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»Überwältigt vom Charme dieses wunderbaren Ortes«

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Das kleine Ölbild »Wolken« von Julius Exter mit seinen faszinierenden Wolkenformationen ist eines der neu restaurierten Bilder der Ausstellung. (Foto: Giesen)

Geballte Wolkenformationen, in vielen Farben schillernde Wasserflächen, in der Sonne flirrende Landschaften – die neue Ausstellung mit den Originalwerken von Julius Exter (1863 bis 1939) ist faszinierend, die bis Mitte September im Exter-Kunsthaus in Übersee-Feldwies zu sehen ist. Unter dem passenden Titel »Licht und Farbe« stehen mittelgroße und kleine Landschaftsbilder im Mittelpunkt, die nach 1900 entstanden sind.


Es sind glühende Szenen in intensiven Farben, zum Bei-spiel vom Badestrand am Chiemsee, an dem der Betrachter den heißen Sommertag förmlich zu spüren vermag so wie die bedrohliche Atmosphäre eines aufziehenden Gewitters. Es ging dem Künstler niemals um die fotografisch exakte Wiedergabe von Landschaften, sondern um die völlig unterschiedlichen Stimmungen der Landschaften zu den verschiedenen Tages- und Jahreszeiten.

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Meisterhafter Wechsel von Licht und Schatten

Licht und Farbe sind Stimmungsträger. Durch den meisterhaften Wechsel von Licht und Schatten haben Bilder wie »Blick auf Stauwehr«, »Morgensonne« oder »Heranziehendes Wetter« eine enorme perspektivische wie auch atmosphärische Tiefe. Einerseits sind die Bilder so Dokumente der Landschaft am Chiemsee, andererseits sind sie zeitlose Kunst.

Schon 1898 hatte der in Ludwigshafen am Rhein geborene Exter Übersee am Chiemsee als Sommeraufenthalt entdeckt. 1902 kaufte er das ehemalige Bauernhaus »Zum Stricker« in Feldwies und baute es zum Künstlersitz um. Es diente auch als Stützpunkt für seine Lehrtätigkeit in den Sommermonaten. An zwei landschaftlich besonders schön gelegenen Malplätzen an der Feldwieser Bucht unterhielt er zeitweise eigene Hütten, sodass er am Ufer sitzend oder im Boot stets neue Motive fand.

Wie schlecht es dem Maler finanziell im Zweiten Weltkrieg und in den Jahren danach ging, zeigt sich darin, dass viele Bilder nicht mehr auf teure Leinwand, sondern Malpappe gemalt sind. Dass Exter viele Bilder nicht verkaufen konnte, ist für die heutige Generation ein Glück: die Tochter des Malers, Judith Exter, vermachte seinen gesamten Nachlass dem bayerischen Staat.

So kann die Bayerische Schlösserverwaltung 14 von Exters Bildern neu restauriert vorstellen – die sprühende Leuchtkraft der Farben kommt wieder voll zur Geltung. Durch die pastosen, vielfältigen Farbschichten auf den Bildern ist die Restaurierung der Bilder besonders diffizil, aber drei freie Restauratorinnen in München sind inzwischen auf Exters Werke spezialisiert. Die alten »Notrahmen« aus brauner Pappe, die der Künstler in den schlechten Zeiten verwenden musste, wurden durch passende Holzrahmen aus Exters Zeit ersetzt.

Der Künstler entwickelte seinen unverwechselbaren Malstil, der zum einen dem Neo-Impressionismus, zum anderen dem französischen Expressionismus verpflichtet ist. Die von Exter selbst aus Pigmenten hergestellten Farben sind spontan mit breiten, kräftigen Pinselstrichen aufgetragen.

Schemenhafte Figuren in den Landschaftsbildern

Die Formen sind großzügig vereinfacht und abstrahiert. In den Landschaftsbildern sind die Figuren nur schemenhaft angedeutet, Gesichter nicht zu erkennen, denn es geht nicht um individuelle Gestalten. Wie gut Exter aber auch die Porträtmalerei beherrschte, zeigen die Selbstporträts der Ausstellung oder »Weiblicher Kopf«.

Erstmals wurde die Exter-Ausstellung vom Präsidenten der Bayerischen Schlösserverwaltung Bernd Schreiber eröffnet. Er äußerte sich »überwältigt vom Charme dieses wunderbaren Ortes«, wo die Bilder am Entstehungsort im Wechselspiel zwischen Haus und Garten eine einzigartige Wirkung entfalten.

Die Ausstellung »Julius Exter – Licht und Farbe« ist bis 11. September, von Dienstag bis Sonntag jeweils von 17 bis 19 Uhr geöffnet, montags geschlossen. Am letzten Öffnungstag, dem 11. September, ist das Exter-Haus von 10 bis 19 Uhr durchgehend zugänglich. Für Gruppen können unter der Telefonnummer 08642/89 50 83 auch andere Termine vereinbart werden. Christiane Giesen

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