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Überall Knechtung

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Afd Bürgersprechstunde in Grassau
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Der AfD-Bundestagsabgeordnete Hansjörg Müller (links) und Landtagskandidat Markus Plenk beim Bürgergespräch im Grassauer Heftersaal. (Foto: Pangerl)

Grassau – Ein bisserl mehr hätten es schon sein dürfen, das gab AfD-Kreisvorsitzender Hans Fellner freimütig zu. Nur etwa 30 Gäste, viele von ihnen Funktionsträger der Partei, lauschten beim Bürgergespräch am Montagabend in Grassau den Vorträgen von MdB Hansjörg Müller und Landtagskandidat Markus Plenk.


Gewünscht hätte sich Fellner »zwischen 50 und 70« Zuhörer. Denn: »Wir haben über 100 Leute im Verteiler«, sagte Fellner etwas enttäuscht nach der Veranstaltung, die unter dem Motto »Die mittelständische Wirtschaft in Bayern« stand.

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In dieser bekamen die Zuhörer von den Rednern Altbekanntes serviert. Hansjörg Müller knöpfte sich in seinem Beitrag zunächst die CSU vor, die in Person von Generalsekretär Markus Blume zuletzt verbal schwere Geschütze gegen die AfD aufgefahren hatte. Mit Verweis auf die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung, die laut Müller die AfD in einer Studie dort verorte, »wo die Union 1998 stand«, bedankte sich Müller sarkastisch für die Bestätigung, dass die CSU bis 1998 selbst »brauner Schmutz« und ein »Feind Bayerns« gewesen sei.

Danach brachte Müller die Kernthemen der AfD aufs Tapet. Der »von den Eliten geförderte Bevölkerungsaustausch«, der die »Einheimischen zur Verfügungsmasse« degradiere durfte ebenso wenig fehlen, wie die »bürokratische Strangulierung« der Bürger durch die EU, die Müller anhand der kürzlich in Kraft getretenen Datenschutz-Grundverordnung erklärte. Durch diese werde die im Grundgesetz verbriefte Meinungsfreiheit abgeschafft, sie sei ein »Tötungsinstrument für alle Unternehmen, die nicht zu den Großkonzernen gehören«. Die Krone setze dem Ganzen auf, dass die Verordnung, die den Bürger eigentlich vor dem Datenhunger von Unternehmen schützen soll und hohe Strafen bei Missachtung vorsieht, für die Presse nicht gelten solle. »Stalinistische Zensurmethoden« witterte Müller deshalb, da von den »staatlich gelenkten Massenmedien« verbreitete Fake-News nicht mehr gerade gestellt werden könnten. »Wir leben in keiner Demokratie mehr«, polterte der 50-jährige Volkswirt und betonte, dass sich Deutschland bei den Osteuropäern abschauen könne, »wie man mit dem Drecksgesetz umgehen soll«.

Doch nicht nur in Osteuropa gebe es Vorbilder. Auch die Italiener hätten »etwas in der Hose«. Dass die Populisten nach der gescheiterten Regierungsbildung Staatspräsident Sergio Mattarella wegen Hochverrats aus dem Amt jagen wollen, sei völlig richtig, trete dieser doch den Wählerwillen »mit dem Stiefel«, in dem er mit Carlo Cottarelli einen ehemaligen Direktor der »internationalen Verbrecherorganisation IWF« mit der Regierungsbildung beauftrage.

Und was sich die AfD bei der Lega in Italien noch abschauen könne: »Wir brauchen die Straße«, so Müller. Dass die AfD in den Parlamenten sitze, sei zu wenig. Viel zu viele in der Partei würden denken, dass man dort etwas bewirken könne. Das sei mitnichten so, denn 70 bis 80 Prozent der Gesetzesvorlagen, die in den Bundestags-Ausschüssen diskutiert werden, »sind Vorgaben aus Brüssel«. Deshalb müsse es eine demokratische Volkserhebung geben.

Etwas ruhigere Töne schlug zum Abschluss der Unternehmensberater und Nebenerwerbs-Biolandwirt Markus Plenk an. Der 49-jährige Landtagskandidat berichtete von EU-Subventionen, den harschen Vorgaben aus Brüssel für die Bauern und deren »Knechtung durch die Bürokratie«, über die der Ruhpoldinger aus eigener Erfahrung berichtete. Er wolle, sofern er es in den Landtag schaffe, sich dafür einsetzen, dass die bäuerliche Landwirtschaft in Bayern erhalten bleibe, allen voran durch eine Senkung der Steuer- und Abgabenlast für die Landwirte. nop