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Achenüberquerung mit dem Zwölftonner

Berchtesgaden - Gab es Planungsfehler beim Bau der Breitwiesenbrücke? Ist das Gefälle tatsächlich so stark, dass Busse bei Auf- und Abfahrt »aufsitzen«? Oder sind das alles nur Gerüchte, wie Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp sagt? Der »Berchtesgadener Anzeiger« lud am Donnerstag zum Brückentest. Das Ergebnis: Beim Zwölf-Meter-Bus besteht vorne noch eine Bodenfreiheit von knapp zehn Zentimetern, Skiständer und herabhängende Kabel haben hinten ein minimales Kratzgeräusch erzeugt. Doch die Straßenanschlüsse beiderseits der Brücke sind nur provisorisch, ab dem Frühjahr soll alles hundertprozentig passen.

Bürgermeister Franz Rasp ist zufrieden. Die Bodenfreiheit beim zwölf Meter langen Schwaiger-Bus reicht locker. Erst bei der Einfahrt in die Bundesstraße sollte es ein wenig enger werden. Anzeiger-Fotos
Wegen der Hochwassersicherheit ist die neue Breitwiesenbrücke (vorne) rund einen Meter höher als das alte Bauwerk (hinten).
Bürgermeister Franz Rasp, Marktbaumeister Helmut Graßl und Busunternehmer Rudi Schwaiger (v.l.) erklärten das weitere Vorgehen beim Projekt Breitwiesenbrücke.
Der Asphaltkeil am Übergang zwischen Brücke und Bundesstraße ist nur Provisorium. Die Bundesstraße soll in diesem Bereich ab dem Frühjahr etwas angehoben werden, sodass die Übergänge sanfter werden.
Busunternehmer Rudi Schwaiger hat kein Problem mit der neuen Brücke. Im Gegenteil: Für ihn und seine Kollegen stellt der Neubau eine Erleichterung dar.

Eigentlich hatte der Bauzeitenplan eine Brückeneröffnung erst im Frühjahr vorgesehen. Wegen des anhaltend schönen Wetters kam man allerdings schnell voran, sodass eine Befahrung schon frühzeitig möglich wurde. »Wir haben uns deshalb entschlossen, die Brücke früher als geplant mit einem provisorischen Umfeld zu eröffnen«, erklärt Bürgermeister Franz Rasp. Das war ganz im Sinne der zahlreichen Busfahrer, die täglich zum Salzbergwerk, zur Watzmann Therme oder zum Eisstadion müssen. Weil die alte Brücke nur für sechs Tonnen zugelassen war, mussten bislang die meisten Busse den Umweg über die Gollenbachbrücke nehmen. »Das ist jetzt für uns schon eine gewaltige Erleichterung«, sagt Busunternehmer Rudi Schwaiger.

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Der Schönauer hatte die neue Brücke auf Anfrage von Bürgermeister Franz Rasp zwei Wochen vor der Eröffnung bereits mit seinem größeren 14-Meter-Bus getestet. Damals war die Befahrung sehr grenzwertig. »Ich wäre mit dem Fahrzeug wohl aufgesessen, wenn ich den Bus nicht per Luftfederung etwas angehoben hätte«, sagt Rudi Schwaiger. Man entschloss sich deshalb dazu, die tiefer gelegenen Übergangsbereiche beidseitig der Brücke provisorisch mit Asphalt aufzufüllen. »So funktioniert es jetzt fürs Erste ganz gut. Aufgesessen ist jedenfalls noch keiner«, sagt Marktbürgermeister Franz Rasp.

Der »Berchtesgadener Anzeiger« wollte es prüfen und bat zum Brückentest an die Breitwiese. Bürgermeister Franz Rasp nimmt zum Ortstermin an diesem Donnerstag als Verstärkung seinen Marktbaumeister Helmut Graßl mit, der erst einmal die Gründe erläutert, warum die neue Breitwiesenbrücke um rund einen Meter höher gebaut wurde als die alte, wodurch ja erst das starke Gefälle entstand.

»Das war eine Forderung des Wasserwirtschaftsamtes, das sich nach dem sogenannten hundertjährigen Hochwasser richtet«, erklärt Graßl. Dazu kommt ein sogenanntes Freibord, das bei der neuen Brücke einen Meter beträgt. Es soll gewährleisten, dass auch bei so einem Extremhochwasser keine Verklausung durch Bäume und Sträucher stattfindet. Obwohl es ein hundertjähriges Hochwasser seit Beginn der Aufzeichnungen nie gab, sieht Bürgermeister Rasp einen Sinn in den Sicherheitsvorkehrungen. »Man weiß es nie. So ein Hochwasser kann morgen schon kommen«, sagt Rasp. Der Rathauschef weiß auch, dass die Bogenkonstruktion nichts mit der Statik der Spannbrücke zu tun hat, wie man vielleicht glauben könnte.

Gelassen wartet Bürgermeister Franz Rasp schließlich zusammen mit dem »Anzeiger«-Redakteur auf den aus Richtung Watzmann Therme heranfahrenden Test-Bus der Firma Schwaiger. Helmut Graßl steigt als Fahrgast ein, auf die Bodenfreiheit des Busses dürfte sich das aber nicht auswirken. »Selbst wenn der Bus voll ist, wird das durch die Luftfederung ausgeglichen«, erklärt Busfahrer Rudi Schwaiger. Auf dem Scheitelpunkt der Brücke legt er einen ersten kurzen Stopp ein. Keine Gefahr. Vorne, hinten und in der Mitte ist genügend Luft. Langsam geht die Testfahrt mit dem Zwölftonner weiter. Als sich das Gefährt dem Übergang zur Bundesstraße nähert, stoppt Schwaiger erneut. Franz Rasp grinst zufrieden, der Abstand beträgt immer noch rund 15 Zentimeter. Erst als der Bus schon mit der Front in die Bundesstraße hineinragt, wird es ein wenig knapper. Rund fünf bis zehn Zentimeter sind aber immer noch frei, hinten ist dagegen ein leises Kratzen, verursacht durch den Skiständer und ein loses Kabel, zu hören.

Insgesamt darf der Test als bestanden gewertet werden, zu schnell sollte man mit einem langen Gefährt aber nicht in die Bundesstraße einfahren. Dennoch soll die Situation im Frühling noch deutlich verbessert werden, wie Bürgermeister Franz Rasp verspricht. »Es war ohnehin geplant, die Bundesstraße ein wenig anzuheben, damit der Übergang sanfter wird«, sagt der Rathauschef. Alle Anschlüsse seien bislang nur provisorisch erstellt worden. Auch eine neue Bushaltestelle wird es dann geben, dazu kommen neue Straßenmarkierungen inklusive Abbiegespur und Einfädelspur.

Busunternehmer Rudi Schwaiger ist mit dem Brückenprojekt jedenfalls zufrieden. »Wir fahren diesen Bereich fast täglich an. Und die Situation hat sich für uns jetzt deutlich verbessert. Vor allem die Übersichtlichkeit beim Einbiegen in die Bundesstraße ist jetzt richtig gut«.

Die alte Breitwiesenbrücke soll noch vor der Hochwasserzeit abgerissen werden. »Da gehen wir kein Risiko mehr ein«, sagt Rasp. Berchtesgadens Rathauschef ist halt doch ein Brückenbauer. Im übertragenen wie im wörtlichen Sinn. UK