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81 Millionen Euro für die Jägerkaserne

Bischofswiesen - Still und leise investierte der Bund in die Jägerkaserne in Bischofswiesen in den letzten vier Jahren 56 Millionen Euro. Weitere 25 Millionen Euro sind geplant: Neben renovierten Unterkunftsgebäuden wurden hohe finanzielle Mittel in Werkshallen, Wirtschaftsgebäude sowie Wärme- und Abwasserversorgung gesteckt. Es ist an der Zeit, die Öffentlichkeit zu informieren. Ein Besuch.

Baudirektor Johann Wagner (l.) und Stabsfeldwebel Alfred Ecker wissen, was in der Jägerkaserne derzeit vonstatten geht. Fotos: Anzeiger/Pfeiffer

Stabsfeldwebel Alfred Ecker empfängt den Besucher freundlich. Ecker ist der Zuständige für Standortangelegenheiten. Er kennt die Kaserne wie kein Zweiter, weiß, wo auf dem Areal mit einer Größe von deutlich über 20 Hektar gebaut wird. In der Tat ist die Jägerkaserne derzeit eine der Großbaustellen im Landkreis. Nur kriegt man das in der Öffentlichkeit nicht so mit, weil man es bei der Bundeswehr bislang versäumt hat, darüber zu informieren. Umso zufriedener zeigt sich nun Ecker: »Es ist an der Zeit, dass die Leute draußen erfahren, was bei uns alles gemacht wird.

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Johann Wagner ist Baudirektor am Staatlichen Bauamt Traunstein. Er ist zuständig für den Großauftrag und nach Bischofswiesen gekommen, um über die baulichen Investitionen zu sprechen. Die Jägerkaserne stammt aus den 30er-Jahren. In einem Hau-ruck-Verfahren hat man diese zu Wehrmachtszeiten von 1936 bis 1938 aus dem Boden gestampft. Ende der 50er-Jahre wurde die Bundeswehr hier stationiert, auch war der Standort teilweise in amerikanischer Hand. »Investiert wurde hier kaum«, weiß Baudirektor Wagner. Die Substanz sei zwar gut, wenn aber über Jahrzehnte keine baulichen Veränderungen stattfinden, sei irgendwann einmal die Zeit gekommen nachzubessern.

Spätestens mit der Bundeswehrreform vor einigen Jahren wurde beschlossen, dass die Standorte in Bischofswiesen und Bad Reichenhall erhalten bleiben. Andere wurden geschlossen. »Es wurde festgelegt, dass die Jägerkaserne in Bischofswiesen grundlegend saniert wird«, so Wagner.

1 400 Soldaten und Soldatinnen sind am Standort zu Hause - inklusive der zwei Fernmeldekompanien, die 2010 aus Ulm nach Bischofswiesen verlegt wurden. Bis 2014 sollen 300 Soldaten wieder wegfallen. Am Ende sind in der Gemeinde dann 1 100 Bundeswehr-Beschäftigte stationiert - im besten Fall für die kommenden Jahre. »So lange, bis die nächste Bundeswehrreform ansteht«, sagt Johann Wagner mit einem Lächeln.

Die Baumaßnahmen in der Jägerkaserne teilen sich in verschiedene Bereiche auf. So gibt es komplette Neubaumaßnahmen wie etwa die Springergebäude, zwei Unterkunftsgebäude mit Wohneinheiten, die zu Überbrückungsmaßnahmen gebaut wurden. »Dort kamen und kommen dann Soldaten rein, wenn die großen Unterkunftsgebäude saniert werden«, weiß Wagner.

Neu gebaut wurde auch das Wirtschaftsgebäude, 4,7 Millionen Euro teuer, ein modern anmutendes, mit vielen Glasflächen versehenes Bauwerk zur Versorgung der Soldaten mit einem Speisesaal auf einer Fläche von 450 Quadratmetern. Über allem schwebt der Bundesadler. Installiert wurde dort eine moderne Großküche für 900 Mahlzeiteinheiten. In zwei Abschnitten können ohne weiteres 1 400 Soldaten mit einer Mahlzeit versorgt werden.

Farbenfroh in verschiedenen Grüntönen gehalten ist das Unterkunftsgebäude für Offiziere und Feldwebel, 2,2 Millionen Euro Investitionskosten, 30 Wohneinheiten, ein Neubau, der so gar nicht in das Areal passt. Stabsfeldwebel Ecker fügt an, dass der Bau in der Vergangenheit des Öfteren in der Diskussion stand - die moderne Architektur konnte sich schließlich aber durchsetzen.

Weitere Neubauten gibt es auch im technischen Bereich bei den Fahrzeughallen: Dort wurde eine Wartungshalle (900 000 Euro) errichtet für den Fuhrpark der Bundeswehr. Eine Schutzhalle (450 000 Euro) ist ebenso entstanden wie ein kleines Verwaltungsgebäude zur Werkshalle (1,1 Millionen Euro).

Die größten Investitionsmaßnahmen flossen in Gebäudeumbauten und Renovierungen. Die Soldaten-Unterkünfte sind mehrere stangenförmige Gebäude, teils über 100 Meter lang. Baudirektor Wagner nennt sie »Stangen«. Viele Millionen sind in die Mannschaftsunterkünfte geflossen, neue Böden wurden verlegt, die Sanitäreinrichtungen erneuert, der Brandschutz auf den aktuellsten Stand gebracht.

Auch für die Zukunft sind weitere Baumaßnahmen angedacht, wenngleich diese zeitlich noch nicht konkretisiert wurden: Aus Vier-Bett-Stuben sollen Zwei-Bett-Stuben werden. »Die Bundeswehr möchte ein moderner, attraktiver Arbeitgeber werden«, so Wagner. Stabsfeldwebel Ecker fügt an, dass man es auf dem freien Markt nicht immer leicht habe, ausreichend Nachwuchs zu bekommen.

15 000 Kubikmeter Altlasten wurden aus einer ehemals als Bunkeranlage angedachten Mülldeponie entfernt und auf Sonderdeponien entsorgt. Fünf Millionen Euro flossen alleine in die Wärmeversorgung. Denn die gesamte Jägerkaserne hängt am Netz des Biomasseheizkraftwerks in Schönau am Königssee. Derzeit wird die Abwasserversorgung neu gemacht, was weitere fünf Millionen Euro verschlingt. Geplant ist ebenso eine 12 Millionen Euro teure Schießhalle am Silberg - »zur Lärmreduzierung«, so Ecker.

Der Exerzierplatz mitten auf dem Bundeswehr-Gelände sei asphaltiert, zahlreiche Müllhäuschen auf dem Gelände verteilt aufgestellt worden.

Geplant sei unter Umständen auch eine neue Turnhalle beim Sportplatz. Die aktuelle dürfe bei einer bestimmten Schneelast nicht mehr benutzt werden. Außerdem sei sie in die Jahre gekommen. Abschließend darüber entschieden wurde aber noch nicht. Die bisher umgesetzten Arbeiten mit einem Gesamtvolumen von 56 Millionen Euro seien zu drei Viertel an einheimische Firmen vergeben worden. 25 Millionen Euro - so hoch ist die Summe, die in den nächsten Jahren investiert werden muss. Bis spätestens 2015 sollen alle Maßnahmen abgeschlossen sein. Kilian Pfeiffer