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Abschluss mit Streichernachwuchs

Sie haben's gerade noch geschafft. Gerade noch? Ja. Zweieinhalb Stunden später – und sie hätten nicht mehr wirklich in den Musiksommer zwischen Inn und Salzach 2013 hineingepasst, weil da bereits der Herbst Einzug hielt.

Das Orff-Quartett mit (v. l.) Felicia Graf, Barbara Danner, Elisabeth Roth und Ludwig Rössert. (Foto: Hans Gärtner)

Gäb's einen »Musikherbst«, würde man sich wünschen: Die Vier, die den Musiksommer beschlossen, sollten den Musikherbst einleiten – so gut waren sie. So überzeugend. So gewinnend in ihrer Frische. So begeisternd durch ihr fabelhaftes Können, das sie an den Tag legten – genauer: an den Abschluss des letzten Sommertages dieses Jahres.

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Ihre Position zwischen Apsis und Schiff der kleinen, gut ausgeleuchteten und voll besetzten Kirche St. Walburga von Kloster Seeon war nicht optimal – ein festgefügter Altartisch verhinderte eine bessere, sprich: weiter rückwärts liegende Positionierung. Sie hätte möglicherweise, man müsste es ausprobiert haben können, zu einer angemesseneren Akustik verholfen und gerade der ersten Violine ihre öfters als gewünscht gehörte Schärfe genommen.

Wie dem auch sei – das Orff-Quartett, seit fünf Jahren von Alexander Krins fachgerecht trainiert, bereits zweimal bei »Jugend musiziert« auf Landes-, einmal auf Bundesebene ausgezeichnet und mit einem 2. bzw. 3. Preis bedacht, spielte sich in die Herzen der etwa 70 Zuhörenden – mehr hätte der Kirchenraum sowieso nicht fassen können. Noch sind sie nicht »fertig«, die vier jungen Leute, und studieren, teils in Salzburg, teils in Augsburg. Und schon gehören sie, als Streichergruppe von rund und zusammengerechnet höchstens 80 Jahren, zum vielversprechenden Nachwuchs ihrer Kategorie. Einer Konstellation klassischer Instrumentalisten, die nichts so sehr als das Aufeinander-Hören erfolgreich sein lässt – eigenes »traumhaftes« Beherrschen des Instruments als selbstverständlich vorausgesetzt.

Dass Barbara Danner (Violine), Felicia Graf (Violine), Elisabeth Roth (Viola) und Ludwig Rössert (Violoncello) auf dem besten Weg zu einer spitze Streichquartett-Karriere sind, bewiesen sie in mehrfacher Hinsicht. Schon einmal durch ihren Geschmack, der sich in Auswahl (M. G. Monns »Quartetto II«, Haydns Streichquartett op. 77 Nr. 1 G-Dur, zwei von Dvoraks »Zypressen« und Rheinbergers erstes Streichquartett op. 89 c-Moll), Anordnung (barockes Entree, spätromantisches Ende) und Aufteilung (Pause nach dem »schwierigen« Haydn) zeigte. Dann aber auch in der Ausführung. Die Prädikate entschlossen, furchtlos, traumhaft leicht, hochexplosiv, gewagt und nie verbissen mögen nur ein paar wenige qualitative Spots auf das werfen, was die vier blutjungen Künstler boten.

Dank dafür. Auch für die kleine Zugabe einer dritten »Zypresse« des wohl bei der Niederschrift dieses als tonalen Liebesbeweis komponierten Stücks über beide Ohren in eine reizende Frau verknallten Antonin Dvorak. Auch für die spontan formulierten, anregenden Erläuterungen zu Verständnis und Einordnung der doch recht wenig populären Auswahl (wer kannte schon Matthias Georg Monn?). Und: ganz besonders für den fulminant gelungenen, zündenden, selbst für Instruierte überraschend hochdramatischen Rheinberger. Hans Gärtner