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63. Berlinale zeigt deutschen Film «Gold»

Berlin (dpa) - Ein Western aus Deutschland im Berlinale-Wettbewerb: Mit Thomas Arslans «Gold» startete am Samstag der einzige einheimische Film ins Rennen um den Goldenen Bären. Festival-Stammgast Nina Hoss («Barbara», «Yella») steigt darin als deutsche Auswanderin Emily aufs Pferd, um ans vermeintliche Ziel ihrer Träume zu kommen.

Berlinale 2013
Eins der Highlights auf der diesjährigen Berlinale wird «Gold» von Thomas Arslan sein. Foto: Marc Tirl Foto: dpa

Beim Goldrausch am kanadischen Klondike-River will sie im Jahr 1898 ihr Stück vom Glück abbekommen. Der Weg durch Kanadas unerforschte Wildnis bis zum Fluss ist weit und gefährlich. Doch Emily hat nichts zu verlieren und alles zu gewinnen.

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Es ist ein ungewöhnliches Filmprojekt mit ungewöhnlich herausragenden Darstellern - neben Nina Hoss ist da vor allem Peter Kurth zu nennen - als zwielichtiger Anführer der Goldsuchergruppe, der sich Emily angeschlossen hat. Aber auch Uwe Bohm als windiger Journalist, der die abenteuerliche Reise des Trupps dokumentieren will. Arslans Geschichte ist fiktiv, doch der deutsch-türkische Regisseur («Im Schatten», «Ferien») recherchierte fast ein Jahr lang für seine Geschichte über deutsche Auswanderer in Nordamerika und den Goldrausch am Klondike, dem damals Hunderttausende erlagen.

«Ich fand es sehr spannend, Deutsche einmal nicht als Von-der-Migration-Betroffene, sondern als Migranten zu zeigen», sagte Arslan. «Denn das waren keine Einzelfälle. In dem Zeitraum von etwa 1830 bis 1900 sind an die sechs Millionen Deutsche in die USA ausgewandert. Das war lange Zeit die größte Auswanderergruppe in die USA. Mich hat interessiert, so einmal einen anderen Blick auf die deutsche Geschichte zu werfen.» Es sei erstaunlich, wie wenig präsent diese historische Tatsache sei.

Arslan erzählt seine dramatische Story in einem zurückhaltenden, lakonischen, manchmal fast dokumentarischen Stil. Ihre erbärmlichen Lebensumstände in der neuen Heimat USA haben die deutschen Einwanderer hinter sich gelassen, um im benachbarten Kanada das Schicksal herauszufordern. Mit einem Planwagen, Pferden und weiteren, als Lastenträgern eingesetzten Tieren sind die Abenteurer auf ihrer kräftezehrende Reise unterwegs - doch ihrem Ziel scheinen sie auch nach endlosen Tagen und Nächten, nach tragischen Unfällen und folgenschweren Streitereien keine Meile näher zu kommen. Manche geben auf, einer wird wahnsinnig, ein anderer als Verräter überführt und fast gelyncht. Doch Emily gibt nicht auf. Das Ende ist offen.

Beim Lesen alter Tagebücher fiel Arslan auf, dass sich damals tatsächlich auch Frauen ganz allein auf den Weg gemacht haben oder sich einer Gruppe angeschlossen haben, um ihr erstickendes Leben hinter sich zu lassen. «Das war eine Möglichkeit, aus allem auszubrechen, was man vorher als erdrückend empfunden hat.» Im Film bleiben bei aller Konzentration auf Authentizität manchmal die großen Kino-Emotionen etwas auf der Strecke - so richtig leidet der Zuschauer mit den Figuren nicht mit, er bleibt eher interessierter Beobachter des Geschehens.

Die Dreharbeiten mit den Pferden in der kanadischen Weite waren eine Herausforderung, wie Arslan erzählte. «Die Schauspieler mussten auch viel physische Arbeit leisten, was auf gewisse Weise auch gut war. Denn so war gar nicht so viel innerliche Versenkung in die Rolle notwendig, sondern das waren für sie - und für mich auch - physisch sehr anstrengende Dreharbeiten: den ganzen Tag auf dem Pferd sitzen und an Orten zu drehen, die teilweise sehr schwer zu erreichen waren. Das war eine ziemliche körperliche Anstrengung; passte aber auch zu der Geschichte.»

Während Arslan zum ersten Mal einen Film im Berlinale-Wettbewerb zeigte, ist Hoss dort schon fast zu Hause. Sie erhielt 2007 einen Silbernen Bären als beste Schauspielerin für ihre Rolle in Christian Petzolds Drama «Yella». Vor zwei Jahren saß Hoss in der Berlinale-Jury, die über die Gewinner der Bären entscheidet.

Um den Goldenen und die Silbernen Bären konkurrieren dieses Mal 19 Filme aus aller Welt, darunter viele aus Osteuropa sowie aus den USA, Frankreich, Chile, Südkorea und dem Iran. Insgesamt zeigen die Internationalen Filmfestspiele Berlin bis zum 17. Februar mehr als 400 Filme.

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