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Der Wehrturm in Hallthurm ist das älteste Gebäude im Landkreis

800 Jahre auf dem Buckel

Bischofswiesen – Der Hallthurm in Bischofswiesen gilt als ältestes Gebäude im Landkreis. Bei einer Baualtersbestimmung Anfang 2013 konnte das Alter des Wehrturms nicht festgestellt werden. Ende 2013 wurde der Wehrturm ein zweites Mal untersucht. Die verblüffenden Ergebnisse liegen dem »Berchtesgadener Anzeiger« nun vor.

1238: Holzproben haben ergeben, dass der Turm knapp 800 Jahre alt ist. Er könnte aber deutlich älter sein. Nur ist das bislang nicht wissenschaftlich belegt. Foto: Repro/Pfeiffer

Anfang letzten Jahres hatte das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, Stabstelle Bauforschung, den Auftrag erteilt, den Hallthurm untersuchen zu lassen, weil der Turm nach Wunsch des derzeitigen Eigentümers wieder genutzt werden soll. Beauftragt wurde ein Büro für Dendrochronologie und Baudenkmalpflege aus Planegg bei München. Dendrochronologie ist eine Datierungsmethode, bei der Jahresringe von Bäumen aufgrund »der unterschiedlichen Breite einer bestimmten Wachstumszeit zugeordnet werden.« So sind etwa Jahresringe dann breiter, wenn die Wachstumsbedingungen gut waren. Waren die Klimabedingungen schlecht, ist auch der Baum weniger gewachsen, die Ringe stehen enger zusammen.

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19 Proben entnommen

19 Proben hatten die Experten aus den Stockwerken des Wehrturms entnommen. So wurden unter anderen Deckenbalken beprobt, Mauerlatten, weiterhin mehrere Bohlen. »Die Holzartenbestimmung ergab das Vorliegen von drei verschiedenen Nadelholzarten.« So sind etwa alle beprobten Dachhölzer Fichten, die Fußbodenbohlen stammen aus Tannenholz, alle Deckenbalken bestehen aus Lärche.

»Die Probenhölzer haben mit wenigen Ausnahmen relativ viele Jahrringe«, heißt es im dendrochronologischen Bericht. Die Analyse der Hölzer sei »äußerst schwierig« gewesen, da es sich um »sehr heterogenes Material handelt«, das aus unterschiedlichen Waldbeständen und Einschlagorten kommt.

Sichtbare Unregelmäßigkeiten

So zeigen dann auch die Fichten und Lärchen »verschiedene, teils erheblich voneinander abweichende Wuchs-Charakteristiken mit sichtbaren Unregelmäßigkeiten bis hin zu mutmaßlichen Jahrringausfällen«, was während der Analyse eine sichere Datierung teils unmöglich machte.

Sicher datiert werden konnten schließlich nur die Proben der Tannenholzbohlen. Diese stammen aus den Jahren 1230, 1231, 1235 und 1238. Die Fichtenholzproben aus dem Dachwerk bleiben weiterhin undatiert. Die Hölzer seien besonders heterogen »in ihren Wuchsmustern.« Dadurch wird die Altersbestimmung deutlich erschwert, in diesem Fall unmöglich.

Interessante Befunde machten die Experten auch mit den Lärchenholzproben: »Die sechs vorliegenden Jahrringserien ließen sich zu einer Mittelkurve vereinigen.« Allerdings sei auch hier eine Datierung nicht möglich: »Eine Erklärung dafür könnte sein, dass die Hölzer nicht aus Hochlagen, sondern von tiefer gelegenen Wuchsstandorten sind.«

Die historische Dokumentation, die von einem Bauforscher aus Weiden in der Oberpfalz durchgeführt wurde, zeigt, dass »der Turm zu großen Teilen aus der ursprünglichen, ersten Bauphase« besteht, dieser zwar nachträglich teilweise verändert wurde, aber keine Befunde darüber existieren, dass es einen Vorgängerbau gab.

Bauseits konnte bislang »kein gesicherter Hinweis auf das Baudatum aufgedeckt werden.« Weder Bautechnik noch verwendete Werkzeuge gäben ausreichend gesicherte Anhaltspunkte für eine Baualterseinschätzung. Lediglich mithilfe der dendrochronologischen Untersuchung konnten zumindest vier Jahreszahlen ermittelt werden, die restlichen Holzproben ließen dies aber nicht zu.

Somit bilden die Holzproben das Ausgangsdatum für die Errichtung des Turmes. Die in der Literatur überlieferte Bauzeit wird mit »erstes Viertel des 12. Jahrhunderts«, spätestens »1188« angegeben. Für den Hallthurm könne diese Datierung »auf keinen Fall bestätigt, aber auch nicht fundiert widerlegt werden.«

Trotzdem: Die Deckenbalken – und damit die Errichtung des Turmes – könnten älter sein. Sagen die Experten. Über die Holzproben nachweisen lässt sich dies aktuell aber nicht. Kilian Pfeiffer