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50 Prozent mit einer Eins vor dem Komma

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Die Abiturienten des Gymnasiums Berchtesgaden erhielten am Freitag ihre Abiturzeugnisse. (Fotos: Wimmer)

Berchtesgaden – Es war einer dieser heißen Nachmittage am Anzenbachfeld, wo am Freitag die feierliche Verleihung der Abiturzeugnisse im Gymnasium Berchtesgaden stattfand. 62 Schüler hatten dieses Jahr die gymnasiale Hochschulreife erlangt, davon schafften 31 einen Einser-Abschluss. Dies entspricht einer noch nie dagewesenen Quote von 50 Prozent. So war die Freude bei der feierlichen Veranstaltung bei allen Beteiligten groß.


Stellvertretender Schulleiter Markus Spiegel-Schmidt betrachtete in seiner Begrüßung das Wort »Abitur« als Akronym: Es stehe für Eigenschaften, die in Zeiten gewaltiger Herausforderungen für die Zukunft und einem Erstarken des Postfaktischen besonders relevant sind: Das A stehe für Anstrengungsbereitschaft, das B für Begeisterungsfähigkeit. Das I für Impulskontrolle, das T für Toleranz. Das U sei Urteilsfähigkeit und das R schließlich Resilienz. Diese Charaktermerkmale wünsche er den Abschlussschülern, um erfolgreich durchs Leben zu gehen.

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»Willkommen in der zweitbesten Show der Welt«

»Das Abitur ist ein absolutes Qualitätssiegel, mit dem euch alle Wege offen stehen«, rief der stellvertretende Landrat Rudolf Schaupp den Abiturienten zu. Er forderte die Schüler auf, sich sozial, ehrenamtlich und auch politisch zu engagieren. Mit seinem »Willkommen in der zweitbesten Show der Welt« spielte Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp auf das gewählte Abimotto beruhend auf der Fernsehshow »Circus HalliGalli« an und outete sich damit als »echter Fan« des Abschlussjahrgangs. Stellvertretend für die Bürgermeister des Talkessels riet er den Schülern, ihre spezifischen Talente zu entdecken und zu nutzen.

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Die Geehrten strahlten um die Wette.

Die Elternbeiratsvorsitzende Kerstin Kranz bezog sich auf Johann Wolfgang von Goethe: »Zwei Dinge sollten Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel.« Mit dem bestandenen Abitur nach zwölf Jahren Schule hätten die Abiturienten nun beides erhalten und seien so gewappnet für die Zukunft.

Für die Abiturienten selbst sprachen Johanna Riese und Rasmus Noeske. Sie zeigten episodisch den Werdegang der Jahrgangsstufe auf. Von kleinen Fünftklässlern, beeindruckt von der Größe des Schulgebäudes, über die Mittelstufe, wo der eine oder andere sich auch mal »sofort« im Büro des Direktors zu melden hatte. Und von den letzten Jahren in der Oberstufe, wo die Freistunden im »Kammerl« verbracht wurden, bis hin zur Gegenwart, wo bei allen Schülern große Erleichterung und Dankbarkeit ob der geschafften Prüfungen vorherrsche. »Die Schule liegt hinter uns – die Zukunft vor uns«, so die Abiturientensprecher.

Schulleiter Andreas Schöberl sprach den Abiturienten gegenüber von einer »überragend guten Leistung«, die in der Geschichte der Schule einmalig sei. »Die größte Ehre, die man einem Menschen antun kann, ist die, dass man zu ihm Vertrauen hat.« Mit diesem Zitat von Matthias Claudius leitete Schöberl seine Rede ein. In der Schulgemeinschaft gebe es derzeit häufig fehlendes Vertrauen. Eltern beschwerten sich, Schüler beschwerten sich und Lehrer beschwerten sich – immer über die jeweils anderen.

»Schwierigkeiten entstehen erst aus mangelndem Vertrauen. Diese können wir nur lösen, wenn wir auf andere zugehen und ihnen auch mehr zutrauen.« Ein Blinder und ein Lahmer, beide verirrt im Wald, könnten nur durch Kooperation einen Ausweg finden. »Vertraut anderen aber nicht blindlings, sondern wohlüberlegt. Und sollte euer Vertrauen enttäuscht werden, so habt ihr zumindest etwas fürs Leben gelernt.«

Der Höhepunkt der feierlichen Veranstaltung war zweifelsohne die Ausgabe der Reifezeugnisse. Dabei überreichte das letzte Zeugnis des Tages nicht der Schulleiter selbst, sondern der jahrzehntelange Oberstufenkoordinator Gerhard Schiener, der zum Ende des Jahres in Ruhestand geht und der es sich nicht nehmen ließ, symbolisch seinen letzten Schüler zu verabschieden. Direktor Schöberl ließ es sich dann aber ebenfalls nicht nehmen, den Kollegen durch Geschenke gebührend auf den Ruhestand vorzubereiten.

Für Leistungen und Engagement geehrt

Besonders geehrt wurden die besten Abschlussschülerinnen Franziska Punz, Elisabeth Renoth und Alena Scheinert sowie für ihr soziales Engagement außerhalb der Schule Simon Metzendorf, Antonia Stöger sowie Elias und Rasmus Noeske. Diese erhielten von Marktbürgermeister Franz Rasp eine Einladung zu einem Abendessen im Hotel »Kempinski« zusammen mit den anderen Bürgermeistern der Region.

Freude bereiteten auch die Ehrungen für Verdienste in einzelnen Fächern. Eine Urkunde für ihre konstant sehr guten Leistungen im Fach Physik und eine einjährige Mitgliedschaft in der Deutschen Physikalischen Gesellschaft erhielt Elisabeth Renoth. Für ihre herausragenden Kenntnisse im Fach Mathematik wurden Franziska Punz und Marcus Hofmann geehrt und sind nun für ein Jahr Mitglied in der Deutschen Mathematikervereinigung.

Simon Metzendorf, Rivana Jochheim und Anton Schultz erhielten Applaus für ihr großes, auch außerschulisches, Engagement im MINT-Bereich. Erstmals wurde dieses Jahr von der Erzdiözese München-Freising ein Preis für besondere Leistungen im Fach Katholische Religionslehre vergeben, den Anna-Katharina Angerer und Marie Radlmeier erhielten.

Für die musikalische Auflockerung zwischen den Reden sorgten Tobias Hartmann, Simon Metzendorf, Damian Ponn, Anton Schultz, Regina Angerer, Alina Skriwan und Elisabeth Renoth. Als gemeinsames Abschlusslied sangen alle Schüler den Song »Viva la Vida« der Band Coldplay. Im Refrain ist von den läutenden Glocken Jerusalems die Rede. Sie können wohl als Ausdruck der Euphorie der Abiturienten verstanden werden. Alexander Wimmer