dies eine Premiere. Bürgermeister Herbert Gschoßmann setzt auf Zuversicht. Doch die Bedenken aus der direkten Nachbarschaft wurden am Dienstag im Gemeinderat deutlich.

41 Asylbewerber sollen in das nun verkaufte Ramsauer Hotel »Wimbachklamm« einziehen. (Foto: Pfeiffer)

Für die Gemeinde Ramsau ist die Umnutzung des ehemaligen Hotels »Wimbachklamm« eine Katastrophe. Nicht etwa, weil Asylbewerber seitens der Gemeindeverwaltung nicht willkommen wären, sondern weil erneut ein Betten-Betrieb vom Markt verschwindet. »Seit Jahren verlieren wir Betten, immer mehr Vermieter hören auf«, sagt der Geschäftsleiter der Gemeinde, Martin Willeitner. Da die Besucherzahlen im Bergsteigerdorf aber steigen, steht die Ramsau vor einem Problem, das unlösbar erscheint.

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In jedem Fall ist das Hotel »Wimbachklamm« als Übernachtungsbetrieb erst einmal vom Markt. Fakt ist, dass Ende des Jahres, spätestens Anfang nächsten Jahres bis zu 41 Asylbewerber in die Ramsau kommen. »Ursprünglich sollten es knapp 50 werden«, sagte Bürgermeister Herbert Gschoßmann.

Der Investor plant, das Haus in jetzigem Zustand zu übernehmen. »Große Investitionen sind nicht geplant«, heißt es von Gemeindeseite. Westlich des Gebäudes soll eine Außentreppe installiert werden – als zweiter Fluchtweg für die kommenden Bewohner. Ansonsten passiert innerhalb des Hotels relativ wenig.

Geschäftsleiter Martin Willeitner sagte, dass es mittlerweile einfach sei, ehemalige Hotels umzunutzen in Asylbewerberunterkünfte. Es habe im vergangenen Jahr eine Gesetzesänderung gegeben, die solche Umnutzungen vereinfacht.

Auch wenn niemand in der Gemeinde aktuell weiß, wie lange die Immobilie als Asylbewerberunterkunft dienen soll, so hofft so mancher Gemeinderat, dass später wieder ein Hotel draus wird. »Wir sollten mit dem Investor drüber sprechen«, so Andreas Bönsch. Und Hannes Grill bekräftigte, dass der Bereich rund um die Wimbachbrücke sehr touristisch geprägt« sei. Daher müsse alles daran gesetzt werden, dass eine Nachnutzung als Hotel angestrebt werde. Es dürfe auf keinen Fall die Situation eintreten wie damals in Schönau am Königssee, als die dortige Unterkunft mehrere Jahre leer stand, so Richard Graßl. Martin Willeitner sagt, dass es rechtlich überhaupt kein Problem sei, die Asylbewerberunterkunft wieder einer touristischen Nutzung zuzuführen.

Auch wenn Bürgermeister Herbert Gschoßmann mit der aktuellen Entwicklung nicht zufrieden sein kann, so sei ihm klar gewesen, »dass wir irgendwann auch Asylbewerber aufnehmen müssen«.« Bislang hatte seine Gemeinde keine geeigneten Objekte.

Man könne es niemandem vorwerfen, wirtschaftlich zu handeln, darüber hinaus sei es nicht die Pflicht, zu prüfen, was der neue Eigentümer mit der Immobilie vorhat, sagte der Rathauschef. Damit meinte er die Vorbesitzer des Hotels, die sich dazu entschieden hatten, das Haus an einen Investor aus Piding zu veräußern und die zunehmend nun mit Anfeindungen konfrontiert werden. Bürgermeister Gschoßmann verurteilt das aufs Schärfste. »Die ehemaligen Eigentümer wurden stark angegangen, so was kann nicht sein«, sagte er. Ebenfalls hätten Unbekannte Zettel in der Gemeinde aufgehängt, auf denen Folgendes geschrieben stand: »Ab November Asylbewerberheim – gezeichnet: Gemeinde Ramsau«. Nicht akzeptabel sei das. Man werde sich dagegen wehren, so Gschoßmann.

Der Bürgermeister warnte davor, »nun Argumente zu suchen, um etwas zu verhindern«. Klar sei, dass die Umnutzung von Objekten in Asylbewerberunterkünfte aktuell stark im Kommen sei. »Das ist ein richtiges Geschäftsmodell geworden«, so Gschoßmann. »Die Situation ist nun so eingetreten und wir müssen das Beste draus machen«.

»Wir haben eine Aufnahmeverpflichtung«, sagte Herbert Gschoßmann. Er warb mehrfach darum, den neuen Ramsau-Bewohnern »offen gegenüberzustehen.« Eine Ramsauerin wollte es genauer wissen: »Wenn dort syrische Familien einziehen, habe ich überhaupt nichts dagegen, ich bin nicht ausländerfeindlich. Aber ich möchte nicht, dass alleinstehende afrikanische Jünglinge kommen.«

Beeinflussen könne man die Situation nicht, entgegnete Gschoßmann, derzeit wisse man nicht über die Herkunft der Asylbewerber Bescheid. Mehrere Anwohner hatten Bedenken wegen der Zufahrtssituation, ebenso fürchtet einer um seine Vermietung. »Dann kann ich dicht machen«, sagte er. Gemeindechef Gschoßmann nimmt die Bedenken der Ramsauer ernst. »Ich bin auch nicht glücklich mit allem«, sagte er, verbreitete aber weiter Zuversicht. »Wir schaffen das.« Kilian Pfeiffer