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Überwältigend schönes Festkonzert zum Richard-Strauss-Jubiläum

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Die Sopranistin Stefanie Iranyi beim Festkonzert zum Jubiläumsjahr von Richard Strauss in der Pfarrkirche in Marquartstein. (Foto: Giesen)

»Ein warmer Sommerabend, wir sitzen im Burghof und freuen uns auf das Festkonzert…« mit diesen Worten eröffnete Marquartsteins Bürgermeister Andreas Scheck das Festkonzert zum 120-jährigen Jubiläum der Eheschließung von Richard Strauss und Pauline de Ahna, die am 10. September 1894 in der Burgkirche St. Veit geheiratet hatten.


Allerdings konnte das seit langem ausverkaufte Konzert wegen des schlechten Wetters nicht im Burghof stattfinden, sondern musste in die Pfarrkirche verlegt werden. Das hatte den Vorteil, dass die meisten der wartenden Gäste doch noch Karten erwerben konnten und die Akustik in dem geschlossenen Kirchenraum für die fulminanten Klänge der Grassauer Blechbläser und der Solisten sicher günstiger war.

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Das Konzert begann mit der berühmten Fanfare aus dem in Marquartstein komponierten Stück von Richard Strauss »Also sprach Zarathustra«, arrangiert von Matthias Linke für das Grassauer Ensemble. Durch das weitere Programm, abwechslungsreich gestaltet von Ensembleleiter Wolfgang Diem, führte die Schauspielerin Jovita Dermota, die vor dem Konzert aus dem Briefwechsel zwischen Richard Strauss und Pauline gelesen hatte (wir berichteten).

Mit dem »Canzon Duodecimi Toni a‘ 10« von Giovanni Gabrieli (1554 bis 1612) führte das Grassauer Bläserensemble eindrucksvoll die venezianische Mehrchörigkeit vor 300 Jahren vor Strauss vor, gefolgt von den »Antiche Danze« des Strauss-Zeitgenossen Ottorino Respighi (1879 bis 1936). Ein weiterer Höhepunkt des Konzerts vor der Pause waren die drei Lieder von Richard Strauss aus opus 27, die der Komponist als Hochzeitsgeschenk für Pauline de Ahna in Marquartstein komponiert hatte.

Der lyrische Tenor Udo Scheuerpflug, der neben vielen anderen Konzertabenden am Gärtnerplatztheater in München engagiert ist, sang mit wunderschöner, weicher Tenorstimme die ganz unter-schiedlichen Liebeslieder, wobei er so klar intonierte, dass jedes Wort zu verstehen war. Auf dem Flügel kongenial begleitet wurde er von seiner langjährigen Liedbegleiterin, der Pianistin Beatrice von Kutzschenbach. Während »Heimliche Aufforderung« noch volksliedhafte Züge trägt, ist »Du meines Herzens Krönelein« und »Ich trage meine Minne« mit lyrischen, aber auch hochdramatischen Zügen ausgestattet. Den ersten Teil des Konzerts beendeten die Grassauer Bläser mit dem beeindruckenden, hoch anspruchsvoll zu spielenden Investiturmarsch »Feierlicher Einzug des Johanniterordens«, opus 103, von Richard Strauss.

In der Pause hatten die Besucher Gelegenheit, die kleine Ausstellung »Richard Strauss – Spuren in Marquartstein« des Heimat- und Geschichtsvereins Achental im Rathaus zu besichtigen sowie die Festschrift »Richard Strauss in Marquartstein« von Stephan Kohler zu erwerben.

Ein ganz besonderes Stück, »In Principio Erat« von dem 1964 geborenen Franz Kanefzky, spielte das Grassauer Blechbläser Ensemble mit Wolfgang Diem, Thomas Höger und Oswald Mayr, Tenorposaune, Matthias Linke und Konrad Müller, Trompete und Piccolo, Rupert Schmidhuber und Peter Boschner, Trompete und Flügelhorn, Johann Schmuck, Bassposaune und Peter Gassner, Tuba. Kanefzkys Stück, für die Grassauer Bläser zum 30-jährigen Jubiläum eigens komponiert, ist eine Hommage an die Entstehung der Blasmusik, die mit dem tiefen Atmen beginnt, zu Naturinstrumenten wie dem Alphorn und zu den weiteren Instrumenten führt. Das Publikum lauschte so konzentriert, dass der Beifall nach dem kurzen Stück gleichsam »vergessen« wurde und es mucksmäuschenstill blieb.

Höhepunkt des Abends nach der Pause waren die drei Liebeslieder »Breit über mein Haupt«, »Morgen« und »Cäcilie«, die Richard Strauss ebenso in Marquartstein für Pauline komponiert hatte. Die inzwischen weltbekannte Mezzosopranistin Stefanie Iranyi aus Raiten in Schleching, gestaltete die schwierig zu singenden Lieder mit ihrer schönen, überwältigend modulierfähigen Stimme grandios, sodass der Applaus nicht mehr zu steigern war. Am Flügel begleitet wurde sie von ihrem Mann, dem 1958 in Jerusalem geborenen Asher Fish, der weltweit als Pianist bekannt und gefragt ist.

Vor dem Liedvortrag wollte die Moderatorin Jovita Dermota von der Sängerin wissen, ob Richard Strauss bei seinen Kompositionen »viel an die Sänger gedacht« habe. Die frühen Lieder seien noch nicht allzu schwierig zu singen gewesen, meinte Frau Iranyi, die Opern hingegen, wie »Elektra« oder »Salome« stellten oft allerhöchste Ansprüche an die Sänger. Auch Wolfgang Diem hatte die Frage, wie Strauss‘ Stücke für die Bläser zu bewältigen seien, mit »manchmal beängstigend herausfordernd« bezeichnet. Das bewies anschließend die von den Grassauer Blechbläsern souverän dargebrachte, großartige »Festmusik der Stadt Wien« von Richard Strauss, für das Ensemble arrangiert von Hans Kröll. Leichtere Kost war das letzte »offizielle« Stück, der »Abendsegen« von Engelbert Humperdinck aus »Hänsel und Gretel«. Da der Applaus nicht enden wollte, gab es noch zwei Zugaben – »Habe Dank« aus der »Zueignung« von Richard Strauss, gesungen von Stefanie Iranyi und Udo Scheuerpflug sowie der »Basler Marsch« durch die Grassauer Blechbläser. Christiane Giesen