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Abwechslung und Vielfalt

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Andreas, Malerlehrling aus Berchtesgaden, muss während der praktischen Gesellenprüfung an einer Raute seine Lasurtechnik demonstrieren. Beobachtet wird er dabei von Jürgen Zellerhof, Obermeister der Maler- und Lackierer-Innung. (Foto: Karin Kleinert)

Berchtesgadener Land – Wer sich bislang noch nicht näher über das Handwerk des Malers und Lackierers informiert hat, der wird überrascht sein, wie vielfältig und abwechslungsreich dieser Ausbildungsberuf ist. Und Fingerspitzengefühl braucht man mitunter auch: Will der Auftraggeber beispielsweise, dass die Wände seines Wohnzimmers den gleichen Farbton wie der Teppich haben soll – nämlich dunkelviolett – dann ist Beratung angesagt.


Vor solch schwierigen »psychologischen« Herausforderungen bleiben angehende Gesellen freilich noch verschont, doch dass es ihre praktische Prüfung trotzdem in sich hat, davon konnte sich der »Berchtesgadener Anzeiger« vor kurzem in der Staatlichen Berufsschule Berchtesgadener Land ein Bild machen.

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Bis vor wenigen Jahren wurde der Maler- und Lackierernachwuchs in Freilassing geschult. Weil die Zahl der Azubis und damit auch die Schülerzahlen zurückgingen, findet der Unterricht inzwischen nur noch in der Berufsschule in Traunstein statt. Die Räumlichkeiten in Freilassing werden jedoch weiterhin genutzt und zwar als Prüfungsstandort. Dieses Jahr hat die Handwerkskammer kurzfristig angefragt, ob ein Teil der 21 Absolventen ihre Prüfung in Freilassing ablegen darf. Wie Berufsschulleiter Hermann Kunkel im Gespräch erzählt, habe er natürlich sofort eingewilligt: »Die Berufsschule ist da flexibel und unterstützt gerne«, so Kunkel.

Weil es in den ehemaligen Malerwerkstätten in der Berufsschule in Freilassing sämtliche Möglichkeiten gibt und alles da sei, was nötig ist, sind die Rahmenbedingungen laut Georg Renoth optimal für die dreitägige praktische Prüfung. Renoth ist der Lehrlingswart und Prüfungsausschussvorsitzende der Maler- und Lackiererinnung Berchtesgadener Land und das seit nunmehr 45 Jahren. »Ein Nachfolger wäre schön langsam gut«, so der Berchtesgadener. Zusammen mit Jürgen Zellerhof, dem Obermeister der Maler- und Lackiererinnung, gibt er einen Einblick in den Prüfungsablauf.

Nach dem Theorieteil – geprüft werden Gestaltung, Instandhaltung- und Bautenschutz sowie Wirtschafts- und Sozialkunde – geht es mit der praktischen Prüfung weiter, die wegen der Trocknungszeiten zwanzig Stunden dauert. Die Lehrlinge bekommen einen Arbeitsauftrag in Form eines Kundenauftrags: Diesmal mussten sie eine ehemalige Lagerhalle in eine Kulturhalle mit Café und Galerie »verwandeln«. Ein anspruchsvolles Unterfangen, bei dem gestalterische Ideen und jede Menge Kreativität gefragt sind. Nachdem der Arbeitsauftrag bearbeitet ist, wird ein detaillierter Arbeitsablaufplan mit diversen Berechnungen, Skizzen, Farb- und Materialvorschlägen erstellt. An einer Lackierplatte muss der angehende Geselle dann zeigen, dass er sauber, exakt und staubfrei arbeiten kann.

Neben dem Malen und Lackieren von Außen- und Innenräumen lernen die jungen Menschen auch das Bodenverlegen. Sie können Spanndecken einziehen und verschiedene Putzsorten aufbringen. Auch über baubiologische Themen und energetische Sanierung erfahren sie während der Ausbildung. Es ist ein krisensicherer und ungemein vielseitiger Beruf, bei dem man laut Renoth »anpacken können muss und kreativ sein soll«.

Die Tendenz gehe bei den Lehrlingszahlen zwar im Moment nach oben, trotzdem könnten es mehr Azubis sein, so der Prüfungsausschussvorsitzende, der sich nun wieder unter »seine« Lehrlinge mischt und ihnen Tipps gibt, wie sie mit ruhiger Hand noch schneller und präziser arbeiten können. Karin Kleinert