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Überzeugende Verbindung von Tradition und Moderne

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Das Duo Brandstätter-Arnold und das Saitenduo Huber: Annelies Brandstätter (von links), Günther Arnold, Schorsch und Sabine Huber. (Foto: Kaiser)

Das Saitenduo Sabine und Schorsch Huber hat beim ersten Konzert im Kircherl am Streichen mit Zither und Gitarren debütiert und zusammen mit dem Duo Brandstätter-Arnold (Harfe und Maultrommel) – nun schon zum achten Mal zu Gast – den Abend gestaltet. Im Quartett begannen sie den frühen Abend mit dem »Brian Boru’s March« aus dem Irland des 11. Jahrhunderts, einem getragenen 6/8el-Marsch mit betörenden Harmonien und in schwingendem Rhythmus.


Arien waren mit Harfe und Maultrommel passend besetzt

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In einer bezaubernden Fassung mit Harfe und Zither erklangen vier Titel aus der Sammlung ganz alter englischer Liedmelodien des Musikverlegers John Playford (1623-1686), das unsterbliche »Greensleeves« neben »All in a garden green«, »Upon a summer’s day« und »Parsons Farewell«, bei dem der Abschied aus einem wiederholten Terzintervall deutlich hörbar wurde. Mit Harfe und Maultrommel, die beim Salzburger Bischof Colloredo, aber auch von staatlichen Stellen als Instrument der Liebeswerbung verpönt war, waren die Arien »Der Vogelfänger bin ich ja« und »Ein Mädchen und ein Weibchen« des liebeskranken Papageno passend besetzt. Wie selbstverständlich passten die traumseligen und -versponnenen Klänge von »Dream-Bells« (S. Woods/arr. Brandstätter-Arnold) dazu.

Der »Tanz« des Josef Sperl mit Zither und Kontragitarre griff in seiner Innigkeit diese Stimmung auf. Mit Melodiegitarre und Zither begeisterte das Saitenduo mit dem »Polkale vom Schorsch«, und der »Oberhorner Marsch« ließ staunen, wie authentisch eine Marschmelodie mit diesen beiden Instrumenten klingen kann.

Johann Georg Albrechtsberger (1736 bis 1809) hörte im Kloster Melk den weithin bekannten Benediktinerpater Bruno Glatzl vor Kaiser Joseph II. die Maultrommel spielen – und komponierte um 1765 mehrere Konzerte für ihn. Günther Arnold, begleitet von seiner Frau Annelies an der Harfe, spielte das Menuett aus dem Konzert in F-Dur – edle höfische Musik.

In die Pause entließ das Quartett gut gelaunte Zuhörer mit dem »a-Moll-Walzer« von Michael Sotier (1943-2002), ein Rosenheimer Kinderarzt, der in Riedering wohnte. Nach einem langsamen Beginn steigerte sich das Stück zu einem fetzigen Walzer – ein echter »Stad-Lustiger«.

Der zweite Konzertteil begann mit »Canario« des deutsch-italienischen Lautenisten Johann Hieronymus Kapsberger (1580-1651), das sich in schwingendem Rhythmus entwickelte und behutsam verklang. Als Huldigung an die Große Oper spielten Brandstätter-Arnold »Di tanti palpiti« aus Gioachino Rossinis (1792-1868) »Tancredi« mit den kostbaren Originalvariationen zu dieser Arie. Ganz ohne Berührungsängste folgten Volksmusikstücke, die Polka »Für meine Leit« von Schorsch Huber, der Walzer »An Toberl seiner« von Tobi Reiser (1907-1974) und der »Partenkirchner Gebirgsschützenmarsch« von H. Zwerger (1912-1977), mit Gefühl und staunenswerter Technik gespielt vom Duo Huber.

Stücke harmonierten hervorragend miteinander

Ein ausgesucht raffiniertes Stück Musik mit überlegten Klangeffekten war »La Guabina« (die Taube) von Alfredo Ortiz (geb. 1946). »Schach Matt« von Koletta Fritz aus der Musikantenfamilie Fritz aus dem Kleinen Walsertal, eine Art verfremdeter Zwiefacher, harmonierte hervorragend mit dem anonym überlieferten italienischen Tanz »La Rotta« (16. Jahrhundert). Wiegende Wellen und Wassertropfen hörte, ja spürte man beinahe bei »On the Water« von Monika Stadler (geb. 1963), einer in Linz geborenen Harfenistin, die in London lebt und der Harfenmusik neue Dimensionen erschließt.

Noch einmal Sotier zum Ausklang: »Der Ungarische« entpuppte sich als rassige Polka aus dem Osten – volksmusikantisch und konzertant zugleich. Als Zugabe gewährten die Musikanten noch »La Rosa de Oro« und, in einer Form wie bei J. Haydns »Abschiedssinfonie«, »Canario«. Sie wurden ihrem Motto »dem Alten verpflichtet und dem Neuen gegenüber aufgeschlossen« mit diesem Konzert überzeugend gerecht. Engelbert Kaiser