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52 468 Euro Spenden erradelt

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Erschöpft aber stolz und glücklich kamen die 36 Radfahrer in Oberwössen an und wurden begeistert empfangen. Sie waren für den Verein »Radeln und Helfen« von Flensburg nach Oberwössen geradelt. 1060 Kilometer in 40 Stunden. (Foto: Flug)

Unterwössen – 52 467,62 Euro wies der Spendenticker der Aktion »Radeln und Helfen« am Ende aus – eine gewaltige Summe für eine gewaltige Leistung: 36 Rennradfahrer sind am Samstag um 4.30 Uhr in Flensburg gestartet und am Sonntag um 20.36 Uhr in Oberwössen durchs Ziel gefahren. 1060 Kilometer in den Beinen, 40 Stunden auf dem Rennsattel.


Wofür die Schinderei? »Möglichst vielen Kindern zu helfen, das ist unser Ziel«, so Gerhard Dashuber, Vorstand des Vereins »Radeln und Helfen«. »Wir unterstützen benachteiligte, gehandicapte und anderweitig hilfsbedürftige Kinder, und frönen dabei dem Radsport.« Der Spendenerlös kam zusammen, da jeder Radler im Vorfeld Paten gewonnen hatte, die ihn pro gefahrenen Kilometer entschädigten.

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Es ist Sonntagmorgen, 4 Uhr: Nahezu lautlos gleiten 36 Rennräder über die regennasse Straße. Helle Fahrradlampen durchbrechen das Dunkel. Regentropfen auf den Radelbrillen erschweren die Sicht. Die Stimmung ist gedrückt, das Regenwasser von oben, unten und den Seiten, die niedrigen Temperaturen von zeitweise nur 3 Grad laugen die Körper aus. Die Radler fahren in zwei Gruppen. Jede ist groß genug, das Sonderrecht im Straßenverkehr einzunehmen, in zwei Reihen nebeneinander zu fahren. Die stärksten an der Spitze machen die Geschwindigkeit. Dahinter ducken sich die anderen Radler in den Windschatten. Unermüdlich und gleichmäßig treten und ziehen die Beine in den Klickpedalen. Keiner hat Rennambitionen, aber das Tempo ist mit 33 bis 35 km/h anspruchsvoll.

In der ersten Gruppe hat Vorstand Gerhard Dashuber das Sagen, die zweite Gruppe leitet Stefan Scherrer, Ultra-Cycling-Weltmeister in seiner Altersklasse. »Jeder ist schon vor der Fahrt und dann unterwegs vollkommen darauf fokussiert, anzukommen. Alles andere blendet man aus«, erzählt Dashuber. Das Fahren in der Gruppe ist anspruchsvoll. Gerade in der Nacht. Sie haben das gleichmäßige, schnelle Fahren über Monate geübt. Um so ärgerlicher die zerbrochene Glasflasche auf der Fahrbahn, die am Samstag gleich mehrere Platten auf einmal verursachte hatte. Pannen und Baustellen brachten den Zeitplan in Gefahr.

»So großartig die Leistung der Radler, so großartig die der Helfer«, findet Dashuber. »Wir sind ja nur geradelt, aber die haben richtig gearbeitet. Ohne die neun Helfer wären wir nie im Ziel angekommen.« Und großartig war auch der Empfang der Oberwössner. Kurz nach Mittag begann ein großes Fest der Oberwössner Feuerwehr auf der Frei. Ab 15  Uhr war der Festplatz voll, aber immer mehr Leute strömten herbei. Die Band »Kreuz und Quer« sorgte für gute Stimmung, Moderator und Stadionsprecher Kai Friedrich heizte zusätzlich ein und hatte Kontakt zu den Radlern auf der Strecke. Als sich am Sonntagabend nach 20 Uhr die Ankunft abzeichnete, bildeten die Oberwössner ein dichtes Spalier auf der Hauptstraße bis zum Zieltor. Dort fielen sich dann um 20.36 Uhr Radler und ihre Angehörige in die Arme. Etwas müde, die Gesichter gezeichnet von der Anstrengung und vom Straßenstaub, griffen die Radler glücklich und stolz zum ersten Bier.

»Gut ging es«, so Fred Bichler. Mit 62 Jahren war er der Älteste im Feld. Das Empfinden vieler Radler beschrieb Helmut Eibelsgruber in einem Satz. »Es war eine Tortur, aber ein großartiges Erlebnis.« »Die ersten acht, achteinhalb Stunden mit dem Regen und den niedrigen Temperaturen im Vogtland gingen echt an die Substanz«, sah es Andreas Rotunno. Da habe aber viel die Harmonie in der Gruppe geholfen. »Bei gutem Wetter am Morgen ging es dann besser.« »Der Regen gehört eben auch zu einem solchen Erlebnis«, sah es Peter Scherrer. »Bei schönem Wetter kann das jeder.«

Gewinner neben den Radlern sind insgesamt sieben wohltätige Organisationen, die sich um benachteiligte Kinder kümmern, darunter die Balu Kinderkrebshilfe im Landkreis Altötting, eine Initiative für Kinder mit dem Down Syndrom, eine Altöttinger Elterninitiative und die Sternstunden. Sie hatten auf dem Oberwössner Fest Stände aufgebaut und informierten Interessierte. lukk