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A Nightmare on Imhof Street

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Das Berchtesgadener Land ist gruselig. Im Tal der langen Schatten zwischen Texas Ramsau Massacre und Psychowiesen gibt es viele unheimliche Orte: den Toten Mann, den Kalten Keller, die Schlafende Hexe und  die Mordau. Auch die Grabesstille in Marktschellenberg sorgt bei vielen für Gänsehaut.  Doch die grausigsten Legenden ranken sich um Parkplätze. Es gibt zahlreiche dokumentierte Fälle von arglosen Autofahrern, die dort ihren Verstand verloren haben. Lesen Sie  die schaurigsten Geschichten über die Parkplätze des Grauens. Sie sind so schrecklich, dass der Enzian in den Adern gefriert. Diesmal der letzte Teil der Trilogie: A Nightmare on Imhof Street.

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Es tut geradezu körperlich weh, wenn man den Horrorparkern an der Imhof-Straße in Berchtesgaden zuschaut. Oder, noch schlimmer:  zuhört. Kupplungen kurz vorm Abnippeln, Sand im Getriebe, Drehzahlen zum Durchdrehen. Das alles ist aber Schrittgeschwindigkeit im Vergleich zu den Turbo-Gruslern. Denn sie kommen, wenn es dunkel wird: Gasgeb-Gabi und Subaru-Guru.

Gasgeb-Gabi ist eine schlechte Autofahrerin von Weltruf. Ihr Unvermögen wurde schon besungen („Ich geb Gas, obwohl ich nicht ras“) und verfilmt (The Gabi and the Furious). Sogar der Dichterfürst Johann Fünfgang von Goethe hat ihr eine Ballade gewidmet, die zum Klassiker wurde:

 

Wer parkt  so spät bei Wind und Wetter?

Die Gabi ist’s mit ihrem Jetta.

Sie schaltet hin, sie schaltet her.

Das Getriebe will bald nicht mehr.

Sie  kurbelt am Lenkrad, verrenkt das Genick,

das Einparken gelingt ihr trotzdem nicht.

Passanten haben Angst um ihr Leben,

die Autos hinter ihr, die stehen.

Gabis Gesicht wird rot, dann fast schwarz.

Aus ihren Augen quillt der pure Hass.

Scheiß Parkerei in dem Drecks-Beachtsgon

Wisst’s wos? I werd wieder fon.

 

Handelt es sich bei Gasgeb-Gabi um eine gequälte Frau, die niemanden etwas Böses will, ist der Subaru-Guru ein böser Mann, der jeden quälen will. Meistl sieht man ihn in einer Vollmondnacht. Dann wütet  er auf dem neuen beschrankten Bezahl-Parkplatz an der Imhof-Straße.  Seine Ähnlichkeit mit Freddy Krueger ist verblüffend. Schütteres, weißes Haar, tiefe Stimme, Ringelpulli.  Keuchend schlurft er über den sonst leeren Parkplatz zu seinem Subaru Justy.  Schaut man ihm beim Ausparken zu, beschleicht einen weit mehr als ein mulmiges Gefühl. Der Motor heult apokalyptisch im maximalen Drehzahlbereich, die Bremsen klingen, als würde Stefan Mross die Trompeten des jüngsten Gerichts blasen, und das Schaltgetriebe atmet den Odem des Todes.  Wenden in drei Zügen? Pah! Fahrlehrer haben nach dem Anblick des Subaru-Gurus  ihre Führerscheine abgegeben. Nach über zehn Minuten Lenkradgekurble ist der Kopf des Subaru-Gurus SPD-rot. Grollend rollt  er in weitem Bogen vom Parkplatz, überfährt fast ein älteres Ehepaar und verfehlt ein Schaufenster nur um ein paar Millimeter. Im ersten Gang rast er hinfort. Doch jedem ist klar: Das Grauen kehrt zurück.        Christian Fischer