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«7 Tage in Entebbe»: Daniel Brühl als Flugzeugentführer

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«7 Tage in Entebbe»
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Daniel Brühl spielt einen Entführer in «7 Tage in Entebbe». Foto: Gerald Matzka Foto: dpa

Mehr als 40 Jahre ist es nun her. Ein Jahr vor der Landshut-Entführung bringen Terroristen, darunter auch zwei Deutsche, ein Flugzeug in ihre Gewalt. Viele Geiseln kommen aus Israel. Ein neuer Kinofilm beleuchtet die dramatische, schier endlose Woche.


Berlin (dpa) - Sommer 1976: Palästinensische und deutsche Terroristen entführen einen Air-France-Flug und halten die Welt tagelang in Atem.

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Entebbe in Uganda wird schließlich Schauplatz der Geiselbefreiung durch israelische Spezialkräfte und brennt sich ins kollektive Gedächtnis ein, noch ehe im Jahr darauf die Entführung der Lufthansa-Maschine «Landshut» Deutschland und die Welt schockiert.

«7 Tage in Entebbe» mit Daniel Brühl und Rosamund Pike (beide 39) erzählt den dramatischen Verlauf der Entführung, die fieberhafte Suche des Krisenstabs in Israel nach Lösungen und das Ende in Uganda, dessen diktatorischer Herrscher Idi Amin als pro-palästinensisch galt.

Es ist auch eine deutsche Geschichte, die erzählt wird. Und es sind andere Zeiten, in denen sie spielt: In den Abflughallen und eigentlich überall darf noch geraucht werden, die Menschen tragen riesige Brillen und speckige Lederjacken.

Die beiden deutschen Entführer, Mitglieder der linksextremistischen Revolutionären Zellen, und zwei Angehörige der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) bringen die Maschine, die sich auf dem Weg von Tel Aviv nach Paris befand, nach einem Zwischenstopp in Athen in ihre Gewalt. Über Libyen entführen sie die Maschine schließlich nach Entebbe im afrikanischen Staat Uganda.

Ihre Forderung: Sie wollen palästinensische Häftlinge und Sympathisanten aus Gefängnissen in Israel und anderen Ländern freipressen. «Wir sind Menschenfreunde», sagt der deutsche Entführer Wilfried Böse im Film, gespielt von Brühl, während er und seine Komplizen die Passagiere, darunter Dutzende Menschen aus Israel, in Schach halten.

Das ist natürlich zynisch angesichts der Gefühlskälte, Berechnung und Gewaltbereitschaft, die sie an den Tag legen. Und steht in krassem Gegensatz zu Schilderungen einstiger Geiseln, denen gerade Böse und die von Rosamund Pike gespielte Brigitte Kuhlmann in fürchterlicher Erinnerung geblieben sind. Doch der brasilianische Regisseur José Padilha schlägt sich auf keine Seite und wagt auch bei den Terroristen einen weitergehenden Blick, woran die beiden Hauptdarsteller einen großen Anteil haben. Stellenweise wirkt der Film aber überladen und will mitunter zu viel.

Padilha, der 2008 mit seinem Polizeithriller «Tropa de Elite» bei der Berlinale gewann, erzählt die Ereignisse der dramatischen Woche, inspiriert von wahren Begebenheiten, auf verschiedenen Ebenen. So sind die Zuschauer sowohl bei der Entführung als auch bei Sitzungen des Krisenstabs dabei. Immer wieder eingestreute Rückblenden zeigen die Vorgeschichte der Geiselnahme, die bis nach Frankfurt zurückreicht.

Padilha widmet sich auch der perfiden «Selektion» israelischer und jüdischer Passagiere im heruntergekommenen Terminal von Entebbe, die damals böse Erinnerungen an das NS-Regime weckte. Die Geiseln wurden von den übrigen Passagieren getrennt und mussten sich in einem anderen Raum aufhalten. Nicht-jüdische Geiseln wurden freigelassen.

Auf diese fürchterliche Entwicklung muss Israels Regierung reagieren. Die Namen der damaligen Protagonisten sind vertraut: Regierungschef zu dieser Zeit ist der 1995 bei einem Anschlag ermordete Izchak Rabin (Lior Ashkenazi), sein Verteidigungsminister der spätere Staatspräsident Schimon Peres (Eddie Marsan).

Dem Ringen der beiden Politiker räumt Padilha großen Raum ein. Die Verantwortung lastet bleischwer auf ihren Schultern - die übervollen Aschenbecher zeugen davon. «Diese sieben Tage im Jahr 1976 werfen ein Licht auf viele Themen, die uns auch heute noch beschäftigen», sagt Padilha laut einem Statement des Verleihs.

In dem Film, der auf der Berlinale im Februar Weltpremiere feierte, setzt der Regisseur auf den Faktor Spannung, etwa wenn es darum geht, die Befreiungsaktion durch die israelischen Spezialkräfte darzustellen. Auch hier taucht ein Name auf, der in die Gegenwart zeigt: Joni Netanjahu, der Bruder des heutigen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, war Kommandeur der in Entebbe eingesetzten Elite-Einheit und kam bei dem Einsatz ums Leben.

Bei der Aktion wurden außerdem alle Entführer, drei der mehr als 100 verbliebenen Geiseln und 20 ugandische Soldaten getötet. Die Umstände des Todes seines Bruders hatten einen tiefen Einfluss auf Netanjahus Weltsicht und überzeugten ihn, Politiker zu werden.

- 7 Tage in Entebbe, USA/Großbritannien 2018, 107 Min., FSK o.A., von Regisseur José Padilha, mit Daniel Brühl, Rosamund Pike.

7 Tage in Entebbe