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Abstieg, Rücktritte, Randale: 1860 vor schwieriger Zukunft

Nach dem Abstieg will der TSV 1860 München rasch einen «konkreten Plan für die Zukunft aufstellen». Präsident und Geschäftsführer sind aber erstmal weg. Nach den schweren Ausschreitungen droht eine harte Strafe. In Regensburg dagegen wird weiter der Aufstieg gefeiert.

Am Boden
Die Sechziger Fanol Perdedaj, Sascha Mölders, Florian Neuhaus und Daniel Adlung (l-r) sind bitter enttäuscht. Foto: Peter Kneffel Foto: dpa
Vitor Pereira
1860-Coach Vitor Pereira konnte den Abstieg der Münchner nicht verhindern. Foto: Peter Kneffel Foto: dpa
Krawalle
Polizisten formierten sich vor dem 1860-Fanblock. Foto: Peter Kneffel Foto: dpa
Schluss
TSV-Geschäftsführer Ian Ayre (l) und Löwen-Präsident Peter Cassalette traten zurück. Foto: Andreas Gebert Foto: dpa
Schaden
Die Münchner Anhänger rissen Sitzschalen heraus und warfen sie auf den Rasen. Foto: Peter Kneffel Foto: dpa

München (dpa) - Nach dem Absturz in die 3. Fußball-Liga steht der Traditionsverein TSV 1860 München vor einem schwierigen Neubeginn. Präsident Peter Cassalette trat nach dem 0:2 (0:2) im Rückspiel der Relegation gegen Jahn Regensburg noch am Dienstagabend zurück.

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Der erst im April angetretene Geschäftsführer Ian Ayre hatte bereits vor dem wichtigsten Spiel der Saison seine Kündigung eingereicht. Trainer Vitor Pereira kommt für den sportlichen Neuanfang nicht infrage. Der jordanische Investor war beim Abstieg nicht in der Münchner Arena.

Ein Nachspiel werden für 1860 auch die Ausschreitungen von Fans während des Spiels haben. Mehrere Polizisten wurden dabei leicht verletzt. Die Beamten wurden von diversen Wurfgeschossen getroffen. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird wie erwartet Ermittlungen einleiten. Dies bestätigte ein DFB-Sprecher. Schiedsrichter Daniel Siebert musste die Partie in der 81. Minute für eine knappe Viertelstunde unterbrechen. Ein Abbruch konnte vermieden werden. 1860 München muss nach den erschreckenden Szenen mit einer harten Bestrafung rechnen.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) verurteilte die Ausschreitungen scharf. Die Aktionen «sogenannter Löwen-Fans» seien völlig indiskutabel, sagte Herrmann im Landtags-Innenausschuss. Er forderte den DFB auf, mindestens lang anhaltende Stadionverbote auszusprechen. Wer sich so verhalte, wer Spieler und Polizisten mit Gegenständen bewerfe, habe in einem Stadion nichts verloren.

«Jetzt gilt es, den Blick nach vorne zu richten: Unsere erste Aufgabe ist es jetzt, einen konkreten Plan für die Zukunft zu machen», teilte der Verein auf seiner Homepage mit. «Mit dem Fall Dritte Liga haben wir uns bereits befasst», hieß es dort, allerdings ohne konkreter zu werden. Man werde sich «die notwendige Zeit nehmen, um diese Pläne in Ruhe durchzugehen und alle Optionen sorgfältig zu prüfen». Der Verein hängt seit Jahren finanziell am Tropf des Milliardärs Ismaik.

Personell muss es definitiv einen radikalen Neubeginn geben, in der Führung als auch bei der Mannschaft. Präsident Cassalette trat zurück, um einem Neuanfang nicht im Wege zu stehen, wie der Verein mitteilte. Ayre und er würden ihre Ämter jeweils nach einer geordneten Übergabe niederlegen.

Mit der Veröffentlichung des Rückzugs von Ayre hatte der Verein nach eigenen Angaben bis nach der Niederlage gewartet, um die Mannschaft und das Umfeld vor dem wichtigen Spiel gegen Regensburg nicht zu belasten. Der Geschäftsführer war beim Spiel schon nicht mehr im Stadion. Der 54-Jährige hatte sein Amt bei den Löwen erst im April angetreten. 1860-Investor Hasan Ismaik holte den Engländer vom FC Liverpool, dem Premier-League-Club, bei dem Jürgen Klopp Trainer ist.

Nach der Niederlage gegen Regensburg hatte Trainer Vitor Pereira die sportliche Verantwortung für den Abstieg übernommen. Die Aussagen des Portugiesen in der Pressekonferenz klangen wie eine Abschiedsrede. «Leider hat es nicht gereicht, die Ziele zu erreichen», sagte er. Der 48-Jährige bedankte sich bei allen im Verein. Sein Projekt mit 1860 München erklärte er für «gescheitert». Fragen beantwortete er nicht.

In Regensburg wird dagegen gefeiert. Erfolgscoach Heiko Herrlich hatte direkt nach dem Aufstieg von einem «sehr emotionalen Moment» gesprochen. Der von den Fans als Vater des Erfolgs gefeierte Trainer, der seit anderthalb Jahren in Regensburg als Trainer arbeitet, blieb auch in der Euphorie um ihn herum am Boden. «Ich empfinde Demut und Dankbarkeit, dass ich ein Teil sein darf von Jahn Regensburg», sagte der 45-Jährige, der als Spieler vor exakt 20 Jahren mit Borussia Dortmund ebenfalls in München die Champions League gewinnen konnte.