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A Tribute to Jerry Lee Lewis

Die Mojo Blues Band ist ein Begriff. Jerry Lee Lewis sowieso. Dass Siggi Fassl aus Wien jedoch eigens (und einmalig) ein erlesenes Quintett auf die Beine gestellt hat, war bislang bestenfalls im Großraum Wien bekannt. Dort gab es zum Anlass des sechzigsten Geburtstages von Siggi Fassls Vater ein Sondergastspiel. Diesem Gastspiel folgte prompt ein Engagement in der Schweiz. Diese Chance wiederum ließ sich Veranstalter Alex Welte nicht nehmen und holte diese einzigartige Combo (auf dem Weg in die Schweiz) eben mal schnell nach Staudach auf die berühmte Musikbühne. Freund und Pianist Charlie Furtner und Didi Mattersberger (Drums) von der Mojo Blues Band ergänzten sich perfekt mit dem überaus entspannt wirkenden Michael Hudec am Kontrabass sowie dem Grimassen schneidendem Gitarristen Robert Hacker.

Siggi Fassl, Michael Hudec und Robert Hacker (v. l.) beim Sondergastspiel in Staudach. (Foto: Kewitsch)

Vollblutmusiker durch und durch. Ein Wimpernschlag genügte, und der Rhythmus wurde entsprechend forciert oder gedrosselt. Die berühmten und auch weniger berühmten Nummern von Jerry Lee Lewis wurden mit eigenen Interpretationen und manches Mal auch mit Improvisationen versehen oder ergänzt. Der Mann an der Gitarre, Robert Hacker, charismatisch und humorig, holte aus den sechs Saiten eine Vielzahl an Facettenreichtum heraus, während Charlie Furtner gewohnt glückselig an seinem Keyboard das musikalische Repertoire hoch und runter spielte als ob er in seinem Leben noch nie etwas anderes gemacht hätte. Tastensicher und mit jeder Faser sich seiner Musik hingebend.

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Siggi Fassl, dieses Mal in der Rolle des Frontmannes, war sichtbar glücklich und hatte nicht minder große Freude am Gesang der wunderbaren Rock'n'Roll-, Blues- und Country-Nummern, aber auch an der jeweiligen Anmoderation, die er mit leichtem Wiener Schmäh akzentuiert dem dankbaren Publikum darbot.

Jerry Lee Lewis, 1935 geboren, dessen einzigartiger Stil – die linke Hand am Piano erzeugte starken Boogie Woogie- Hintergrund, während die rechte schnelle, mit Gospel angereicherte Melodien spielte – ihn zu einem Rock'n'Roll-Star der 50er Jahre machte, bot das musikalische Fundament des Abends. Hits und auch besondere Nummern wie beispielsweise das berühmt röhrige »Me & Bobby McGee« von Janis Joplin (komponiert von Kris Kristofferson) oder der Song »I am what I am« und der temporeiche »Boogie Woogie Jam« ebenso wie der »Lewis Boogie« sorgten für beste Stimmung in der ausverkauften Staudacher Musikbühne im Gasthof Mühlwinkl. Kompositionen von Chuck Berry und auch Songs von Carl Perkins ergänzten das Programm stilsicher.

Immer wieder durften die Begleitmusiker ihre Soli einspielen, und einerlei ob das Schlagzeugsolo von Didi Mattersberger oder der launige Kontrabass-Part vom scheinbar unbeteiligten Michael Hudec: Musikalisch perfekt und in der Abstimmung einem Präzisionsuhrwerk gleich boten alle fünf Musiker ein Spielfreude, wie sie zwar so oft in Staudach zu erleben ist, aber alles andere als eine Selbstverständlichkeit darstellt.

Siggi Fassl unermüdlich am Mikrofon, und irgendwie hatte wohl keiner Lust, das Gastspiel zu beenden. So war es schließlich Mitternacht, als nach etwa drei Stunden Spielzeit die letzte – diesmal etwas leisere – Nummer den Staudacher Gästen mit auf den Weg gegeben wurde. Alles in allem: Ein gelungener »Tribut to Jerry Lee Lewis«, und somit ist manifestiert, dass Staudach auf der musikalischen Achse zwischen Wien und der Schweiz eine feste Größe ist. Udo Kewitsch