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Über 50 000 Patienten in den Kliniken Südostbayern

Über 50 000 Patienten sind in den Krankenhäusern der Kliniken Südostbayern AG im vergangenen Jahr stationär behandelt worden, 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch trotz Patienten-Plus ist die Finanzlage angespannt. Sorge bereiten vor allem die steigenden Personalkosten, wie auf der Hauptversammlung in Teisendorf deutlich wurde.

Aufsichtsratsvorsitzender Landrat Hermann Steinmaßl gelangte in seiner Rückschau zu dem Ergebnis, dass man mit der Fusion der Traunsteiner und Berchtesgadener Kreiskliniken zur Kliniken Südostbayern AG die richtige Entscheidung getroffen habe. Der Zusammenschluss befände sich auf einem guten, wenn auch teilweise steinigen Weg. »Wenn auch noch viele Hausaufgaben zu erledigen sind und es mitunter noch Jahre dauern wird, bis die Häuser zu einer Einheit verwachsen sein werden, sind die ersten Schritte, die ja bekanntlich die schwierigsten sind, getan«, betonte er.

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Höhere Energiekosten

In den vergangenen Jahren habe sich einiges bewegt, resümierte der Aufsichtsratsvorsitzende. Als Beispiele nannte er die Eröffnung der Geriatrischen Rehabilitation in Berchtesgaden, die Einrichtung der Kardiologie und der »Stroke Unit« in Bad Reichenhall, den Abschluss der Sanierung des Bettenhauses Ost in Traunstein und den Beginn der Sanierung des Funktionsbaus in Trostberg.

Das Patienten-Plus schlug sich auch im Betriebsergebnis nieder. Es stieg von 187 000   Euro im Jahr 2010 um 885 000 Euro auf circa 1,07 Millionen Euro, wie Kliniken-Vorstand Stefan Nowack erklärte. Dafür verschlechterte sich das Jahresergebnis der Aktiengesellschaft von 1,1 Millionen 2011 auf 1,8 Millionen Euro Defizit. Hintergrund ist, dass das Jahresergebnis 2010 von einmaligen positiven Auswirkungen bei der Umsetzung des Bilanzmodernisierungsgesetzes geprägt war. Hauptsächlich durch Zunahme beim Anlagevermögen nahm die Bilanzsumme um 3,5 Millionen Euro auf 240,7 Millionen Euro zu.

Die Leistungserträge wurden von 187,9 Millionen auf 191,6    Millionen Euro erhöht. »Große Sorgen bereiten der Klinik-AG jedoch die steigenden Personalkosten«, so der Vorstand. Sie legten für die rund 3400 Beschäftigten von 127,7   Millionen auf 135,1 Millionen Euro überdurchschnittlich zu. Der Materialaufwand blieb mit 53,8 Millionen Euro in etwa auf dem gleichen Niveau. Kummer bereiten den Kliniken auch die Kosten für Wasser, Energie und Brennstoffe (plus 340 000 Euro), die Prämien für die Haftpflichtversicherungen (plus 605 000 Euro) sowie für Mieten und Leasinggebühren (plus 430 000 Euro).

»Einschnitte« beim Personal

Die Kliniken Südostbayern verfügten 2011 über 1162 Planbetten im Akutbereich sowie über 62 Betten in den Geriatrischen Rehabilitationen Trostberg und Berchtesgaden. Die durchschnittliche Verweildauer wurde in den Akutkrankenhäusern von 6,57 auf 6,22 Tage gesenkt, wogegen sie sich in den Geriatrien von 19,63 auf 20,14 Tage leicht erhöhte. Eine kleine Steigerung konnte der Vorstand auch bei der Ausnutzung der Planbetten vermelden. Die durchschnittliche Jahresauslastung der Akutkrankenhäuser stieg von 74,3 auf 75   Prozent an.

»Wenn ich mir die Entwicklung der Krankenhauslandschaft in Deutschland insgesamt, aber auch unsere Kliniken Südostbayern AG ansehe, so sind die letzten Jahre eher von Schwierigkeiten, insbesondere in finanzieller Hinsicht, geprägt gewesen. Hoffnung auf eine entspannte finanzielle Situation habe ich nicht. Wir werden lernen müssen, mit diesen schwierigen Rahmenbedingungen zu Recht zu kommen«, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Steinmaßl.

Im Herbst habe der Aufsichtsrat bei der Erstellung des Wirtschaftsplans 2012 ein neues Paket zur Stabilisierung und Defizitbegrenzung (SuD-Paket) mit Maßnahmen aufgelegt, die den wirtschaftlichen Erfolg der Kliniken Südostbayern dauerhaft sichern sollen. »Dabei müssen wir sicher von manchen Gewohnheiten Abschied nehmen. Aber es müssen wirklich alle an einem Strang ziehen«, so Steinmaßl. Es gehe dabei auch um das Personal, wo durchaus Einschnitte notwendig seien, aber auch um Pfründe und Eigenheiten mancher Ärzte, die geändert werden müssten. Dazu brauche der Vorstand den Rückhalt des Aufsichtsrats, aber auch der Landkreise mit den Kreisräten und der Betriebsräte, denn es gebe weitere große Herausforderungen für die Zukunft, an denen man intensiv zum Wohle der Bürger in den beiden Landkreisen arbeiten müsse.

Strategische Ausrichtung

Gemäß der Aktionärsvereinbarung ist die Amtszeit des Aufsichtsratsvorsitzenden Steinmaßl abgelaufen, er tauscht die Aufgabe mit dem Stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Landrat Georg Grabner. »Hermann Steinmaßl hat die Geschicke der Kliniken Südostbayern AG in ihrer Aufbauphase geleitet. Es war sicherlich keine einfache Aufgabe, die fünf Kliniken zu-sammenzuführen und später auch noch das Vinzentinum Ruhpolding einzugliedern«, stellte Grabner fest.

Im Herbst werde sich der Aufsichtsrat ausgiebig mit der strategischen Ausrichtung der Kliniken und der erforderlichen Finanzierung befassen. »Wir können uns nämlich auf Dauer Defizite nicht leisten«, sagte er. Viele Krankenhausträger seien dem Beispiel der Fusion gefolgt. »Wir waren Vorreiter in Bayern«, so Grabner. Bjr