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Ästhetisches Wohlbefinden und Anregung zur Reflexion

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Erst vor kurzem ist das Bild »Tanzen und Freude« entstanden.

Von gegenständlich humorvollen Bildern wie »Ja, wer bist denn du?« über das Darstellen der Weltreligionen in Zeichensprache bis zu Aktmalerei, Blumenbildern oder stark abstrahierten Gemälden wie »Tanz und Freude« zeigt die Waginger Malerin Christine Hötzendorfer eine neue Ausstellung in der Schlossökonomie Grabenstätt.


Die knapp 40 Werke unter dem Titel »Strich und Farbe« sind innerhalb der letzten 30 Jahre entstanden, einige der meist großformatigen Gemälde aber sind auch ganz neu, wie das abstrakte, mit viel Schwung und Harmonie ins Bild gebrachte Acrylbild auf Leinwand »Tanzen und Freude«.

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Christine Hötzendorfer, Jahrgang 1947, ist seit 1996 freischaffend im eigenen Atelier in ihrem Geburtsort Waging am See tätig. Trotz großer Familie, mit heute zwei Töchtern, acht Enkeln und schon einem Urenkel, begann sie vor 30 Jahren zielstrebig, sich in vielen Kursen, zum Beispiel an der Akademie in Bad Reichenhall, weiterzubilden. Zu ihren Lehrern gehörten Walter Angerer der Jüngere, Sigi Braun, Peter Mairinger, der bekannte Münchner Maler Alfred Darda oder der berühmte Karikaturist Rudi Hurzlmeier, von dem immer wieder einige von Hötzendorfers Bildern beeinflusst scheinen. Auch Maler der Kunstakademie Moskau, die als Gäste bei ihr wohnten, waren ihre Lehrer. Von allen nahm schälte sie das für sie Wichtige heraus und verarbeitete es in ihren Bildern. Mit gutem Erfolg offensichtlich, denn bisher hatte Christine Hötzendorfer mehr als 50 Ausstellungen und Verkäufe bis in die USA, auch Dauerausstellungen wie in Kloster Frauenwörth oder bei einem Auftragswerk für Ferienwohnungen am Waginger Kurhaus.

Die Künstlerin zeigt in ihren Werken die schönen Seiten der Welt, wie auch die Titel verraten, zum Beispiel »Mond im Meer« »Eisige Schönheit« oder »Cucina mediterraneo« – zwei Aquarelle italienischen Essens, die einem das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen. Aber weit über ästhetisches Wohlbefinden des Betrachters hinaus regen viele von Hötzendorfers Werken auch stark zum Nachdenken, zur Reflexion über das eigene Leben an.

Dabei setzt sich die bekennende Christin zum Beispiel intensiv mit den Weltreligionen auseinander: Gemeint ist der gleichnamige, zwischen 2013 und 2016 entstandene Zyklus vom Christentum und Judentum zu Buddhismus, Hinduismus und Islam bis zum Atheismus – acht unverkäufliche Bilder, die erstmals (damals nur teilweise fertig) 2014 bei einer Ausstellung in der Kapelle von Schloss Gessenberg gezeigt wurden. In leuchtendem Gelb mit ocker, braun und beige und dem mit Stacheldraht versehenen Kreuz in der Mitte ist die weltweit größte Religion mit etwa 2,26 Millionen Gläubigen dargestellt. Ebenso groß im Umfang, aber nahezu ohne Konturen in hellem Beige und einigen Erhebungen im Bild, zeigt sich der Atheismus, im weitesten Sinne die Überzeugung, dass es keinen Gott und keine Götter gibt.

Zu dem Zyklus Weltreligionen hat die Künstlerin Texte zu jedem der Bilder verfasst, die aufliegen und die es sich lohnt zu lesen, um sich meditativ in die verschiedenen Religionen einfühlen zu können.

Bei der durch die Familienmusik Hötzendorfer schön umrahmten Eröffnung der Ausstellung freute sich Grabenstätts erster Bürgermeister Georg Schützinger, so viele Leute, auch aus München und Umgebung, begrüßen zu dürfen. Danach gab der Musiker Dr. Josef Fenninger eine Einführung in die Ausstellung, indem er auf die frappierenden Parallelen zwischen Musik und Kunst hinwies. Zur befreundeten Künstlerin, deren künstlerische Entwicklung Fenninger von Anbeginn verfolgt hat, sagte er: »Du bist auf der Suche nach Identität, deshalb bleibst du nicht stehen. Kunst sei weniger verstehbar, mehr erfahrbar. Sie fordere den Betrachter zur Identifikation oder Konfrontation heraus – also der »Überhöhung menschlichen Daseins«. Er zitierte Hötzendorfer mit den Worten ein »winziger Hauch von Schöpfungsgeschichte, Demut in der Erkenntnis, niemals vollkommen zu sein«.

Die sehenswerte Kunstausstellung dauert bis einschließlich Sonntag 7. April. Öffnungszeiten sind montags bis freitags von 9 bis 12 Uhr, donnerstags von 14 bis 16 Uhr und am letzten Tag, Sonntag, 7. April, von 10 bis 16 Uhr. Christiane Giesen