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Ärger im Skigebiet Götschen: Bitterböse Beleidigungen statt Pisten-Obulus

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Ärger im Skigebiet Götschen: Bitterböse Beleidigungen statt Pisten-Obulus | Bischofswiesen
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An Hinweisschildern mangelt es am Skigebiet Götschen nicht. Dennoch gibt es immer wieder Probleme mit uneinsichtigen Tourengehern. (Foto: privat)

Bischofswiesen – Orte, an denen viele Menschen zusammenkommen, bergen Konfliktpotenzial. Das kann ein Verkehrsknotenpunkt sein oder aber auch die Skipiste. Seit Jahren haben die heimischen Skigebiete immer wieder Probleme mit Pisten-Nutzern, die sich nicht an die vorgeschriebenen Regeln halten.


So auch das Team der Götschen Skilifte. Katharina Walch berichtet dem »Berchtesgadener Anzeiger« von mehreren Fällen, in denen Skitourengeher für Ärger sorgten. Walch ist zuständig für das Marketing der Götschen Skilifte und Tochter von Chef Bernhard Heitauer. So wurden unter anderem böse Briefe in der Kasse hinterlassen, die eigentlich für eine freiwillige Spende für die Pistennutzung aufgestellt wurde.

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Katharina Walch betont im Gespräch mit der Lokalzeitung, dass es sich bei den erwähnten Skitourengehern nur um eine »Minderheit« handle. »Trotzdem machen die das ganze Miteinander kaputt«, bedauert die Marketing-Beauftragte.

Aber wo liegt das Problem? »Es geht um das Benehmen«, fasst Walch die Sachlage zusammen. So habe sie erst kürzlich selbst eine unschöne Erfahrung am Götschen gemacht. »Ich war selbst oben, und habe einen Skitourengeher entdeckt, der seinen Hund auf die Piste mitgenommen hat.«

Hinweise online und auf Schildern deutlich lesbar

Als die Bischofswieserin den Mann darauf ansprach, dass dies nicht erlaubt sei, kam die flapsige Antwort: »Wer sagt das und wie kommen Sie dazu, mich anzureden?« Walch entgegnete mit einem Verweis auf die FIS-Regeln und auf die vielen Hinweise auf der Internetseite der Götschen Skilifte, auf einigen Schildern an der Piste und vor der Talstation.

Das Argument des Tourengehers: »Ich hab ihn eh an der Leine. Und ins Auto tu ich ihn jetzt nicht.« Daraufhin ging dieser einfach weiter, erzählt Katharina Walch. Derjenige sei in einer Gruppe von drei oder vier Personen unterwegs gewesen. »Wenige Meter später ließen sie das Tier von der Leine und querten danach mehrmals die Piste«, schildert Walch ihre Beobachtung und fügt hinzu: »Unverschämt und uneinsichtig.« Man sollte sich schließlich vor einer Tour über die Regeln informieren, wenn man so etwas plant, betont die Mitarbeiterin. Auch ihr Vater, Götschen-Chef Bernhard Heitauer, sprach die Gruppe etwas später an diesem Tag auf deren Fehlverhalten an und bekam nur eine »schnippische, böse Antwort«.

Ein anderes Problem: Manche Tourengeher parken auf Rettungs- und Fluchtwegen. Woher wissen nun die Mitarbeiter, dass es Tourengeher und nicht etwa normale Ski- oder Snowboardfahrer sind? »Wir beobachten die Lage ja und sehen, welche Art von Ski mitgeführt werden«, erklärt Katharina Walch.

Hunde vor schlimmen Unfällen beschützen

Zum Thema Hund auf der Piste weiß die Marketing-Beauftrage noch eine andere Geschichte zu berichten: »Kürzlich habe ich schon am Parkplatz einen Tourengeher angesprochen, der auch seinen Hund mitnehmen wollte. Er sagte, ach, da passiert schon nichts.« Walch erzählte ihm von einem Unfall, der vor ein paar Jahren am Götschen passiert ist. Ein Hund lief auf der Piste, ein Skifahrer konnte ihm nicht mehr ausweichen und fuhr dem Tier die Füße ab. »Und wer ist dann schuld?«, so Katharina Walch. »Ich hab noch gesagt: Ist ja um den Hund auch schade.« Daraufhin zeigte sich der Tourengeher am Parkplatz einsichtig und ließ seinen Hund im Auto sitzen.

Die Menschen würden manchmal vergessen, dass es immer noch eine Skiabfahrt ist und keine Aufstiegsroute. »Auch das Nebeneinandergehen – teils sind es drei oder vier – ist verboten.« Dass jemand nichts von den Regeln weiß – diese Ausrede zählt nicht. Mittlerweile stehen an einigen Stellen im ganzen Skigebiet Hinweisschilder. Auch unten im Tal, wo die Abfahrt endet und Tourengeher aufsteigen, wird informiert.

Auch, wenn es nur wenige sind, die Ärger machen: »Das ganze Miteinander funktioniert so nicht«, kritisiert Katharina Walch. Was viele Skitourengeher nicht verstehen würden: »Ihr werdet hier geduldet.« Denn die Piste sei hauptsächlich für Skifahrer da. Diese seien auch nicht immer nur Profis, umso gefährlicher ist es für alle Beteiligten, wenn Tourengeher etwa die Piste queren. Zu einem besseren Miteinander gehöre auch, dass man sich nicht so aggressiv verhalte, sondern vernünftig miteinander rede.

Böser Brief mit Beleidigung »Ihr Grattler«

Im Jahr 2018 hat das Team der Götschen Skilifte eine Skitourenkasse aufgestellt, an der Besucher auf freiwilliger Basis für die Nutzung von Parkplatz und Piste bezahlen können. Wird diese auch genutzt? »Nein«, lautet die klare und schnelle Antwort seitens der Bischofswieserin. »Im Gegenteil. Wir haben da schon bitterböse Briefe rausgezogen.« Darin standen laut Walch Beleidigungen wie etwa: »Ihr Grattler.«

Auf die Frage, warum sie kein Geld einwerfen, antworteten manche: »Wieso sollten wir?« Die Mitarbeiter nennen daraufhin als Gründe die Räumung des Parkplatzes, die Arbeitsstunden des Personals, die Präparierung der Pisten und die Herstellung des Kunstschnees. Letzteres verbrauche zum Beispiel Strom und Wasser. Auch das Wegräumen der Hinterlassenschaften gehört mit auf die Liste. »Vor allem oben am Gipfel liegt immer viel Müll«, weiß Walch.

Da das Problem mit uneinsichtigen Skitourengehern nicht nur Familie Heitauer am Götschen Kopfzerbrechen bereitet, sondern auch den Verantwortlichen der anderen Skigebiete im Berchtesgadener Talkessel, soll es in den kommenden Tagen ein Treffen aller Beteiligten geben. Die Mitglieder des »Seilbahnverbunds Berchtesgadener Tal« wollen laut Katharina Walch gemeinsam eine Lösung finden, die »rechtskonform ist«. Denn die Piste für Tourengeher zu sperren, oder mit einer Schranke zu versehen, ist rechtlich nicht zulässig. Walch nennt den Grund: »Eine präparierte Piste gehört zur freien Natur und es steht jedem zu, diese zu betreten.«

Skiliftbetreiber wollen gemeinsame Lösung

Erst vor wenigen Tagen hat sich ein Zwischenfall im Skigebiet Rangger Köpfl in Tirol ereignet: Ein Skitourengeher griff einen Pistenraupenfahrer an, der ihn auf eine Gefahr aufmerksam machen wollte. Denn nachts ist die Piste gesperrt, da sie mit schwerem Gerät präpariert wird und dazu ein Stahlseil gespannt werden muss. Katharina Walch kommentiert das aggressive Vorgehen: »So weit lassen wir es nicht kommen.« Wie die konkrete Lösung für die Skigebietsbetreiber in Berchtesgaden letztlich aussieht, um auch weiterhin ein Miteinander von Tourengehern und anderen Pistennutzern zu ermöglichen, ist noch nicht bekannt.

Wie anfangs von Katharina Walch betont, seien die »schwierigen« Skitourengeher zwar in der Minderheit. »Aber es werden irgendwie immer mehr.«

Annabelle Voss