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Älteste Pipeline der Welt feiert 400. Geburtstag

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Bei der Präsentation des Festprogramms zum 400-jährigen Bestehen der Soleleitung von Bad Reichenhall nach Traunstein übten sich Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel (vorne) und sein Amtskollege Dr. Herbert Lackner vor der Alten Saline im Deichlbohren mit historischem Gerät. (Foto: Effner)
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Das Bild aus dem Stadtarchiv Traunstein zeigt Salinen- arbeiter in Traunstein um 1900.

Knapp 25 Jahre nach der großen Landesausstellung »Salz Macht Geschichte« steht in Traunstein und Bad Reichenhall heuer erneut das weiße Gold im Zentrum des Interesses. Mit einer ganzen Reihe von Festveranstaltungen, Führungen und touristischen Angeboten wird der 400. Geburtstag der Soleleitung zwischen beiden Städten gefeiert.


Zum Auftakt des Jubliäumsjahrs vollzogen die Oberbürgermeister beider Salzstädte, Dr. Herbert Lackner und sein Traunsteiner Kollege Christian Kegel, nochmals symbolisch den historischen Brückenschlag: Beim gemeinsamen Deichelbohren vor der Alten Saline in Bad Reichenhall hölten sie einen vorbereiteten Fichtenstamm aus.

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Die von dem herzoglichen Hofbaumeister Hanns Reiffenstuel und seinem Sohn Simon gebaute Soleleitung, die erste Pipeline der Welt, war seinerzeit eines der Aufsehen erregendsten Großprojekte. Rund 8400 handgebohrte Holzrohre wurden in dreijähriger Bauzeit verlegt. Sieben Hebewerke mit Wasserpumpen und eigenem Brunnenwart sorgten für die Überwindung von über 250 Metern Höhenunterschiede auf der 32 Kilometer langen Strecke zwischen der reichen Salzstadt am Predigtstuhl und Traunstein.

Dort entstand zwischen 1618 und 1621 eine komplett neue Salinensiedlung mit mächtigem Sudhaus. Am 5. August 1619 floss die erste Sole und brachte damit den Reichtum des damals mit Gold aufgewogenen Salzes in die Stadt an der Traun. Der Grund für diesen Brückenschlag war die Tatsache, dass in Bad Reichenhall zwar 1613 eine neue Solequelle entdeckt worden war, aber die kahlgeschlagenen Salinenwälder nicht mehr zum Befeuern der Siedepfannen ausreichten. Die neue Salinen-Filiale verfügte dagegen noch über reiche Bergwaldvorkommen.

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Das Bild aus dem Stadtarchiv Traunstein zeigt Salinen- arbeiter in Traunstein um 1900.

Bei der Eröffnung des Jubiläumsjahrs erinnerten die Ehrengäste zusammen mit Dr. Brigitte Schlögl vom BGL-Tourismus an die enge wirtschaftliche und soziale Verbundenheit von Traunstein und Bad Reichenhall. Peter Botzleiner-Reber, Fachbereichsleiter Tourismus Bayern bei der Südwestdeutschen Salzwerke AG, hob hervor, dass sich die »weltälteste Binnensaline« in Bad Reichenhall zu einem Tourismusmagnet und »Markenzeichen der deutschen Wirtschaftsgeschichte« entwickelt habe.

Reichenhalls Oberbürgermeister Dr. Herbert Lack-ner erinnerte an eigene Erfahrungen als Gästeführer, während BGL-Landrat Georg Grabner mit dem Spruch »Bier und Salz, Gott erhalt’s« die Brücke zu einem weiteren Jubiläum in der Kurstadt schlug. Dort feiert man heuer das 525. Jubiläum der ältesten Stadtbrauerei Bürgerbräu, die den Durst der Salinenarbeiter und Bürger seit 1494 mit eigenem Reinheitsgebot gelöscht hat.

Traunsteins Landrat Siegfried Walch sah im Bau der Soleleitung den Startschuss für eine »beispiellose wirtschaftliche Entwicklung« über die Landkreisgrenzen. Diese habe Wohlstand gebracht und den Grundstein für weitere Industrieansiedlungen an Traun und Alz gelegt. »Wir sind Bad Reichenhall zu großem Dank verpflichtet«, erklärte Traunsteins Oberbürgermeister Christian Kegel mit Blick auf den Rohstoff für die neue Salinensiedlung in der Au. Diese war bis 1912 in Betrieb.

Eröffnung des Salinenparks im Juli

Der Rathauschef verwies auf zwei große Festveranstaltungen, mit der die Große Kreisstadt heuer das 400. Jubiläum feiert: Am 12. Juli wird der neue Salinenpark im Rahmen der Chiemgauer Kulturtage eröffnet. Hauptattraktionen sind neben dem Apothekergarten der sechs Meter hohe Nachbau der Reiffenstuelpumpe mit Wasserrad sowie eine originale Reichenbachpumpe aus dem 19. Jahrhundert. Am 13. und 14. Juli folgt ein Bürgerfest mit Premiere eines eigens geschriebenen Stücks des Salztheaters, Musikschulkonzerten und Aufführungen.

Als zweiter Teil der Jubiläumsfeierlichkeiten in Traunstein wird am 9. und 10. August ein historischer Samerzug vom Holzknechtmuseum Ruhpolding über Inzell, Hammer und Siegsdorf nach Traunstein ziehen. Am 11. August ist ein großer Festumzug in Traunstein vorgesehen.

Neben den Festveranstaltungen gibt es eine kleine Ausstellung historischer Objekte im sogenannten Albertistock. Ergänzend soll eine virtuelle Flugreise entlang der Soleleitung gezeigt werden. In Traunstein gibt es ab 12. April wieder Führungen mit »Salzmaier« Josef Knott durch die Salinenstadt. Sie sind Teil einer Jubiläumsaktion zum Thema Salz, die die Alte Saline in Bad Reichenhall, das Berchtesgadener Salzbergwerk und das Museum Salz & Moor in Grassau umfasst.

Vinzenzi-Verein feiert auch 400-Jähriges

Aufgrund des hohen Holzbedarfs für den Bau der Soleleitungen und zum Versieden der Sole gibt es einen engen historischen Bezug der frühen Salzindustrie zur Holzwirtschaft im Chiemgau. 1619, im Jahr der Salineneröffnung, gründeten die Holzknechte mit dem Ruhpoldinger Vinzenzi-Verein die frühe Form einer Gewerkschaft. Am 18. Mai feiert der Verein sein 400-jähriges Bestehen mit einem großen Fest am Holzknechtmuseum in Ruhpolding. eff