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Sanierung ist vom Tisch: Altenheim in Bischofswiesen wird komplett neu gebaut – Begeisterung bei Bewohnern und Mitarbeitern

6 Millionen Euro für die Felicitas

Bischofswiesen – Lange Zeit war nicht sicher, wie es im Altenheim St. Felicitas in Stanggaß weitergehen würde. Das in die Jahre gekommene Haus stand vor einer grundlegenden Veränderung. Wegen fehlender Wirtschaftlichkeit wurde sogar eine Schließung nicht ausgeschlossen. Jetzt kommt alles anders: Das Altenheim wird von Grund auf neu gebaut. Für eine Millionensumme.

Freut sich auf den Neubau: Die langjährige Felicitas-Bewohnerin Erika Sachsenröder. (Fotos: Archiv/Pfeiffer)
Der Neubau ist sicher, die Sanierung ist vom Tisch. Das Altenheim St. Felicitas wird von Grund auf neu geplant.

Die Nachricht, die in einer offiziellen Pressemitteilung am Dienstagmorgen versendet wurde, kam überraschend: »Für das Caritas-Altenheim St. Felicitas wird ein Neubau errichtet. Für eine zeitgemäße stationäre Betreuung und Pflege« brauche man andere bauliche Rahmenbedingungen, so die Pressemitteilung. Diese ließen sich mit einem Neubau besser realisieren.

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Das war insofern eine Überraschung, als bislang nur bekannt war, dass die Einrichtung umgebaut werden sollte. Dem vorausgegangen war, dass die Caritas im März vergangenen Jahres darüber informiert hatte, dass eine stationäre Pflegeeinrichtung dauerhaft nicht zu halten sei. Offiziell hieß es, der Diözesan-Caritasverband München und Freising prüfe, ob das Altenheim in der Stanggaß »in eine neue innovative Form der Altenhilfe übergeleitet werden kann«. Der Plan beinhaltete unter anderem Folgendes: Das Konzept sah einen Umbau und die Sanierung eines Teils des jetzigen Altenheims in Appartements für betreutes Wohnen mit etwa 30 Wohneinheiten vor. Gleichzeitig plante man, im Haus eine ambulante Pflege »für Bewohner wie auch für Patienten im gesamten Berchtesgadener Kessel«.

Unter den Bewohnern machten sich Sorgen breit, zahlreiche zogen aus, suchten sich neue Wohnheime. Ein ähnliches Bild auf Mitarbeiterseite. Mehrere Kündigungen gingen beim Diözesan-Caritasverband München und Freising ein, die Enttäuschung unter Bewohnern und Mitarbeitern war groß, bis im Mai schließlich klar war, dass die Einrichtung definitiv nicht schließen werde.

Die Phase der Unsicherheit

Obwohl die Wirtschaftlichkeit mehrfach infrage gestellt worden war. So hieß es etwa, dass die Felicitas nur dann wirtschaftlich arbeiten könne, wenn man mindestens 90 Bewohner beherberge. Allerdings wohnten zu Hochzeiten nur 60 Bewohner in der Stanggaß.

Zwischenzeitlich hätten Prüfungen ergeben, so heißt es in der Pressemitteilung, »dass die Kosten für eine Renovierung des jetzigen Gebäudes so hoch wären wie die Kosten für einen Neubau«. Daraufhin traf der Caritasvorstand die Entscheidung, einen Neubau zu erstellen, und gab dazu den Planungsauftrag.

In der Gemeinde Bischofswiesen weiß man offiziell noch nichts vom Caritas-Vorhaben. Dennoch sei man grundsätzlich sehr daran interessiert, die Einrichtung am Leben zu erhalten, sagte der Geschäftsführer der Gemeinde, Rupert Walch, auf Anfrage.

Nach ersten Überlegungen soll der von der Caritas geplante Neubau auf dem Südteil des 14 000 Quadratmeter großen Grundstücks entstehen. »Wir wollen einen Neubau errichten, sodass die jetzigen Bewohner des Altenheims nur umziehen müssen«, erklärt die Geschäftsführerin der Caritas-Altenheime, Doris Schneider, in der Pressemitteilung. Geplant werde ein Haus mit etwa 40 Pflegeplätzen. Das ist von den einstmals angesprochenen 90 Altenheim-Plätzen weit entfernt. Das entspreche aber langfristig dem Bedarf in der Region, heißt es weiter in der Mitteilung. Die bereits bestehenden Angebote der Tagespflege, der Kurzzeitpflege und der ambulanten Pflege würden zudem in das Konzept integriert.

Tagespflege gut angenommen

Die Tagespflege, die seit einigen Monaten zum Angebot des Altenheims St. Felicitas gehört, werde gut angenommen und solle bereits jetzt weiter ausgebaut werden. Senioren, die noch zu Hause leben und in der Regel von Angehörigen versorgt und gepflegt werden, können bis zu einen Tag pro Woche in den Wohngruppen des Altenheims verbringen. Sie nehmen am Programm teil und erhalten dort Pflege und Betreuung.

Die Nachricht über den Neubau des Altenheims erreichte die Mitarbeiter erst auf Nachfrage. Die Begeisterung ist groß. Auch Erika Sachsenröder, die seit vielen Jahren in der Felicitas lebt, freut sich, dass die Zukunft der Einrichtung gesichert scheint. »Das ist ein vorgezogenes, wunderbares Weihnachtsgeschenk«, so die Reaktion, nachdem sie vom Neubau erfahren hatte.

Wann das Altenheim neu gebaut wird, steht aktuell noch nicht fest. »Wir befinden uns jetzt in einer neuen Planungsphase, so heißt es aus der Pressestelle des Caritas-Verbands. Natürlich wolle man den Plan zeitnah realisieren, allerdings gelte es nun, die Behörden zu informieren. Ein Architektenbüro sei bereits gefunden worden. Rund 6 Millionen Euro stünden zur Verfügung, teilte der Diözesan-Caritasverband München und Freising mit. Über die Nutzung der bestehenden Gebäude oder deren Rückbau werde zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. Aktuell werde der aus dem Jahr 1976 stammende ältere Gebäudeteil für »die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen genutzt.« Kilian Pfeiffer