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Über mangelndes Interesse der Bevölkerung enttäuscht

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Im Rahmen des sogenannten Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) soll der Ort Seebruck weiterentwickelt werden. Während der Gemeinderat 100 Prozent hinter einer Dorfentwicklung steht, lässt das Interesse der Bevölkerung, wie in der Gemeinderatssitzung angeklungen, zu wünschen übrig. Mit der jetzt beschlossenen Sanierungssatzung soll der Ort in den nächsten 15 Jahren für die Zukunft fit gemacht werden. (Foto: Rasch)

Seeon-Seebruck – Der Seeon-Seebrucker Gemeinderat segnete die Satzung des Sanierungsgebiets »Seebruck Mitte« einstimmig ab. Bürgermeister Bernd Ruth lobte die Entscheidung ausdrücklich, dass der Gemeinderat zu 100 Prozent hinter der Dorfentwicklung im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (ISEK) stehe. Enttäuscht sei er von der Bevölkerung. Bislang habe es nur Kritik gehagelt, Anerkennung oder Anregungen habe man so gut wie keine verspürt.


Angesichts dessen machte er sich zum Vorwurf, es bei der Weichenstellung des ISEK versäumt zu haben, bei den Bürgern eine Aufbruchsstimmung zu erzeugen. Er stelle sich schon die Frage, ob er alles hingekriegt habe, und müsse sich eingestehen, es nicht geschafft zu haben«, räumte Ruth ein. »Offenbar ist es mir nicht gelungen, die Leute von dem Sanierungsprojekt zu überzeugen.« Damit machte der Bürgermeister seiner Enttäuschung Luft, dass dem Aufschrei einer Handvoll Seebrucker gegen einen neuen Brückenstandort mehr Bedeutung beigemessen worden sei, als dem eigentlichen Projekt, das Dorf zu entwickeln.

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Im Stich gelassen habe er sich auch vom Staatlichen Bauamt gefühlt. Er warf der Behörde fehlende Unterstützung bei der Entwicklung einer neuen Brückentrasse, die ein Teil des Entwicklungskonzepts gewesen wäre, vor. Wie mehrfach berichtet, hatte mitunter auch die heftige Kritik in der Seebrucker Bevölkerung dazu geführt, dass der Gemeinderat einen neuen Brückenstandort nicht mehr weiter verfolgte. Deshalb bleibt die Brücke, für die der Freistaat Bayern, respektive das Staatliche Bauamt als Straßenbaulastträger verantwortlich zeichnet und die ohnehin neu gebaut werden soll, an ihrem angestammten Platz. Die aktuelle Planung des Staatlichen Bauamts sieht nach Angaben des Bürgermeisters eine separate Brücke für den Kfz-Verkehr ohne Tonnage-Beschränkung vor. Die jetzige Alzbrücke, die täglich von 9800 Fahrzeugen frequentiert wird, ist auf 24 Tonnen beschränkt. Die neue Brücke soll nördlich unmittelbar neben der Bestandsbrücke gebaut werden. Dies hätte den Vorteil, dass die jetzige Brücke während der Bauphase befahren werden könnte. Südlich der neuen Fahrzeugbrücke soll eine separate, 5,30 Meter breite Geh- und Radwegbrücke gebaut werden, an deren Kosten sich auch die Gemeinde beteiligen müsste. Hier scheint aber das letzte Wort noch nicht gesprochen zu sein. Der Gemeinde schwebt eine Art Erlebnisbrücke mit einer Breite von sieben bis acht Metern vor.

Nicht nur der Bürgermeister, sondern auch die große Mehrheit des Gemeinderats hätte in dem neuen Brückenstandort eine Chance gesehen, den Ort Seebruck für die nächsten Jahrzehnte voranzubringen. »Die neue Brückentrasse wäre eine Jahrhundertchance für Seebruck gewesen«, sagte Sepp Daxenberger (CSU). Trotzdem müsse aber das ISEK zwingend weitergeführt werden, forderte Daxenberger. Auch er bedauerte das Desinteresse der Bevölkerung. »Es ist kein Interesse da, an dem was wir in zweieinhalb Jahren im Gemeinderat erarbeitet und mittlerweile an Geld investiert haben«, kritisierte er. Es zähle nicht nur, was das Gremium beschließe, es müsste auch in der Dorfgemeinschaft eine Dynamik entstehen, betonte er. Sein Fraktionskollegen Michael Regnauer meinte, die jetzt beschlossene Satzung ermögliche die Chance, das Dorf zu entwickeln, ähnlich einer Dorferneuerung. Um etwas zu initiieren, bedürfe es aber der Unterstützung der Bevölkerung. Es sei an der Zeit, die Pläne voranzutreiben und auch umzusetzen, forderte Martin Bartlweber (FW). »Die meisten haben offenbar den Sinn nicht verstanden. Es ist ihnen mehr um die Brückentrasse gegangen.« Zur Diskussion um einen neuen Brückenstandort nördlich der Bestandsbrücke meldete sich auch Rudolf Mayer (FW) zu Wort und stellte heraus, dass die neue Trasse letztendlich am Naturschutz gescheitert sei und nicht an einigen Seebruckern.

Angesichts der bisher in die Planungen des Förderprojekts investierten 177 000 Euro regte auch die zweite Bürgermeisterin Martha Gruber (FW) an, Nägel mit Köpfen zu machen und mit der Umsetzung der Maßnahmen zu beginnen. Konkret im Gespräch ist die Sanierung des Strandbadgebäudes, die voraussichtlich in den Wintermonaten 2018/2019 durchgeführt werden soll. Im laufenden Haushalt wurden dafür anteilig schon mal 200 000 Euro eingestellt.

Die beschlossene Sanierungssatzung gilt für 15 Jahre und tritt am morgigen Freitag in Kraft. Im Rahmen der Behördenbeteiligung hat sich auch der Gemeinderat darauf geeinigt, dass das Grundstück an der Ludwig-Thoma-Straße, auf dem eine Änderungssperre liegt, ausdrücklich im Sanierungsgebiet verbleiben soll. Bei diesem Grundstück, das durch die neue Brückentrasse durchschnitten worden wäre, handelt es sich um ein über 7000 Quadratmeter große Fläche, auf der ursprünglich Häuser gebaut werden sollten. Der Bauträger hatte das Grundstück mit Baurecht erworben, noch bevor sich die Gemeinde dafür entschieden hatte, den Bereich als Sanierungsgebiet auszuweisen. Auch die Bauanträge waren zu diesem Zeitpunkt in der Gemeinde bereits eingereicht. Seit der beschlossenen Änderungssperre liegt der Bauträger mit der Gemeinde im Clinch. Nach Angaben des Bürgermeisters soll das Grundstück jetzt versteigert werden. Auch der Gemeinde sei angeboten worden, mitzusteigern. ga