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88.000 Euro aus 850 Kilo schwerem Kehlstein-Tresor gestohlen

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Foto: Daniel Maurer/dpa

Schönau am Königssee – Der Tresor im Kassenraum der RVO-Kehlsteinbetriebe am Obersalzberg wiegt 850 Kilogramm. Es braucht mehr als einen Mann, um den von der Wand zu wuchten, umzuwerfen und dann die schwächere Rückseite aufzuflexen. So geschehen am 27. oder 28. Juli 2016 in Hintereck 1, Berchtesgaden. Die Beute betrug hier 88.000 Euro, der Schaden weitere 4000 Euro.


Mindestens fünf Albaner reisten professionell ausgerüstet zwischen 2011 und 2016 durch Deutschland und Österreich. Ihre Ziele: Hotels, Liftstationen Restaurants und vieles mehr. Wegen zweier Taten im südlichen Landkreis Berchtesgadener Land verurteilte das Schöffengericht in Laufen den Haupttäter nun zu weiteren zwei Jahren Haft.

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In Österreich war der heute 42-jährige Familienvater vom Landgericht Innsbruck zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt worden. Dort lagen dem Mann und seiner Bande rund 40 Taten zur Last. Nach Aufbrüchen in Altenmarkt hatte die österreichische Polizei die Bande kurz vor ihrer Ausreise geschnappt.

Nach Verbüßung der Zwei-Drittel-Strafe hatte die Alpenrepublik den Angeklagten an Deutschland ausgeliefert, wo er seit 28. August 2019 in der JVA Bad Reichenhall saß und von dort von zwei Beamten in den großen Sitzungssaal vorgeführt wurde. Eine von Rechtsanwalt Wolfgang Bendler gewünschte »Verständigung« zwischen den Verfahrensbeteiligten gab es trotz langer Sitzungsunterbrechung nicht. Zu weit auseinander lagen die Vorstellungen über das Strafmaß.

Eine weitere Tat hatte es am 25. August 2016 gegeben. Die Täter waren in die Büroräume der Jennerbahn in Schönau am Königssee eingedrungen. Dort erbeuteten sie insgesamt rund 3250 Euro und richteten einen Schaden in Höhe von 500 Euro an. Weitere angeklagte Einbrüche in ein Schnellrestaurant bei Karlsruhe und in das Hotel »Alpenhof« in Schönau am Königssee ließen sich nicht zweifelsfrei dem Angeklagten zuordnen, sodass die beiden Anklagepunkte eingestellt wurden.

Der 58-jährige Kriminalhauptkommissar der Kripo Traunstein schilderte ausführlich die Ermittlungen und Erkenntnisse. So war bei der Jennerbahn exakt eine Woche vorher schon einmal eingebrochen worden. Als Grund vermutete der Zeuge »Abstimmungsprobleme« innerhalb der Bande, worauf Verteidiger Bendler sogleich intervenierte: »Ich halte es für problematisch, wenn der Polizist denkt.«

Pikant dabei: Vom ersten Einbruch hatte der Tresor bereits ein »Loch« in der Rückwand, sodass sich die Täter beim zweiten Mal nur zu bedienen brauchten. Der Schaden lag bei insgesamt etwa 18.000 Euro. Wenige Tage danach war der Angeklagte nach München gereist, um sich dort einen Jaguar im Wert von 17.000 Euro zu kaufen.

Die Gruppe war mit einem Wohnmobil und einem Pkw Ford unterwegs gewesen. Auf den Campingplätzen – wie in Schönau am Königssee – hatte sich stets eine Frau mit ihrem Personalausweis registrieren lassen. Untersucht und verglichen hatte die DNA-Spuren an den Tatorten und darüber hinaus die Biologin Astrid Wickler aus Ebersberg. Sie schilderte im Gerichtssaal noch einmal ihre Erkenntnisse zu den Fällen.

Wegen schweren Bandendiebstahls in zwei Fällen sowie Sachbeschädigung beantragte Staatsanwältin Mona Peiß eine Freiheitsstrafe von drei Jahren und acht Monaten. Weil diese Strafe mit der vorangegangenen in Österreich gesamtstrafenfähig wäre, mochte Peiß einen »Abschlag« von acht Monaten gewähren, worauf noch genau drei Jahre verblieben.

»Wir haben keine weitere Aufklärungshilfe erfahren«, hielt die Staatsanwältin dem Angeklagten vor, so sei zum Beispiel nichts über den Verbleib der Beute bekannt. »Generalpräventive Gesichtspunkte« erachtete Wolfgang Bendler bereits durch das österreichische Urteil erfüllt. Sein ausführliches Plädoyer über einen fälligen »Härteausgleich« mündete in einem Antrag auf eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten. »Geben Sie ihm bitte eine Perspektive«, bat der Verteidiger das Schöffengericht. Der Angeklagte betonte, er habe unter der Haft doch sehr gelitten und wolle so rasch wie möglich heim zu seiner Familie. »Ich bitte um ein mildes Urteil.«

Das Schöffengericht entschied auf zwei Jahre. »Die Frage einer Bewährung stellt sich nicht«, machte Vorsitzender Richter Martin Forster deutlich. »Die kriminelle Energie ist erheblich«, fasste es Forster zusammen und verwies auf die Rechtsprechung des Oberlandesgerichts München, wonach »reisende Straftäter« entsprechend zu bestrafen seien. Die insgesamt sechs Jahre Haft für den Angeklagten würden aus Sicht des Gerichts der Sache gerecht.

Die beiden beteiligten Frauen waren nach halbjähriger U-Haft in Österreich zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Ein zweiter männlicher Täter zu drei, ein weiterer zu zweieinhalb Jahren. Über deren momentanen Aufenthalt und den Stand bei möglichen Auslieferungsgesuchen mochte Staatsanwältin Mona Peiß keine Angaben machen.

Hannes Höfer

Schreibwaren Miller